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Viele Inkassoforderungen sind Experten zufolge unberechtigt

Unverhältnismäßig oder unberechtigt: Viele Inkassoforderungen sind laut Verbraucherschützern in ihrer Höhe unangemessen oder gar erfunden. Betroffene können sich auf einer Webseite eine Einschätzung einholen.



Illustration Inkasso
Wer eine Zahlungsaufforderung erhält, kann auf der Plattform «Inkasso-Check» eine Einschätzung erhalten, ob die Forderung berechtigt ist.   Foto: Jens Büttner

Verbraucher sind laut Experten häufig mit erfundenen Inkassoforderungen konfrontiert. «Jedes fünfte Anschreiben ist nach Angaben von Nutzern der Plattform Inkasso-Check unberechtigt», sagte der Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB), Christian Rumpke.

So hätten viele Nutzer des Portals angegeben, sie hätten den geforderten Betrag schon bezahlt oder die Forderung sei ihnen gänzlich unbekannt. Insgesamt wurden die Angaben von 40.000 Nutzern bundesweit berücksichtigt.

Hilfe für Verbraucher

Betroffene, die eine Zahlungsaufforderung erhalten haben, können auf der Plattform «Inkasso-Check» den zu bezahlenden Warenwert und die erhobenen Gebühren des Inkasso-Unternehmens eintragen. Danach erhalten die Verbraucher eine Einschätzung, ob die Forderung berechtigt ist. Mit einem Musterschreiben können sie beim Inkasso-Unternehmen Widerspruch einlegen. Das Bundesjustizministerium fördert das Instrument, das seit Februar online ist.

Zudem stufen die Verbraucherschützer fast alle Inkassoforderungen in Deutschland als unverhältnismäßig ein. Einfache Standardschreiben seien meist zu hoch angesetzt. «Es kann nicht sein, dass für einfache Vorgänge dasselbe verlangt werden darf, das ein Anwalt für eine juristische Prüfung ansetzt», sagte Rumpke. Zwar dürften Inkassobüros Gebühren bis zu der Höhe verlangen, die für Rechtsanwälte gilt. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale sollten bei einem Warenwert bis 500 Euro die erhobenen Gebühren der Inkasso-Firmen aber 15 Euro nicht überschreiten.

«Bis eine Forderung tatsächlich bezahlt ist, sind oft viele zeit-, personal- und IT-aufwendige Schritte notwendig», meint hingegen Kay Uwe Berg, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU). Eine 15-Euro-Grenze sei in den allermeisten Fällen unwirtschaftlich. Zudem würde das Online-Portal «Inkasso-Check» Verbraucher in die Irre führen und ihnen einen falschen Rechtsrat «auf Knopfdruck» vermitteln.

Online-Käufer zahlen oft schlecht

Inkasso-Unternehmen zeichnen von einem wachsenden Teil der Verbraucher wiederum folgendes Bild: Mit dem Kaufen soll es schnell gehen, beim Bezahlen haben es die Kunden dann nicht mehr so eilig. «Bei Privatkunden haben wir ein laxeres Verhalten hinsichtlich der Rechnungstreue», sagte Kirsten Pedd, die Präsidentin des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen. Aus Sicht der Mitgliedsunternehmen habe sich die Zahlungsmoral leicht verschlechtert - obwohl es vielen Verbrauchern finanziell besser gehe als früher. «Sie sagen sich: Dann zahl ich halt Mahnkosten.»

Besonders der Online- und Versandhandel hat demnach Probleme mit säumigen Kunden, es folgen Energieversorger und Handwerker. Hauptgrund sei nicht mehr Überschuldung, sondern «unkontrolliertes Konsumverhalten», wie aus einer Branchenumfrage hervorgehe. Unternehmen zahlten ihrer Rechnungen dagegen pünktlicher als noch im vergangenen Jahr.

Der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen kündigte an, im nächsten Jahr einen Verhaltenskodex für seine Mitgliedsunternehmen vorzulegen. Es gehe um Regeln für ein faires Inkasso, sagte Pedd. Dabei sollten auch Kritiker der Branche mitreden.

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dpa

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Veröffentlicht am:
22. 11. 2018
12:58 Uhr

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22. 11. 2018
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