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Getrennte Liebe in Zeiten des Coronavirus

Liebe über Grenzen hinweg ist in Europa längst keine Seltenheit. Doch immer mehr Länder igeln sich wie Tschechien im Kampf gegen das Coronavirus ein. Viele Paare leiden unter Unsicherheit und Trennungsschmerz.



Iventa Karl und Robert Prade
Iventa Karl und Robert Prade können sich trotz den Grenzschließungen weiterhin sehen. Für den tschechischen Sozialarbeiter gilt eine Ausnahmeregelung.   Foto: Daniel Schäfer/dpa-Zentralbild/dpa

Für Tschechien ist der Nachbar Deutschland wegen des Coronavirus neuerdings ein «Risikostaat». Seit Mitte März gilt ein Ein- und Ausreisestopp, Soldaten und Polizei bewachen streng die gemeinsame Grenze.

Für manche Liebespaare droht der vorläufige «Eiserne Vorhang 2.0» zwischen beiden Nachbarstaaten zu einer Zerreißprobe zu werden. Auch Eheleute, von denen einer ins Ausland pendelt, stehen vor schwierigen Entscheidungen.

Getrennt durch geschlossene Grenzen

Der Tscheche Robert Prade arbeitet im nordböhmischen Liberec (Reichenberg). Doch seit zwölf Jahren lebt er auf der anderen Seite der Grenze im sächsischen Zittau. Der Liebe wegen, wie der 48-Jährige sagt. Seine Partnerin sei in erster Ehe mit einem Deutschen verheiratet gewesen, erzählt er. Sie arbeite in Zittau, auch die Kinder gingen dort zur Schule. Kein Problem eigentlich: Beide Städte sind ja nur 25 Kilometer voneinander entfernt.

Doch jetzt sind die Grenzen dicht. Der Wahl-Zittauer Prade, der in Liberec ein Obdachlosenheim und ein Frauenhaus leitet, hat fürs Erste noch einmal Glück. In letzter Minute verabschiedete Tschechien eine Ausnahme für Gesundheitspersonal und Sozialarbeiter - auch auf Druck aus Deutschland. Sie dürfen nun doch weiter täglich pendeln.

Für alle anderen Grenzgänger gilt: Sie müssen nun mindestens drei Wochen in Deutschland bleiben. Und nach ihrer Rückkehr kommen sie für zwei Wochen in Quarantäne. Prade hat Verständnis, aber auch Bedenken: «Das Netzwerk an Beziehungen ist hier über viele Jahre aufgebaut worden - und jetzt wird es auf einmal gewaltsam unterbrochen.» Das Leben im deutsch-polnisch-tschechischen Dreiländereck mit vielen gemischtnationalen Paaren lasse sich nicht in einfache Regeln fassen.

«Wo bleibt der europäische Gedanke, das Menschliche in der Corona- Krise? Derzeit haben alle Nationalstaaten nur sich selbst im Blick», sagt Matthias K. aus Klingenthal im Vogtland. Wenn er aus dem Fenster seines Hauses schaut, hat er Tschechien im Blick. Die kleine Stadt Kraslice liegt nur wenige hundert Meter von der Grenze entfernt, ist nach deren Schließung durch die Regierung in Prag aber unerreichbar.

Abschied auf unbestimmte Zeit

Matthias K. hat eine Partnerin, die in Kraslice lebt und dort als Lehrerin arbeitet. Vor der Grenzschließung hat er Anna B. (35) zwei bis drei Mal die Woche gesehen - mehr war häufig nicht drin, denn K. arbeitet auswärts. «Die Entscheidung zur Grenzschließung hat uns kalt erwischt», sagt der 47-Jährige. Am 13. März hat er seine Anna das letzte Mal in Kraslice gesehen. Es war ein Abschied auf unbestimmte Zeit: «Da sind Tränen geflossen.» Sie seien davon ausgegangen, dass es 30 Tage dauern könnte. Doch wie lange die Situation tatsächlich so bleibt, kann im Moment niemand sagen.

Die Ungewissheit über die Dauer der Trennung sei das Schlimmste, sagt K. Denn immer wieder gebe es widersprüchliche Informationen: «Malt hier jemand den sprichwörtlichen Teufel an die Wand? Der Regierung in Prag müsste eigentlich doch klar sein, dass sie ein gesamtes Land zum Erliegen bringt», sagt der 47-Jährige.

Ein Sprecher des Innenministeriums in Prag verweist auf einen Ausnahmekatalog. Er soll Familienzusammenführungen regeln, lässt aber viele Fragen offen. So darf der deutsche Ehemann einer Tschechin «einmalig» einreisen, wenn er die Heiratsurkunde vorlegen kann. Kinder internationaler Paare dürfen zum Elternteil in Tschechien zurückkehren, aber nicht hin- und herreisen. Und wer nicht verheiratet ist, hat grundsätzlich das Nachsehen.

Prade glaubt, dass der Schaden durch die vorübergehende Grenzschließung lange anhalten wird. Viele würden das Risiko nicht mehr eingehen wollen, zwischen zwei Staaten zu pendeln. «Die Menschen werden Angst davor haben, dass sich ihr Leben auf einen Schlag völlig verändern kann, wenn so etwas wieder geschieht.»

Veröffentlicht am:
01. 04. 2020
10:57 Uhr

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Autor

dpa

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01. 04. 2020
10:57 Uhr



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