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Was es heute an Schulen nicht mehr gibt

Der Rohrstock in deutschen Klassenzimmern ist zum Glück längst Geschichte. Doch auch viele andere Dinge, die früher in der Schule normal waren, sind verschwunden - oder werden es bald sein. Selbst das Poesiealbum ist nicht mehr das, was es mal war.



Rechenschieber und Tablet
Früher gab es den Rechenschieber, heute nutzen Schülerinnen und Schüler digitale Hilfsmittel wie das Tablet zum Mathe-Lernen.   Foto: Silvia Marks » zu den Bildern

Als Maresi Lassek zur Schule ging, griffen manche Lehrkräfte noch zum Rohrstock. Bei den Mädchen gab es Schläge auf die Hand, bei den Jungs auf den Po.

«Das war 1959 und hat danach auch noch angehalten», erzählt Lassek, deren Eltern damals mit ihr von Österreich nach Bayern gezogen waren und die fortan dort die Schule besuchte. Die Prügelstrafe ist inzwischen längst tabu.

Von der Maulschelle zur Wegnahme des Smartphone

Schule ist immer im Wandel, das zeigt dieses Beispiel besonders krass. Heute nehmen die Lehrer den Schülern zur Strafe eher das Smartphone weg, geben Strafhausaufgaben oder lassen sie nicht an Exkursionen teilnehmen.

Vieles, was an Schulen einst Normalität war, gibt es längst nicht mehr: Samstagsunterricht, Matrizen, das Fach Schönschreiben. Und dann gibt es Dinge, die auf kurz oder lang wohl verschwinden dürften, wie der Polylux, Kartenräume - und ja, selbst gedruckte Bücher. Ein Blick in die Vergangenheit und Zukunft der Schulen:

Als man noch Samstag in die Schule ging

Früher hieß es zum Teil auch am Samstag: Ab in die Schule! «Das war etwa in der DDR obligatorisch», sagt Lassek, die Bundesvorsitzende des Grundschulverbandes ist. Heute gilt in aller Regel die Fünf-Tage-Woche, der SAMSTAGSUNTERRICHT ist Geschichte.

Ein klassischer DDR-Begriff ist der POLYLUX, Schüler in Westdeutschland kennen ihn eher als OVERHEAD-PROJEKTOR. Das Gerät wirft auf transparente Folien aufgetragene Notizen, Schaubilder oder Zeichnungen an die Wand - es ist gewissermaßen der analoge Vorgänger des Beamers. Und genau wegen diesem wird er demnächst vom Aussterben bedroht sein, prognostiziert Heinz-Peter Meidinger. Noch ist er aber an Schulen im Einsatz, die digital nicht gut ausgestattet sind.

Meidinger arbeitet als Schulleiter eines Gymnasiums im bayerischen Deggendorf und ist Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Was heute dem Polylux blüht, ist in den Achtziger Jahren den MATRIZEN passiert: Sie wurden von einer besseren Technik abgelöst. Bis dahin gab es noch keine Kopierer in den Schulen. Wenn Lehrkräfte Blätter für die Klasse vervielfältigen wollten, kamen die Matrizendrucker zum Einsatz.

Schönschreiben war einmal ein Unterrichtsfach

Ein Fach, das sich viele Lehrer und Eltern manchmal zurückwünschen dürften, ist das SCHÖNSCHREIBEN. «Das gibt es überhaupt nicht mehr», sagt Maresi Lassek. Vielleicht sollte es das wieder geben? Jedenfalls monieren Lehrer in Umfragen immer wieder mal die handschriftlichen Fähigkeiten der Schüler im Land.

Das POESIEALBUM hat mit der Handschrift nur am Rande zu tun. Doch auch diese Büchlein sind nicht mehr das, was sie einst waren. Heute sind die Seiten strukturiert und geben damit ein Korsett vor, in dem man antworten muss: Name, Hobbys, Lieblingsessen, eine Ecke für ein kleines Porträtbild, Lieblingsfächer, et cetera. Maresi Lassek kennt noch die Poesiealben, deren Seiten einfach weiß waren. «Dann musste man alles selbst gestalten.»

Als Meidinger Abitur machte, das war 1974, kamen TASCHENRECHNER erstmals auf. Mit den grafikfähigen Geräten, die es heute so gibt, waren die aber nicht zu vergleichen. Damals waren sie klobig, für die breite Schülermasse kaum erschwinglich und brachten wenige Funktionen mit. «Wir hatten den Sohn eines Chefarztes in der Klasse, der hatte einen», erzählt Meidinger. «Der konnte maximal Sinus und Cosinus ausrechnen und hat 1000 D-Mark gekostet.»

Taschenrechner sind noch da. Doch was sie können, leisten Smartphone-Apps inzwischen auch. Steht hier irgendwann die nächste Ablösung bevor? Schuldirektor Meidinger jedenfalls denkt, dass Taschenrechner schon heute immer weniger eine Rolle spielen.

Rechenschieber und logische Blöcke im Mathe-Unterricht

Ein Relikt aus der Vergangenheit sind RECHENSCHIEBER, auch RECHENSTÄBE genannt. «Diese sind aus dem Mathematik-Unterricht verschwunden, genau wie die logischen Blöcke», sagt Maresi Lassek. Mit den bunten Formen sollten Schüler einst Mengenlehre lernen.

Nicht nur im Mathematik-Unterricht haben sich die Hilfsmittel geändert. Der Englisch- oder Spanisch-Unterricht fand einst oft in SPRACHLABOREN statt. In diesen speziellen Zimmern war jeder Platz mit Kopfhörer, Kassettenrekorder und Mikrofon ausgestattet. Sie waren mit dem Lehrerpult verbunden. «Damit konnte der Lehrer, das war revolutionär, den Schülern Fremdsprachentexte auf ihre Kopfhörer spielen», erzählt Heinz-Peter Meidinger. Wenn Schüler eine Lektion mit einer Kassette absolvierten, konnte der Lehrer sich zu einzelnen Plätzen schalten und dann abhören, ob etwa die Aussprache korrekt ist.

In einigen Schulen gibt es die Labore noch, in der Regel sind sie jedoch durch Computerräume ersetzt worden. Wie die Digitalisierung die Schule verändert, zeigt sich nicht nur hier. Die klassischen Karten, etwa für den Geografie-Unterricht, sie werden immer seltener genutzt, wie Maresi Lassek sagt. «Sie werden heute vom Beamer ersetzt.»

Klassische Tafeln und Whiteboards gibt es mittlerweile auch als interaktive Variante. Und SCHULBÜCHER, die den Schulrucksack schwer machen, könnten bald Vergangenheit sein. «Mit Sicherheit wird es in zehn Jahren kaum mehr gedruckte Schulbücher geben», sagt Heinz-Peter Meidinger. Dann werde eher mit digitalen E-Books gearbeitet. Vorteil hier: Sie lassen sich leichter aktualisieren, wenn sich Lehrinhalte ändern, und jederzeit mit Zusatzinformationen anreichern.

Veröffentlicht am:
17. 06. 2019
04:49 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
17. 06. 2019
04:49 Uhr



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