Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

 

Händler belohnen Kunden für umweltfreundliches Verhalten

Einwegbecher und Plastiktüten sind praktisch, aber umweltschädlich. Mit finanziellen Anreizen versuchen mehr Händler, ihre Kunden für umweltschonendere Alternativen zu gewinnen. Anbieter belohnen Kunden beispielsweise für das Verwenden von Mehrwegbechern.



Einweg-Kaffeebecher
In Deutschland werden jährlich fast 2,8 Milliarden Einweg-Kaffeebecher verbraucht. Anbieter liefern deshalb Anreize für ihre Kunden, Mehrweg-Becher zu verwenden. Das schont die Umwelt. Foto:Sebastian Gollnow/dpa   Foto: dpa

Der Umwelt Gutes tun und dabei Geld sparen: Damit locken mehr Händler und Gastronomieketten die Kunden. Ob beim Kaffee für unterwegs, beim Lebensmitteleinkauf oder beim Mode-Shopping - immer öfter gibt es Belohnungen für ökologisches Verhalten.

Beispiel: «Coffee to go». Die Flut der Einwegbecher für den schnellen Kaffee unterwegs, für Latte macchiato oder Cappuccino ist Umweltschützern schon lange ein Dorn im Auge. Nach Angaben der Bundesregierung werden jährlich knapp 2,8 Milliarden Einwegbecher in Deutschland verbraucht. Doch inzwischen belohnen immer mehr Anbieter ihre Kunden, wenn sie auf die umweltschädlichen Einwegbecher verzichten und stattdessen einen eigenen Mehrwegbecher mitbringen.

Die Tankstellenkette Ara l etwa berechnet seit Anfang Februar in den gesellschaftseigenen Tankstellen Kunden, die ihren eigenen Becher mitbringen, 10 Cent weniger. Auch in den McCafés von McDonald's und bei der Bäckereikette Kamps ist der Kaffee im eigenen Becher 10 Cent billiger. Starbucks gibt sogar 30 Cent Rabatt. Auch viele kleinere Cafés haben längst ähnliche Angebote.

«Solche Aktionen stärken das Image. Die Kunden erwarten heute, dass sich die Unternehmen für die Umwelt einsetzen. Das gilt gerade für die jüngere Generation», erklärt der Marketing-Experte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU das Engagement der Unternehmen.

Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die seit langem gegen die Kaffeebecher-Flut Front macht, begrüßt die Offerten. Dass «die Unternehmen ein Anreizsystem nutzen, ist schon der richtige Weg», meint er. Doch ganz zufrieden ist er nicht. Den Umweltschützer ärgert, dass die Angebot von vielen Unternehmen nicht aktiv im Laden beworben werden, sondern eher ein Schattendasein fristen. In den Augen des DUH-Experten ist das dann weniger Umweltschutz als «Greenwashing», also der Versuch, sich ein grünes Mäntelchen umzuhängen.

Auch der zum Rewe-Konzern gehörende Discounter Penny versucht, seine Kunden mit kleinen Belohnungen zu umweltfreundlichem Verhalten zu bewegen. Penny hat nicht nur - wie einige andere Lebensmittelhändler - die Plastiktüten abgeschafft. Wer stattdessen mit der Penny-Permanenttragetasche aus Recyclingmaterial zum Einkaufen kommt, erhält jedes Mal zehn Cent Rabatt. Und die gleiche Summe spendet das Unternehmen noch einmal an Projekte zur Kinder- und Jugendförderung.

«Wir wollen den Kunden auf die Permanenttragetasche hinlenken, denn sie hat die beste Umweltbilanz», erklärt Firmensprecher Andreas Krämer. DUH-Experte Fischer hält das für eine gute Idee. Viel zu oft werde die Plastiktüte einfach durch eine Papiertüte ersetzt, die bei der Herstellung sogar noch mehr Ressourcen verbrauche. «Darum ist der Ansatz Rabatt für Mehrweg sehr gut», meint er. Eines ärgert Fischer aber doch: «Das Konzept wäre noch deutlich besser und hätte nicht so ein Geschmäckle, wenn das Angebot nicht nur für Penny-Tragetaschen gelten würde. So kommt man sich vor wie ein Werbeträger.»

Auch einige Textilhändler spielen inzwischen die Umweltkarte: So nimmt beispielsweise H&M in seinen Filialen «Altkleider aller Marken und in jedem Zustand» entgegen, um sie dem Recycling zuzuführen. Die Kunden erhalten dafür einen Rabatt-Gutschein über 15 Prozent. Ein ganz ähnliches Angebot gibt es auch bei der eher auf ältere Zielgruppen ausgerichteten Modekette Adler . Hier gibt es Einkaufsgutscheine für das Adler-Sortiment.

«Das Hauptziel solcher Aktionen ist es, die Kunden dazu zu bewegen, etwas Neues zu kaufen», urteilt allerdings Handelsexperte Fassnacht. Fischer von der Deutschen Umwelthilfe kann ihnen dennoch etwas Gutes abgewinnen - vorausgesetzt, «es ist ernst gemeint und ein möglicher Gewinn kommt Sozialprojekten zugute». Er glaubt, das Beispiel der Vorreiter könnte in absehbarer Zeit auch bei anderen großen Textilhändlern Nachahmer finden.

Veröffentlicht am:
11. 08. 2017
04:10 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aral Deutsche Umwelthilfe H&M Hennes & Mauritz GmbH Händler Kunden McDonald's Rabatte Recycling Schonung der Umwelt Starbucks Thomas Fischer Umweltfreundlichkeit Umweltschäden
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen möchten, melden Sie sich bitte an.

Benutzername
Passwort
     

Noch kein Konto? Jetzt Registrieren
Mehr zum Thema
Einweg-Müll

04.08.2017

Müll zum Mitnehmen: Die Kehrseite der neuen Essgewohnheiten

Fertig zubereitet und abgepackt - so essen viele Menschen heute. Lieferdienste und «to go»-Angebote bedienen die Kundenwünsche nach schnellen und bequemen Mahlzeiten für unterwegs und zu Hause. Aber das produziert auch V... » mehr

Abschaffung der Plastiktüte

17.03.2017

Abschied von der Plastiktüte: Was er bringt

Sie sind leicht und halbwegs stabil. Notfalls taugen sie auch als Schutz für Fahrradsattel. Aber gut ist das Image der Plastiktüte nicht, sie ist auf dem Rückzug. Super für die Umwelt - oder? » mehr

Altglascontainer

24.11.2017

Richtiges Recycling: Wohin mit dem Flaschendeckel?

Leere Flaschen landen im Glascontainer. Oft gilt das aber auch für den Deckel aus Plastik. Doch der gehört eigentlich in die Gelbe Tonne. Ein großes Problem ist das nicht. » mehr

Unkraut ausreißen

28.07.2017

Unkraut auf Hofeinfahrt ohne chemische Mittel vernichten

In den Ritzen von Pflastern und an den Wegesrändern macht sich Unkraut besonders häufig breit. Dort sind chemische Mittel tabu. Gut, dass es umweltschonende Alternativen gibt. » mehr

Rezyklierung sinnvoll

07.07.2017

Das Dilemma mit dem schlechten Öko-Image von Kaffeekapseln

Portionskapseln sind unter Kaffeetrinkern auf dem Siegeszug. Einfache Handhabung, immer richtig dosiert, aber teuer. Nur: Sind die Kapsel-Fans nicht Umweltsünder? » mehr

Mehrwegflaschen

12.01.2018

Welche Getränke-Verpackung die Umwelt schont

Die Deutschen sind Meister des Recyclings. Aber wissen sie auch, welche Verpackungen umweltfreundlich sind? Das wollte der NABU wissen - mit einem sehr zufriedenstellenden Ergebnis. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
11. 08. 2017
04:10 Uhr



^