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Wie Kinder Regeln am besten lernen

Das Kind sollte längst in der Kita sein, denn die Arbeit ruft. Doch der kleine Trotzkopf zieht sich einfach nicht an. Jetzt bloß nicht schimpfen, sagt eine Expertin. Denn das frisst nur noch mehr Zeit.



Aufräumen mit dem Kind
Besser auf Augenhöhe: Statt aus dem Nebenzimmer zu schimpfen, sollten Eltern Kindern konkret erklären, dass etwa alle Spielsachen vom Boden in die Kiste sollen.   Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn » zu den Bildern

Verdammt noch mal, wie oft soll ich es dir noch sagen?!» Wie viele Kinder hören diesen blöden Spruch tagein, tagaus von ihren gestressten Eltern.

Aber wahrscheinlicher ist, dass sie ihn gar nicht hören - weil er in ein Ohr reingeht und zum anderen wieder raus. Davon ist Nicola Schmidt überzeugt. Sie hat das Buch «Erziehen ohne Schimpfen» geschrieben.

Warum bringt Schimpfen nichts?

Nicola Schmidt: Sobald man schimpft, verliert man den Kontakt zum Kind. Mal angenommen, man würde einen Partner oder einen Kollegen kreischend anblaffen, wie oft man ihm etwas noch sagen solle. Der würde doch auch sofort dicht machen.

Es gibt Situationen, da fühlen sich Eltern unter Druck. Damit dann etwas vorangeht, scheint Schimpfen der einzige Ausweg.

Schmidt: Wenn Eltern gestresst sind, schalten sie in den Alarmmodus. Viele Verhaltensweisen der Kinder erscheinen dann als Bedrohung, die man nur eindämmen müsse, damit Kinder funktionieren. Doch unter Dauerstress fällt es uns schwer, mit den Kindern mitzufühlen.

Wie reagieren Eltern im Idealfall mitfühlend?

Schmidt: Wie oft rufen Eltern aus dem Nachbarzimmer vier, fünf, sechs, sieben, acht Mal Anweisungen wie: «Räum deine Legokiste ein!» «Zieh dich an!», «Putz die Zähne!» Das hören Kinder gar nicht. Dazu sind sie viel zu vertieft. Statt wie eine Schallplatte zu klingen, ist es besser, direkt zu dem Kind zu gehen.

Und dann?

Schmidt: Dann hockt, kniet oder setzt man sich auf gleiche Augenhöhe und berührt das Kind. Beim Sprechen nicken, lächeln und klar machen «Ich kenne das auch, dass man manchmal nicht Schluss machen möchte, ich möchte jetzt, dass wir...». Dann fühlt sich das Kind ernst genommen und nicht von oben herab behandelt. Wichtig ist auch, persönlich zu bleiben. Man sollte nie sagen: «Das macht man nicht». Stattdessen kommt es besser an, etwa zu sagen: «Ich will, dass du nicht kippelst. Das ist mir zu unruhig.»

Sie schlagen vor, das Wort «Nein» zu verbannen und dafür eine Ja-Umgebung zu schaffen. Wie soll das funktionieren?

Schmidt: Wenn man dem Kind immer nur «Nein, Nein» sagt, lernt es keine Regeln. Dabei kann man auch empathisch Nein sagen.

Wie geht ein «empathisches Nein»?

Schmidt: Angenommen das Kind will unbedingt noch eine spätere Sendung sehen. Statt sich ein Nein-Doch-Gefecht zu liefern kann man entgegnen: «Ich höre dich. Es geht nicht. Aber was ist so cool oder lustig an der Sendung?» Und dann ist man im Gespräch über die Sendung. Oder wenn Kinder kurz vor dem Abendessen wilde Dinge vorschlagen, wie jetzt noch kurz ins Schwimmbad zu gehen, wäre eine Erziehen-ohne-Schimpfen-Reaktion: «Eine tolle Idee! Würde ich auch gern. Aber hast du eine Idee, wie wir das in einer Stunde schaffen können, ohne uns total abzuhetzen?» So erkennt man die Idee an und kann zusammen überlegen, warum das nicht klappt.

Viele Eltern kennen das: Gehetzt holen Sie ihre Kinder von der Kita ab und haben schon im Kopf: Jetzt noch schnell Einkauf, Paket abholen, Reinigung...

Schmidt: ...und wundern sich, dass die meiste Zeit mit Quengeln, Schreien, Wutanfällen und Schimpfen über die Bühne geht. Ich rate immer: Erstmal nach der Kita eine halbe Stunde Zeit zum Kuscheln nehmen, bevor man irgendwas anderes macht. Glauben Sie mir: Das geht schneller und ist gut investierte Zeit. Unter dem Motto: Zeit verlieren, um viel mehr Zeit zu gewinnen.

Literatur:

Nicola Schmidt: Erziehen ohne Schimpfen, Gräfe und Unzer, 176 Seiten, 16,99 Euro, ISBN-13: 978-3-8338-6856-6.

Veröffentlicht am:
13. 08. 2019
10:47 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
13. 08. 2019
10:47 Uhr



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