Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

 

Das letzte Jahr vor der Einschulung

Stillsitzen! Konzentrieren! Hausaufgaben! Die Grundschule ist vielleicht nicht der Ernst des Lebens - aber doch ganz anders als die Kita-Zeit. Um das gut zu meistern, müssen Kinder vor allem emotional stabil sein, sagen Experten. Rechnen lernen sie ja noch früh genug.



Fit genug fürs ABC?
Schreiben lernen vor der Schule? Wenn die Kinder Lust drauf haben, ist Vorauslernen in Ordnung. Forcieren sollten Eltern das nicht.   Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn

Der Startschuss für die Schullaufbahn fällt im Sommer. Allerdings nicht im Jahr der Einschulung, sondern ein Jahr vorher. In vielen Bundesländern geht es dann los mit Schuleingangsuntersuchungen, in den Kindergärten steht die Vorschule an.

Für Kinder ist das aufregend - und für Eltern nervenaufreibend. Denn je näher die Schule rückt, umso mehr Fragen stellen sich: Ist mein Kind reif für die Schule, ist es fit genug? Was muss es schon können? Die eine Antwort auf diese Fragen gibt es nicht. Denn welcher Weg der richtige ist, hängt vom einzelnen Kind und seinem Umfeld ab.

Trotzdem gibt es in den meisten Ländern einen Stichtag, irgendwo zwischen Ende Juni und Ende September: Wer bis zu diesem Datum ein bestimmtes Alter erreicht hat, der fällt unter die Schulpflicht. In vielen Ländern wird dieser Tag seit Jahren immer mal wieder verschoben - einfach deshalb, weil er nie so richtig passt.

Das ist auch kein Wunder, sagt Gabriele Trost-Brinkhues vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ): «Es gibt einfach keinen Stichtag, der allen Kindern gerecht wird.» Dafür seien die Entwicklungsunterschiede zu groß. «Es gibt Kinder im Einschulungsalter, die sind erst auf dem Entwicklungsniveau von Vierjährigen - und andere sind so weit wie Achtjährige.»

Einschulung

Die meisten Bundesländer berücksichtigen das: Eltern können zum Beispiel einen Antrag auf frühere Einschulung stellen. Und oft gibt es auch die Möglichkeit, Kinder noch ein Jahr zurückstellen zu lassen - oder andere Regelungen für einen flexiblen Schuleinstieg.

Doch woher sollen Eltern wissen, ob ihr Kind weit genug ist? Eine wichtige Rolle spielt die Schuleingangsuntersuchung - auch wenn diese oft missverstanden wird. Ganz wichtig sei, dass diese kein Test und keine Prüfung ist, sagt Trost-Brinkhues.

Zuständig ist nicht der reguläre Kinderarzt, sondern der sogenannte schulärztliche Dienst. «Die Schuleingangsuntersuchung ist erst einmal eine körperlich-medizinische Untersuchung. Da geht es zum Beispiel um Hör- und Sehfähigkeit, um chronische Krankheiten und vor allem um schulische Vorläuferfähigkeiten und einen eventuellen Förderbedarf.»

Also doch ein Test? Wer nicht fit genug ist, dreht eine Ehrenrunde? Nein - aus zwei Gründen. Erstens berät der Schularzt nur und entscheidet nicht. Zweitens geht es dabei auch oder sogar vor allem um das große Ganze. «Gerade der Förderbedarf ist ja ein wichtiger Hinweis für die Schule in Bezug auf Klassengröße und Personalbedarf zum Beispiel», erklärt Trost-Brinkhues.

Entscheidung

Die Entscheidung, ob und wann ihr Kind in die Schule kommt, liegt also zuerst bei den Eltern. Die sollten dabei ruhig auf ihr Bauchgefühl hören, rät Trost-Brinkhues - und auf die Kinder. Wie viel Lust auf Schule haben die? «Da geht es nicht zuerst darum, was Kinder alles schon können - wichtig ist vor allem, ob ich das Gefühl habe, dass mein Kind emotional stabil genug für die Schule ist.»

Ähnlich sieht es auch Klaus Seifried, der im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen für das Thema Schulpsychologie zuständig ist. Gruppenfähigkeit und soziale Reife spielen bei der Einschulung zum Beispiel eine zentrale Rolle, sagt er: «Kann das Kind aushalten, mal nicht gelobt zu werden oder im Mittelpunkt zu stehen? Kann es Konflikte oder Misserfolge aushalten? Kann es im Unterricht still sitzen, sich konzentrieren und selbstständig arbeiten?»

Und auch bei Fein- und Grobmotorik sieht Seifried Probleme: «Manche Kinder haben Schwierigkeiten, etwas mit der Schere auszuschneiden oder etwas zu malen, wenn sie in die Schule kommen», sagt er. «Andere haben Probleme beim Gehen auf einer Linie, oder einen Ball zu fangen.» Solche motorischen Fähigkeiten seien aber eine wichtige Grundlage für vieles andere - sogar für die Sprachentwicklung.

Und was ist, wenn das Kind da noch Probleme hat? Wenn die Kita-Kumpels auch noch nicht in die Schule kommen? Wenn das Bauchgefühl sagt: Lieber noch ein Jahr warten? Dann kann eine Zurückstellung sinnvoll sein - genau wie sich bei sehr fitten Kindern ein Frühstart lohnen kann. Vorauslernen jedenfalls müssen Kinder in keinem Fall - Rechnen oder Schreiben sind Sachen für die Schule.

Veröffentlicht am:
31. 07. 2019
10:07 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Chronische Krankheiten Frühstarts Hausaufgaben Kinder und Jugendliche Kinderärzte Probleme und Krisen Schulen Schulpflicht Schulärzte Vorschule
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Reisen mit Baby

02.08.2019

Sind Reisen während der Elternzeit ratsam?

Kaum ist das Kind geboren, werden die Koffer gepackt. Viele junge Familien nutzen die gemeinsame Elternzeit für ausgiebige Reisen. Doch ist das gut für die Kinder? » mehr

100 Jahre Grundschule

13.09.2019

Welche Chancen eröffnet die Grundschule?

Lesen, Schreiben und Rechnen lernen Kinder seit nunmehr 100 Jahren in der gemeinsamen Grundschule. Wie war das damals und wie könnte die Grundschule in 100 Jahren aussehen? » mehr

Wie gelingt Rückkehr an die Schule?

26.07.2019

So gelingt Austauschschülern die Rückkehr an die Schule

Nach den Sommerferien bleiben manche Stühle im Klassenzimmer leer, denn einige Schülerinnen und Schüler absolvieren dann ein Austauschjahr an einer ausländischen Gastschule. Der Anschluss an die Abiturvorbereitung kann a... » mehr

Spielplatz in Hamburg

17.07.2019

In den Großstädten gibt es weniger Platz zum Spielen

Langes Warten an Rutsche und Schaukel - auf Spielplätzen müssen sich Kinder oft in Geduld üben. Vor allem in Großstädten wird der Platz immer knapper. Kinder und Eltern erobern sich deshalb zunehmend die Straßen zurück. » mehr

Svenja Stottmeister

21.06.2019

Warum eine gute Handschrift auch heute noch wichtig ist

Manche mögen es schnörkelig, andere sachlich. Mal beugt sich alles stark nach rechts, mal driftet es zur linken Seite. Wie wichtig ist heute noch eine individuelle Handschrift? Haben den Job nicht längst Smartphones, Tab... » mehr

Heimunterricht

06.02.2019

Kinder, die nicht zur Schule gehen

Kinder in Deutschland müssen zur Schule. Aber was, wenn nicht? Eine Familie aus Potsdam weigert sich. Sie erzählt von ihrem Kampf gegen die Behörden, ihrem Alltag und der Angst. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
31. 07. 2019
10:07 Uhr



^