Topthemen: LandestheaterStromtrasseMordfall BeatriceVerkehrslandeplatzTraumspielHSC 2000 Coburg

 

Brauchen alle neu gepflanzten Bäume eine Stütze?

Wer einen neuen Baum pflanzt, muss viele Dinge beachten. Unter anderem ist es empfehlenswert, neben dem Baum einen Pfahl zur besseren Standfestigkeit anzubringen. Oder ist dies nur ein Mythos?



Junger Baum mit Stütze
Neu gepflanzte junge Bäume brauchen in der ersten Zeit eine Stütze. Foto: Ferdinand Graf Luckner  

Ein neu gepflanzter Baum hat noch keine gut verzweigten Wurzeln im Boden, die ihm Stabilität geben könnten. Daher lautet ein gängiger Rat, jeder Neupflanzung einen Pfahl an die Seite zu geben, der den Baum stützt.

Der Bundesverband Garten- und Landschaftsbau (BGL) argumentiert, dass ein Baum sonst starkem Wind ungeschützt ausgesetzt ist, und die Bewegung des Wurzelballens sein Wachstum gefährdet. Neu gebildete Wurzeln könnten abbrechen und die Versorgung der Baumkrone unterbrechen.

Der BGL rät daher, junge Bäume immer abzustützen. Für kleinere Gehölze bietet sich ein schräg gesetzter, kleiner Pfahl an, für größere eine Verankerung aus zwei gegenüber gesetzten Pfählen.

Pfähle und Stamm werden mit Naturfaserseilen verbunden. Dafür eignen sich zum Beispiel gedrehtes Kokosgarn, geflochtene Kokoskordeln oder dehnfähige Kunststoff- oder Gummibänder mit einer Mindestbreite von vier Zentimetern. Die Verankerungen bleiben für gewöhnlich zwei bis drei Jahre an den Bäumen.

Der englische Bio-Gärtner Charles Dowding , der ein Buch zu Gartenmythen geschrieben hat, hat eine andere Meinung zum Abstützen frisch gesetzter Bäume: An den meisten Standorten und für die meisten Gehölze sei das nicht notwendig - vielmehr könne das sogar Probleme verursachen. Denn die Wurzeln gewöhnen sich an den Rückhalt und sind daher schwächer. «Die einzigen Bäume, die man abstützen muss, sind jene mit sehr kleinem Wurzelstock», erklärt Dowding. Als Beispiele nennt er veredelte Apfelbäume auf Unterlagen des Typs M9 oder M27 oder Zwetschgenbäume auf der Unterlage Pixy. Ihre Stämme mit kleinen Wurzelstöcken könnten sonst ab dem zweiten Jahr unter dem Gewicht schwerer Früchte in Schieflage geraten oder gar umfallen.

Stützpfähle bieten sich aber auch an für Bäume an steilem Gefälle und an Standorten mit andauernden, starken Winden. Und man sollte Bäume absichern, wenn sie an einer Seite von einer Hecke oder anderen Bäumen umgeben sind, rät Dowding. Daraus resultierender Lichtmangel und ein Streben der Bäume in Richtung des Lichtes, könnte diese sonst in Schieflage bringen.

Dowding rät, den Stamm und den Pfahl recht weit unten zu verknüpfen, nur etwa 60 Zentimeter über dem Boden. «Das ermöglicht dem oberen Teil des Baumes, sich mit dem Wind zu bewegen.» Da der Baum sich mit der Zeit an die Bewegungen anpasst, wird er stärker. Und er schickt Signale an seine Wurzeln, dass diese sich an der Seite vor auftretenden Winden wappnen müssen.

Literatur:

Charles Dowding: Gelassen gärtnern - 99 Gartenmythen und was von ihnen zu halten ist, Oekom Verlag, München, 2016, 144 Seiten, 14.95 Euro, ISBN-13: 978-3-86581-769-3

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
09. 02. 2017
04:50 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Bäume Mythen Standorte Wind
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen möchten, melden Sie sich bitte an.

Benutzername
Passwort
     

Noch kein Konto? Jetzt Registrieren
Mehr zum Thema
Schädlingsbefall bei Kastanien

25.09.2017

Miniermotte schädigt Kastanien - Laubsammeln hilft

Gefühlt sind Herbstanzeichen dieses Jahr besonders früh sichtbar: Kastanien färben ihre Kronen braun, einige haben ihr Laub schon abgeworfen. Tatsächlich treibt ein Insekt sein Unwesen. » mehr

Miniermotte schädigt Kastanien

09.08.2017

Bäume ohne Kleid: Miniermotte schädigt Kastanien

Erst sind die Blätter des Baums unschön braun, dann ist er schon im Sommer kahl: Für merkwürdig aussehende Kastanien ist die Miniermotte verantwortlich. Der Schädling ist dieses Jahr besonders aktiv - mit Folgen. » mehr

Sommerzeit ist Grillzeit

31.07.2017

Wenn der Urwald auf dem Grill landet: Abholzung in Paraguay

Damit in Europa die Steaks auf dem Grill brutzeln können, wird in Paraguay Tropenwald abgeholzt. Bäume werden zu Holzkohle und gerodete Flächen werden für Rinderzucht und Soja verwendet. Das hat Folgen für Umwelt, Wirtsc... » mehr

Hohe Fetthenne

14.09.2017

Fetthenne mag magere Böden

Wenig Wasser, wenige Nährstoffe - die Fetthenne ist ein sehr genügsamer Gartenbewohner. Wächst sie am richtigen Standort, ist sie über viele Jahre ausdauernd. » mehr

Esskastanien-Baum

27.06.2017

So bekämpft man Gallwespen an der Esskastanie

Die Gallwespe ist ein gefährlicher Schädling für Esskastanien-Bäume. Gärtner sollten vor allem an jungen Bäumen dagegen vorgehen. Dort können sie die Gallen noch leicht entfernen. » mehr

Auffällige Blätterform

22.06.2017

Die Pflanze fürs Leben: Funkien im Garten pflegen

Wo Licht ist, ist auch Schatten: Jeder Garten hat diese Ecke, in die keine direkte Sonneneinstrahlung reicht. Und die immer etwas feucht ist. Hier gedeihen viele Pflanzen nicht - die Funkien aber lieben diese Nischen. Au... » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
09. 02. 2017
04:50 Uhr



^