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Der Kampf für Kinder gegen Schläge, Tritte, Verbrühungen

Kleine Kinder werden geschlagen, geschüttelt und verbrüht, ältere getreten oder sogar stranguliert. Die Münchner Kinderschutzbilanz hat sich mit Hunderten furchtbaren Fällen befasst - und es sollen noch mehr werden. Denn die Dunkelziffer ist noch viel zu hoch.



Gewalt gegen Kinder
Von Januar 2018 bis September 2019 hat die Kinderschutzambulanz am Münchner Institut für Rechtsmedizin 666 Fälle betreut.   Foto: Patrick Pleul/zb/dpa

Wenn die Eltern gefühlskalt sind, das ist am schlimmsten. Wenn Kinder bestraft und gequält werden, wenn die Kinderseelen so sehr verletzt werden», sagt die Münchner Rechtsmedizinerin Elisabeth Mützel.

«Wenn ein Kind so lange unter die kalte Dusche gestellt wird, bis es blau angelaufen ist, nur weil es eingenässt hat, weil es Aufmerksamkeit und Liebe braucht, dann ist das ein Fall, der im Kopf bleibt».

Mützel hat viele dieser Fälle gesehen. Sie ist seit 26 Jahren Rechtsmedizinerin und leitet die 2011 gegründete Kinderschutzambulanz am Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. Allein von Januar 2018 bis September 2019 hat die Ambulanz 666 Fälle betreut. Von 2014 bis 2017 waren es nach Angaben Mützels fast 1400.

Stumpfe Gewalt und Verbrühungen

Es sind die unterschiedlichsten Gewaltformen, die Mützel und ihre Kollegen tagtäglich sehen. «Bei kleinen Kindern ist es meist stumpfe Gewalt: Schläge und Tritte oder das Schütteltrauma. Oder thermische Gewalteinwirkungen, Verbrennungen oder - noch häufiger - Verbrühungen.» «Scharfe Gewalteinwirkungen», Verletzungen mit einem Messer zum Beispiel, sehen die Mediziner selten, Strangulationsformen auch. «Das kommt dann erst, wenn die Kinder älter sind», sagt Mützel. Und wenn Eltern ihre Scheidungsstreitigkeiten auf dem Rücken der Kinder austragen, dann sei das «ganz gruselig».

Bei rund 50.400 Kindern und Jugendlichen in Deutschland sahen die Jugendämter im vergangenen Jahr das Kindeswohl in Gefahr. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren das zehn Prozent mehr Fälle als im Vorjahr. Demnach ist das nicht nur der höchste Anstieg, sondern auch der höchste Stand an Kindeswohlgefährdungen seit Einführung der Statistik im Jahr 2012. In 26 Prozent gab es Indizien für körperliche Misshandlungen.

Allein in Bayern stellten die Jugendämter im Jahr 2018 in 3121 Fällen fest, dass eine akute Kindeswohlgefährdung vorliegt. Dazu kamen nach Angaben des Bundesamtes 6790 Fälle, in denen die Jugendämter feststellten, dass die betroffenen Familien Unterstützung brauchen. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik wurden im vergangenen Jahr bundesweit mehr als 14.000 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern bis 13 Jahren bekannt.

Bayern setzt auf Fortbildung bei Ärzten

«Eine valide Aussage über das gesamte Ausmaß von körperlicher, sexualisierter und seelischer Gewalt sowie Vernachlässigung ist mangels verlässlicher und repräsentativer Daten nicht möglich», teilt das bayerische Familienministerium auf Anfrage mit. Es müsse außerdem «von einer Dunkelziffer ausgegangen werden».

Um mehr Licht in dieses Dunkel zu bringen, setzt Bayern nun auf bessere Fortbildungen von Kinder- und Jugendärzten - «damit keine Form der Gewaltanwendung an Kindern unentdeckt bleibt». Gemeinsam mit der Münchner Kinderschutzambulanz hat das Familienministerium eine Online-Schulung entwickelt, die Ärzte für Anzeichen von Kindeswohlgefährdung - körperlicher und seelischer - sensibilisieren soll.

Denn Gefährdungen des Kindeswohls seien nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, heißt es aus dem Ministerium. «Handelt es sich nur um eine Verletzung vom Spielen im Wald oder liegt möglicherweise Gewaltanwendung durch einen Erwachsenen vor? Woran erkennt man typische und nicht typische Verletzungen bei Kindern?» Auch Ärzte seien hier immer wieder unsicher. «Jeder einzelne Fall von körperlicher, sexualisierter und seelischer Gewalt gegen Kinder und Jugendliche sowie Vernachlässigung ist einer zu viel», teilt das bayerische Ministerium mit. Mützel betont: «Da muss ein Riegel vorgeschoben werden.»

Veröffentlicht am:
18. 10. 2019
10:58 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
18. 10. 2019
10:58 Uhr



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