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Corona-Einschränkungen für Kinder werden bleiben

Regelbetrieb nach den Sommerferien: Das klingt für die neuen Erstklässler erstmal gut. Ein Experte erklärt, warum Eltern und Kindern wegen Corona trotzdem mit Einschränkungen rechnen müssen.



Mit Maske in die Schule
Die neuen Erstklässler werden sich an andere Regeln halten müssen als in den Jahren zuvor.   Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn » zu den Bildern

Der Stundenplan war bei den meisten Kindern in den vergangenen Wochen sehr übersichtlich: Hier und da 90 Minuten Präsenzunterricht, der Rest wurde von zu Hause aus erledigt. Damit soll nach den Sommerferien Schluss sein.

Laut Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 18. Juni 2020 sollen Kinder an allen Schulen dann wieder regelmäßig Unterricht haben - trotz Coronavirus.

Oliver Dickhäuser ist Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität Mannheim. Er ist skeptisch, ob es nach den Ferien überall wieder Normalbetrieb geben wird. Außerdem rechnet er mit langfristigen Auswirkungen für die Kinder - die sich sogar im späteren Einkommen niederschlagen werden.

Nach den Sommerferien soll in den Schulen wieder der Regelbetrieb starten. Alles super also, oder?

Oliver Dickhäuser: Schön wär's. Interessanterweise denken ja viele Menschen schon jetzt, dass die Kinder wieder ganz normal zur Schule gehen, da ja schon seit Wochen von schrittweiser Schulöffnung die Rede ist. Wer selbst Schulkinder hat, weiß, dass es vielerorts immer noch erschreckend wenig Präsenzbeschulung gab und gibt.

Nach dem Beschluss der Kultusminister, das Abstandsgebot an Schulen aufzugeben, bleibt als beschränkende Größe vor allem die Verfügbarkeit von Lehrkräften. Wer selbst zur Risikogruppe gehört, wird nicht regulär im laufenden Präsenzbetrieb eingebunden.

Wenn daran mit Blick auf die Gesundheit der Lehrer nicht gerüttelt wird, dann sind die Landesministerien den Schulen die Antworten schuldig, wie die entstehende Lücke durch neues Personal übergangsweise geschlossen werden kann. Denkbar wäre das zum Beispiel durch Lehramtsstudierende. Wenn das nicht angegangen wird, dann ist die Ankündigung des Regelbetriebs nach den Sommerferien ein Lippenbekenntnis.

Viele Erstklässler freuen sich auf ihren ersten Schultag. Eventuell könnte es ja aber im Herbst eine zweite Infektionswelle geben und die Schulen schließen punktuell oder flächendeckend wieder. Müssen Eltern ihr Kind darauf vorbereiten?

Dickhäuser: Das Problem ist, dass wir nicht genau wissen, auf was wir sie vorbereiten sollen. Es ist konkret und handfest, Kindern zu sagen «Wenn du in deine Schule gehst, musst du eine Maske aufsetzen.» Aber mit vagen Ungewissheiten - was passiert alles, wenn die Infektionszahlen wieder steigen - können Kinder noch weniger gut umgehen als wir Erwachsenen.

Bringt es etwas, wenn Eltern jetzt schon mal bei der Schulleitung nachhaken, welche Konzepte es für mögliche Einschränkungen gibt?

Dickhäuser: Ich glaube, neue Erstklässler-Eltern tun gut daran, die Schulen jetzt erst einmal ihre Arbeit machen zu lassen. Aber Eltern können sich mit anderen Eltern vernetzen, deren Kinder die Schule bereits besuchen, um mal nachzuhorchen, wie es in den vergangenen Monaten gelaufen ist. Da bekommt man zumindest ein Gespür dafür, ob die Schule auf Zack ist, klar kommuniziert und sich trotz aller Widrigkeiten gut aufstellt.

Werden es die neuen Schüler des Schuljahres 2020/2021 schwerer haben als die Jahrgänge zuvor?

Dickhäuser: Ja, davon gehe ich aus. Wir wissen aus der Forschung, dass organisatorische Unterstützung den Lernerfolg beeinflusst. Und gerade, wenn sich Lerngruppen neu zusammenfinden - wie das in den ersten Klassen aber auch beim Wechsel auf die Oberschule der Fall ist - ist das eine sensible Phase. Wenn die Gruppe und Lehrkraft keine Chance haben, sich aufeinander einzustimmen, bevor es ins Homeschooling geht, erschwert das den weiteren Lernprozess.

Wir wissen außerdem, dass das Aussetzen von Beschulung in Präsenzform sich nicht nur negativ auf die kognitive Entwicklung der Kinder auswirkt, sondern auch im späteren Einkommen niederschlägt. Bildungsökonomen beziffern den Effekt der vergangenen drei Monate Schulschließung auf bis zu 30 000 Euro über das Erwerbsleben eines jetzt schlecht beschulten Kindes. Bei über 10 Millionen Schülerinnen und Schülern haben die Schulschließungen einen Schaden von bis zu 300 Milliarden Euro im Einkommen der späteren Erwerbstätigen angerichtet.

Falls es doch wieder zu Schulschließungen kommen sollte, und die Eltern wieder die Lehrerrolle übernehmen müssen: Haben Sie Tipps?

Dickhäuser: Ich bin sehr dafür, in Sachen Homeschooling den Ball flach zu halten - auch mit Blick auf die eigenen Ressourcen. Es gibt gute Gründe dafür, dass Schulunterricht in der Hand von ausgebildeten Lehrern liegt. Eltern können das nicht gleichermaßen gut leisten. Außerdem haben sie in den letzten Monaten genug wegstecken müssen. Ich hoffe sehr, dass Bildungspolitik und Bildungsadministration tatsächlich erkannt haben, dass nun sie am Zug sind.

© dpa-infocom, dpa:200626-99-574252/5

Veröffentlicht am:
03. 08. 2020
04:44 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
03. 08. 2020
04:44 Uhr



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