Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerGlobe-TheaterStromtrasseHSC 2000 Coburg

 

Die Küche aus Kindersicht neu entdecken

Viele Eltern denken, die schlimmsten Gefahren für ihre Kleinen lauerten vor der Haustür. Stimmt aber nicht. In der heimischen Küche drohen Stürze, Verbrennungen und Verätzungen. Wie wird sie kindersicher?



Die Pfanne als Gefahr
Reicht der Griff einer Pfanne über den Herd hinaus, könnte ein Kind den brutzelnden Inhalt hinunterreißen. An einem Modell einer überdimensionierten Küche bekommen Erwachsene eine ganz neue Perspektive auf die Küche - nämlich die von Kindern.   Foto: Franziska Gabbert » zu den Bildern

Für Kinder ist die Küche wie ein Zauberkasten. Da gibt es Dinge zu entdecken, mit denen überraschende und meist leckere Sachen entstehen. Spannend sind die hintersten Ecken im Schrank. Dazu muss man ihn nur ausräumen.

Und die ulkigen Maschinen erst. Die eine rührt von alleine, in der anderen blubbert es. Man muss nur auf den Knopf drücken. «Das kann ich auch!», denkt sich mancher Zwerg und ahnt gar nicht, in welche Gefahr er sich dabei mitunter begibt. Eltern unterschätzen dieses Risiko allerdings ebenso oft.

Die Gefahren lauern zuhause

«Geht es um Gefahren, denkt man zuerst immer an den Straßenverkehr. Oder man hat die Vorstellung, dass seinem eigenen Kind etwas angetan werden könnte. Aber dass die größten Gefahren zu Hause lauern, hat man gar nicht im Blick», sagt Susann Rüthrich, Vorsitzende der Kinderkommission des Deutschen Bundestages.

Rüthrich kennt viele Szenarien, die schnell schlimme Folgen haben können. Etwa eine heiße Tasse, die sich über dem Hochstuhl ergießt, weil man sich nur kurz wegdreht. Oder die scharfen Messer, die ein Kind nicht sieht, wenn es von unten in die Besteckschublade langt.

Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) «Mehr Sicherheit für Kinder» sagen 64 Prozent der Eltern, dass das eigene Kind in der eigenen Wohnung nicht gefährdet sei. Aus Sicht von Stefanie Märzheuser ist das jedoch eine Fehleinschätzung. «Die Studienlage zeigt, dass knapp zwei Drittel der Unfälle von Kleinkindern im häuslichen Umfeld passieren», erklärt die Kinderchirurgin von der Charité Berlin.

Kabel verstecken, den Ofen sichern

Der Wasserkocher sei eine der höllischen Gefahren in der Küche, so Märzheuser. Das Kabel der Maschine sollte darum immer nach hinten weg geführt werden und nicht herunterhängen.

Nicht viel besser sieht es beim Backofen aus. Bei modernen Modellen werde zwar die Tür nicht mehr heiß, aber bei älteren Modellen drohen Verbrennungen. Und natürlich auch, wenn das Kind es schafft, die Tür zu öffnen. Heiß ist nicht nur die Röhre, sondern auch Auflauf oder Braten. Türsperrriegel könnten zumindest das Öffnen verhindern.

Gar nicht sehen, wohin sie fassen, können kleine Kinder bei der Herdplatte. Das Schlimme daran sei, so Märzheuser, dass Kinder bis zum fünften Lebensjahr kaum in der Lage sind, zu registrieren, dass etwas heiß ist und dass sie das Händchen sofort wegzuziehen müssten. «Diese Verknüpfung im Denken kommt erst später.» Sie rät: «Nur die hinteren Herdplatten benutzen und den Stiel der Pfanne immer nach hinten drehen. So kann sich das Kind nicht damit übergießen.»

Achtung Verbrühungsgefahr

Generell sollten Gefäße mit heißer Flüssigkeit nie am Rand des Tisches stehen. Der Inhalt einer Tasse reiche aus, um 20 Prozent der Körperoberfläche eines Kindes zu verbrühen, sagt Märzheuser.

Um solche Unfälle auszuschließen, hat Andreas Kalbitz im eigenen Haushalt und dem der Großeltern Tischdeckenverbot erteilt. «Unser Kind ist 16 Monate alt und zieht an allem», sagt der Geschäftsführer der BAG. Er merke nun auch, wie wichtig Kindersicherungen für alle Steckdosen sind, erzählt er. Es sei erstaunlich, was für einen Reiz Steckdosen auf kleine Kinder ausüben.

Nicht nur die Steckdose selbst, sondern auch die Schnur einer Steckdosenleiste auf dem Boden birgt Gefahr - Kinder können leicht darüber stolpern. Spritzwasser und Fett auf dem Boden wiederum sorgen für Rutschgefahr. Oft brechen sich laut Märzheuser die Kleinen bei Stürzen den Ellenbogen. Dadurch seien gleich drei große Nerven betroffen, die die Hand koordinieren, so die Chirurgin.

Reiniger wegsperren

Weit weg und an abschließbare Orte sollten in der Küche eines Kinderhaushalts Dinge wie Spülmaschinenpads oder Reinigungsmittel verschwinden - es drohen schlimmste Verätzungen der Speiseröhre.

Weil es nicht immer beim Kind ankommt, nur über Gefahren zu reden, bestärkt Chirurgin Märzheuser Eltern, schon von klein auf mit dem Nachwuchs Gefahren auszuprobieren. Das geht etwa durch gemeinsames Schneiden mit dem Messer, stets unter Aufsicht. «Wir sollten aus Kindern Sicherheitsexperten machen, aber keine ängstlichen Schisser.»

Veröffentlicht am:
28. 06. 2019
05:04 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesamt für Güterverkehr Debakel Deutscher Bundestag Eltern Gefahren Kinder und Jugendliche Reinigungsartikel Sicherheitsexperten Susann Rüthrich Säuglinge und Kleinkinder Wohnungen Wohnungsbesitz Zauberkästen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Rauchen auf Spielplätzen

06.08.2019

Wie lassen sich Spielplätze am besten von Kippen befreien?

Zigarettenqualm und achtlos weggeworfene Kippen sind auf Schwedens Spielplätzen seit wenigen Wochen gesetzlich verboten. Auch in Deutschland gibt es in einigen Bundesländern Rauchverbote. In Berlin darf jedoch weiter geq... » mehr

Babykonzert

25.07.2019

Bei Babykonzerten gibt es Klassik für die Allerkleinsten

Hier muss niemand still sitzen: Bei «Babykonzerten» ist Krabbeln, Singen, Tanzen oder Spielen ausdrücklich erwünscht. Die Kinder genießen es, aber ist es auch hilfreich für ihre Entwicklung? Experten sehen das skeptisch. » mehr

Fehlende Kitaplätze

20.08.2019

Eltern kämpfen um Rechtsanspruch auf Kita-Platz

Das hätten sich die Müllers nicht träumen lassen: Die Suche nach einem Kita-Platz für ihr Töchterchen ist so schwierig - trotz Rechtsanspruchs. Sie ziehen vor Gericht. » mehr

Reisen mit Baby

02.08.2019

Sind Reisen während der Elternzeit ratsam?

Kaum ist das Kind geboren, werden die Koffer gepackt. Viele junge Familien nutzen die gemeinsame Elternzeit für ausgiebige Reisen. Doch ist das gut für die Kinder? » mehr

Babys

27.06.2019

Manche Eltern geben ihren Babys exotische Namen

Auch wenn viele Babys Marie, Paul, Sophie oder Alexander genannt werden - manche Eltern mögen es exotischer. In Urkunden taucht auch Wendelbert, Merkel oder Tyrion auf. Nach Ansicht von Psychologen macht ein ungewöhnlich... » mehr

Erziehen ohne Schimpfen

13.08.2019

Wie Kinder Regeln am besten lernen

Das Kind sollte längst in der Kita sein, denn die Arbeit ruft. Doch der kleine Trotzkopf zieht sich einfach nicht an. Jetzt bloß nicht schimpfen, sagt eine Expertin. Denn das frisst nur noch mehr Zeit. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
28. 06. 2019
05:04 Uhr



^