Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 30 Jahre WiedervereinigungCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

So finden Eltern den perfekten Namen fürs Kind

Lumpi, Lucifer und Satan: Viele Eltern wünschen sich tatsächlich, Kinder so nennen zu dürfen. Erlaubt ist das nicht. Doch warum eigentlich nicht? Und wie findet man unter all den Namen den passenden?



Qual der Wahl
Manche achten eher auf den Klang, bei anderen muss die Bedeutung stimmen: Für die Wahl des Vornamens gibt es viele Kriterien.   Foto: Bodo Marks/dpa-tmn

Die Auswahl ist einfach zu groß: Wer auf der Suche nach einem Vornamen für sein Kind ist, kann regelrecht verzweifeln. Soll der Name traditionell klingen? Soll er eine Kette von Folgenamen hinter sich herziehen? Bei der Namenswahl geht viel - aber nicht alles ist erlaubt.

Vorname darf keinen Spott provozieren

«In erster Linie geht es darum, dass ein Vorname das Wohl des Kindes nicht gefährdet», erklärt Julia Cissé, Standesbeamtin in Berlin. Das Wohl sei gefährdet, wenn spätestens in der Schule der Spott anderer Kinder sicher sei oder der Name das gesamte Leben belasten könne.

So ist es beispielsweise schwierig, einem Kind den Namen Paulchen zu geben. «Diese Verniedlichung mag vielleicht noch zu einem Kleinkind passen, aber ein erwachsener Mann könnte damit erhebliche Probleme bekommen», erklärt Gabriele Rodríguez, Fachberaterin für Vornamen und Gutachterin bei der Namensberatungsstelle der Universität Leipzig.

Zeitlose, traditionelle Namen sind laut Rodríguez gerade wieder im Kommen: «Es findet eine Rückbesinnung auf die eigene Familie und traditionelle Werte statt. Deshalb entscheiden sich viele Eltern gerne für die Namen der eigenen Großeltern oder auch der Taufpaten.»

Eltern erfinden manche Vornamen selbst

Gleichzeitig gebe es aber auch einen gegenläufigen Trend: Viele Eltern finden trotz der Riesenauswahl nicht den perfekten Namen - und erfinden kurzerhand selbst einen. So entstand laut Rodriguez aus den Elternvornamen Kerstin und Ron schon mal ein Keron.

«Solche Neubildungen sind grundsätzlich erlaubt», sagt Standesbeamtin Julia Cissé. Sinnvoll sei es jedoch, diese neuen Namen vorab mit der Namensberatungsstelle zu besprechen. Gabriele Rodriguez' Tipp: einen Zweitnamen vergeben. «Ist der Erstname zu ausgefallen, haben Kinder später die Chance, ihren Zweitnamen zum Rufnamen zu ernennen.»

Namensänderung nur mit triftigem Grund möglich

Denn eines sollte allen Eltern bewusst sein: Die Wahl des Vornamens ist eine Entscheidung fürs Leben, so einfach wird man ihn nicht mehr los. «Dafür müssten schon sehr triftige Gründe vorliegen», erklärt Cissé. «Einige Namen werden beispielsweise häufig mit einer sozial schwächeren und bildungsfernen Herkunft verknüpft. Wer die Nachteile durch diese Namen tatsächlich belegen kann, könnte Erfolg haben.»

Rund 1020 Euro kostet eine solche Namensänderung. Keine Hoffnung besteht, wenn jemand den eigenen Namen einfach nicht schön findet.

Streit entsteht häufig auch zwischen den werdenden Eltern - und zwar dann, wenn sie sich einfach nicht auf einen Namen einigen können. Gerald Drews, Autor eines Buchs über Vornamen, rät Paaren dazu, jeweils eigene Hitlisten der zehn Namensfavoriten aufzustellen. Im besten Fall gebe es dann Überschneidungen.

Namen bis zur Geburt geheim halten

Grundsätzlich sollten sich Eltern bei der Namenssuche nicht zu viel vom Umfeld beeinflussen lassen. «Wer ein Kind erwartet, sieht sich schnell damit konfrontiert, dass jeder im Umfeld ungefragt Namensvorschläge macht. Das kann nerven und verunsichern, sagt Drews. Werdende Eltern sollten dann früh klarstellen, dass ausschließlich sie selbst für die Namenswahl zuständig sind. Drews' Tipp: früh mit der Suche anfangen und den Namen erst nach der Geburt bekanntgeben.

Um die Entscheidung nicht irgendwann zu bereuen, rät Drews, im Vorfeld einige Kriterien zu beachten, etwa die Familientradition: Ist es in der eigenen Familie üblich, dass Kinder die Namen der Eltern, Großeltern oder Taufpaten erhalten? Wer diese Tradition weiterführen möchte, hat es mit der Suche leichter. Ein weiteres Kriterium ist die Harmonie mit dem Nachnamen. Drews empfiehlt dazu folgende Faustregel: kurzer Nachname, längerer Vorname, also lieber Maximilian Scholz als Max Scholz. Bei langen Nachnamen verhält es sich genau umgekehrt.

Veröffentlicht am:
01. 05. 2020
04:24 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Allgemeine (nicht fachgebundene) Universitäten Eltern Erwachsene Großeltern Kinder und Jugendliche Probleme und Krisen Satan Schulen Streitereien Säuglinge und Kleinkinder Universität Leipzig
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Elternvertreter in der Zwickmühle

05.08.2020

Als Elternvertreter aktiv: Nützt oder schadet es dem Kind?

Wer Schulkinder hat, kennt diese Situation: Betretenes Schweigen beim Elternabend, wenn der Elternvertreter gewählt werden soll. Was für und gegen diesen Posten spricht. » mehr

Mit Oma und Opa in den Ferien

28.08.2020

So bleibt der Kontakt zu Kindern und Enkeln eng

Die Kinder und ihre Familien leben in einer anderen Stadt. Dennoch will man sich als Oma oder Opa einbringen und seine Enkel aufwachsen sehen. Das gelingt auch - etwas Organisation vorausgesetzt. » mehr

Mitleser unerwünscht

18.09.2020

Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre

Ob aus Sorge oder aus Neugier: Eltern haben heute jede Menge Möglichkeiten, ihre Kinder zu überwachen - digital wie analog. Doch Experten warnen: Nur weil es geht, ist es noch lange nicht richtig. » mehr

Jim Knopf und «Lukas der Lokomotivführer»

03.08.2020

Erfolgsgeschichte von Insel mit zwei Bergen

Ein Junge freundet sich mit einem Lokomotivführer auf einer Insel an. Die hat zwei Berge, klar. Denn die berühmte Abenteuergeschichte um Jim Knopf und die Insel Lummerland kennt jeder. Nun wird sie 60 Jahre alt. Und wird... » mehr

Ralph Schliewenz

17.07.2020

Eltern sollten dem Kind nicht jede Aufgabe abnehmen

Es steckt in Kindern drin, Dinge selbst machen zu wollen. Doch manche Väter und Mütter lassen das kaum zu - aus Vorsicht oder Bequemlichkeit. Warum dieses Verhalten dem Nachwuchs schadet. » mehr

Oliver Dickhäuser von der Uni Mannheim

03.08.2020

Corona-Einschränkungen für Kinder werden bleiben

Regelbetrieb nach den Sommerferien: Das klingt für die neuen Erstklässler erstmal gut. Ein Experte erklärt, warum Eltern und Kindern wegen Corona trotzdem mit Einschränkungen rechnen müssen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
01. 05. 2020
04:24 Uhr



^