Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 30 Jahre WiedervereinigungCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

Ein Jahr «Silbertelefon» für einsame Senioren

Der Ehepartner tot, die Kinder längst aus dem Haus: Bei manchen Älteren kommen die einzigen Stimmen in der Wohnung aus dem Fernseher. Eine Berliner Initiative bietet vereinsamten Senioren seit einem Jahr ein offenes Ohr. Wie fällt die Bilanz aus?



Telefonieren gegen Einsamkeit
Telefon-Trickbetrüger versuchen, vor allem ältere Menschen hinters Licht zu führen. (Symbolbild)   Foto: Britta Pedersen/dpa

Eine vor einem Jahr in Berlin gestartete Telefon-Hotline für einsame Senioren bekommt viel mehr Anrufe als die Helfer annehmen können. «Wir haben vor 14 Tagen unser 7000. Gespräch gehabt», sagte «Silbertelefon»-Initiatorin Elke Schilling der Deutschen Presse-Agentur vor dem ersten Geburtstag des kostenlosen Angebots an diesem Dienstag.

Bisher scheiterten aber viele Menschen, wenn alle Mitarbeiter im Gespräch sind: Rund 30.000 versuchte Anrufe seien verzeichnet worden, sagte Schilling.

Für Menschen ab 60

Das «Silbertelefon» ist täglich von 8.00 bis 22.00 Uhr besetzt, die Rufnummer lautet 0800 4708090. Gedacht ist es für einsame Menschen ab 60 in Berlin, die mit jemandem reden möchten, aber nicht beim Krisendienst oder der Telefonseelsorge anrufen möchten.

Dass ein Teil der Anrufer nicht durchkommt und sich mit einer Bandansage begnügen muss, hält Schilling in der Zielgruppe für problematisch: «Ältere Menschen sind ziemlich viel Ablehnung gewöhnt. Wenn sie zu viel davon bekommen, dann geben sie auf.» Mögliche Kontakte gingen so verloren. Perspektivisch soll das Team der Hotline Schilling zufolge weiter von derzeit 15 auf 25 Kräfte anwachsen, die Nummer könnte dann rund um die Uhr erreichbar sein. Beim Start hatte es fünf Mitarbeiter gegeben.

Mehr Frauen als Männer

Bisher meldeten sich viel mehr Frauen als Männer, 80 bis 90 Prozent seien weiblich, sagte Schilling. Besonders häufig hätten die Anrufer das Bedürfnis, überhaupt einen Zuhörer zu haben. Viele ältere Frauen berichteten vom abgerissenen Kontakt zu ihren Kindern und Enkeln. Hinzu kämen bei manchen gesundheitliche Themen wie Depression sowie weitere schwierige Probleme.

Das geschulte Team hört zu und vermittelt je nach Problem auch zu Angeboten im Kiez: Einen Witwer, der nach dem Tod seiner Frau sehr in seiner Trauer gefangen gewesen sei und viel geweint habe, habe sie zum Beispiel auf ein Trauercafé in einer Kirche in seiner Nähe hingewiesen, erzählt Schilling. «Das kannte er noch nicht.» Auch Telefonfreundschaften mit Ehrenamtlichen werden vermittelt.

Unterdessen gibt es Bestrebungen, die Hotline über Berlin hinaus auszubauen. Träger ist der 2016 gegründete Verein Silbernetz in Kooperation mit dem Humanistischen Verband Deutschland. Silbernetz geht davon aus, dass in Deutschland rund acht Millionen Menschen zwischen 60 und 99 zumindest zeitweise von Einsamkeit betroffen sind. Vorbild der Hotline war das britische Angebot «The Silver Line».

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 09. 2019
16:34 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutsche Presseagentur Frauen Kinder und Jugendliche Männer Senioren Tod und Trauer Trauer Witwer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Trauer um den Partner

26.10.2020

Zeit lassen für die Trauer um den Partner

Viele Menschen erleben im hohen Alter einen schmerzlichen Verlust. Der Tod des Partners, der oft Jahrzehnte an der Seite war, sorgt für tiefe Trauer. Doch man kann einen Umgang damit finden. » mehr

Häusliche Gewalt gegen Männer

15.05.2020

Häusliche Gewalt kann auch Männer treffen

Die Männer sind das starke Geschlecht, die Ernährer der Familie. So das gängige Klischee. Doch auch sie können Opfer von häuslicher Gewalt werden. Ein Betroffener erzählt, wie seine Partnerin ihn jahrelang quälte. » mehr

Trotz Distanz: So bleibt der Kontakt zu Kindern und Enkeln eng

28.08.2020

So bleibt der Kontakt zu Kindern und Enkeln eng

Die Kinder und ihre Familien leben in einer anderen Stadt. Dennoch will man sich als Oma oder Opa einbringen und seine Enkel aufwachsen sehen. Das gelingt auch - etwas Organisation vorausgesetzt. » mehr

Kein Kinderwunsch

04.09.2020

«Ich will keine Kinder»: (K)ein Grund für Rechtfertigungen

Familienleben ist Privatsache - eigentlich. Denn vor allem, wenn es um die Frage «Kinder - ja oder nein?» geht, müssen sich viele ohne Kinderwunsch erklären und rechtfertigen. Wie geht man damit um? » mehr

Tobias F. Mende

27.10.2020

Wie man sich von Sachen Verstorbener trennt

Kleidung, Schmuck, Briefe: Wenn ein Mensch stirbt, hinterlässt er eine Menge Dinge. Sich durch diese Sachen zu sortieren, ist eine emotionale Aufgabe. Warum kleine Rituale dabei helfen können. » mehr

Valeska Riedel

14.08.2020

Wenn Partner nicht über Gefühle sprechen

Sie oder Ihr Partner können nicht gut über Gefühle sprechen? Sie müssen nicht alles zerreden. Doch wenn Sie etwas ändern wollen, sollten Sie sich Ihrer eigenen Bedürfnisse klar werden, raten Experten. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 09. 2019
16:34 Uhr



^