Topthemen: LandestheaterVerkehrslandeplatzStromtrasseHSC 2000 Coburg

 

Nicht alles hat ein dickes Ende

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Meine Älteste hat – unaufgefordert und ohne Androhung einer Strafe! – die Spülmaschine aufgeräumt. Juhe!



 

Es war noch nicht einmal mit einer Bitte nach mehr Taschengeld verbunden. Oder einer Beichte. Ich weiß: Angesichts ihres doch nun schon recht fortgeschrittenen Alters von elf Jahren ist so ein bisschen Haushaltshilfe eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber wenn es um Frondienste für die Familie geht, stoße ich bei meiner Ältesten regelmäßig auf taube Ohren. Das überraschende Engagement meiner Tochter ließ also bei mir kurz die Hoffnung aufblitzen, ich wäre erziehungstechnisch nun endlich einmal einen Schritt weiter gekommen. Sie hielt etwa zwei Stunden. Bis ich unser Schneidteufelchen aus der Schublade fischen wollte. (Für alle, die nicht wissen, was das ist: Mit einem Schneidteufelchen meine ich ein kurzes, aber sehr scharfes Messer, das, wie der Name schon sagt, wie der Teufel schneidet und eigentlich nicht in die Spülmaschine sollte, bei uns aber trotzdem immer darin landet. Es firmiert auch unter dem Namen Kneipchen, Küchenpitter oder, besonders hübsch: Hummelchen.) Ich griff ins Leere. Ich sah in der nächsten, übernächsten und überübernächsten Schublade nach. Auch da: nichts, niente, nada, nothing. Meine Tochter schaute in die Küche vorbei. "Was suchst du denn?" Ich versuchte mich in einem Lächeln: "Das Schneidteufelchen. Wo hast du es denn hingetan?" Meine Tochter überlegte kurz. Dann zuckte sie mit den Achseln: "Was is’n das?" Ohne auf Antwort zu warten, verließ sie die Bühne. Am Abend fand ich es. Es lag im Fach, das eigentlich Folien, Butterbrotpapier und Frischhalteclips beherbergt. Während ich das Küchenutensil in die Schublade für Messer zurücklegte, kam der Kindsvater heim. In der Hand hielt er einen hübschen Blumenstrauß. "Für dich, Schatz", strahlte er mich an. Ich schaute ihn durchdringend an. "Und? Wo ist der Haken?" Ich kann Sie beruhigen: Wir sind noch zusammen. Zum Glück folgt nicht jeder Überraschung immer gleich ein dickes Ende.

Autor

Brigitte Löffler
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
15. 06. 2017
19:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Satan Töchter
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen möchten, melden Sie sich bitte an.

Benutzername
Passwort
     

Noch kein Konto? Jetzt Registrieren
Mehr zum Thema

15.12.2017

Minimaler Aufwand, maximaler Erfolg

Neulich auf dem Weihnachtsmarkt: Meine Tochter schaut einem weißbärtigen Mann ins Gesicht. Wie alle Jahre fragt er auch heuer wieder: "Na, hast du denn auch ein schönes Gedicht für mich?" Meine Achtjährige zeigt eindeuti... » mehr

12.10.2017

Die Wende am Wandertag

Bereits am Zuschlagen der Haustüre erkenne ich: In der Schule muss irgendetwas passiert sein. Etwas Furchtbares. Meine Älteste stürmt in die Küche und pfeffert ihren Rucksack in die Ecke. "Hallo Mausi", sage ich und ernt... » mehr

21.07.2017

Begegnung mit dem bunten Panther

Neulich beim Einkaufen. Der Parkplatz des Supermarktes ist voll, als gäbe es kein Morgen mehr. Dabei liegt nur ein einziger Feiertag vor uns ... » mehr

23.02.2017

Gerissen ist gar kein Ausdruck

Unsere Kolumnistin entdeckt bei ihrer Tochter eine neue Eigenschaft. Sie kann sehr höflich sein, wenn sie will. » mehr

02.02.2017

Haarige Angelegenheiten

Es war ein Dienstagmorgen, als meine Jüngste mit der Bürste in der Hand auf mich zukam und fragte: "Mama, machst du mir heute mal einen Sleek-Zopf?" » mehr

Autor

Brigitte Löffler

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
15. 06. 2017
19:00 Uhr



^