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Lebensmittelhandel: Schwieriger Abschied vom Plastiktütchen

«Normale» Plastiktüten zum Nachhausetragen der Einkäufe findet man kaum noch in deutschen Supermärkten. Doch die durchsichtigen Plastiktütchen für Obst und Gemüse werden nach wie vor milliardenfach verbraucht. Ein Handelsriese will das nun ändern.



Bananen in Plastiktüte
Der Lebensmittelhandel versucht, die Anzahl an Plastiktüten für Obst und Gemüse zu reduzieren.   Foto: Marcel Kusch/dpa

Die «klassische» Plastiktüte hat in deutschen Supermärkten inzwischen Seltenheitswert. Rewe, Aldi, Lidl und auch viele Edeka-Händler haben die umweltschädliche Tragehilfe inzwischen aus ihren Läden verbannt.

Dennoch werden in den Supermärkten zwischen Kiel und München immer noch täglich Millionen Plastiktüten verbraucht. Eine große Supermarktkette will das Problem nun angehen.

Es geht um die sogenannten Knotentüten. So werden im Fachjargon die dünnen, durchsichtigen Plastiktütchen genannt, die Kunden etwa in den Obst- und Gemüseabteilungen verwenden, um Weintrauben, Äpfel oder Bananen zu verpacken. Nach Schätzungen der Umweltorganisation Nabu werden jährlich mehr als drei Milliarden dieser Beutel verbraucht, nicht nur für Obst und Gemüse, sondern auch für Wurst, Fleisch oder Käse an den Bedientheken.

Die Supermarktkette Rewe will dem nicht länger tatenlos zusehen. «Rewe testet Verzicht auf Knotenbeutel», kündigte der Handelsriese kürzlich lautstark an. Das ist vielleicht etwas vollmundig formuliert. Denn von einer Abschaffung der dünnen Plastiktütchen ist auch Rewe weit entfernt. Der Handelsriese testet lediglich in rund 120 seiner über 3000 Märkte, ob die Kunden mit Flyern und Plakaten dazu gebracht werden können, seltener zu den Knotenbeuteln zu greifen.

Manches Obst und Gemüse wie etwa Bananen oder Orangen sei «von Natur aus gut verpackt» und brauche eigentlich keinen Beutel, wirbt der Händler um Zurückhaltung. Und für die übrigen Produkte bietet Rewe in gut 100 der Testfilialen neben den Knotenbeuteln auch «Mehrweg-Frischenetze» aus Polyester an, die die Plastiktütchen ersetzen sollen.

Alledings muss der Kunde die Netze kaufen. Das Doppelpack kostet 1,49 Euro. Der Verbraucher kann diese Netze mehrfach verwenden, muss sie aber möglicherweise zwischendurch waschen. Offen ist, wie viele Verbraucher dazu im Interesse der Umwelt wirklich bereit sind.

Tatsächlich ist es in der Praxis für die Lebensmittelhändler deutlich schwieriger, auf die dünnen Plastikbeutelchen in den Gemüseabteilungen zu verzichten, als auf die großen Plastiktüten an den Kassen. «Die Knotenbeutel dienen ja nicht nur als Tragehilfe, sie dienen auch dem Produkt- und Hygieneschutz», erklärt ein Rewe-Sprecher das Problem.

Hinzu kommt: Im Vergleich zu vorverpackter Ware, wie sie in vielen Obst und Gemüseabteilungen zu finden ist, sind die Knotenbeutel bei zurückhaltender Nutzung ökologisch unbedenklicher als viele Alternativen. Für 500 Gramm Trauben in einer Verkaufsschale mit Deckel würden fast acht Mal so viel Kunststoff verbraucht, wie für einen Knotenbeutel, hat der Nabu schon 2014 errechnet.

Viele Händler tun sich mit der Suche nach einer Alternativlösung bislang schwer. Der Discounter Lidl etwa teilt mit, er arbeite an Alternativen: «Jedoch entsprechen die derzeit am Markt angebotenen Alternativen noch nicht unseren ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Ansprüchen.» Auch Aldi und Edeka sind nach eigenen Angaben auf der Suche nach Auswegen aus dem Knotenbeutel-Dilemma - ohne jedoch bisher die Plastiktütchen aus den Geschäften verbannt zu haben. Die Supermarkkette Real bietet in einem Testmarkt in Krefeld in der Obst- und Gemüseabteilung statt der Plastikbeutelchen nur noch braune Papiertüten an. Die Resonanz sei «sehr gut».

Tatsächlich sind wohl viele kleine Schritte nötig, um den Plastikverbrauch in den Supermärkten weiter zu reduzieren. So bietet Rewe in Kürze bundesweit in seinen mehr als 3300 Märkten keine Bananen mehr in Plastikfolie an. Die Produktinformationen - Bio oder nicht, Chiquita oder Eigenmarke - stehen dann auf Klebeetiketten oder Banderolen. Die Vorbereitungen für diesen auf den ersten Blick simplen Schritt in Richtung unverpackter Ware hätten mehrere Jahre gedauert, betont das Unternehmen.

Auch bei anderen Obstsorten versucht der Kölner Händler auf Kunststoffverpackungen zu verzichten. - teilweise mit ungewöhnlichen Methoden. So werden Bio-Avocados und Bio-Süßkartoffeln seit einigen Monaten mittels eines Lasers mit einem Logo und weiteren Informationen versehen. Der gebündelte Lichtstrahl trägt Pigmente der äußersten Schalenschicht ab und brennt sozusagen das Logo in die Frucht ein. Diese «natürliche» Kennzeichnung habe keinen Einfluss auf Geschmack, Qualität oder Haltbarkeit, betont Rewe.

Veröffentlicht am:
03. 11. 2017
10:15 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
03. 11. 2017
10:15 Uhr



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