Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

 

Aus für das kostenlose Girokonto

Viele Banken und Sparkassen haben dem kostenlosen Girokonto den Kampf angesagt. Die Zeit der gebührenfreien Kontoführung geht zu Ende, da die niedrigen Zinsen Geldhäuser in die Bredouille bringen. Doch nicht alle heben die Gebühren an.



Kontoführungsgebühren
Das kostenlose Girokonto wird zur Seltenheit. Viele Banken verlangen für ihre Dienstleistung inzwischen eine Kontoführungsgebühr. Foto: Jens Kalaene  

Kostenlose Girokonten werden immer mehr zu einem Auslaufmodell. Hatten Banken und einige Sparkassen das Gratiskonto lange gezielt zur Kundenakquise eingesetzt, zwingen Kostendruck, teure Filialen und die anhaltenden Niedrigzinsen die Institute zum Umdenken.

Als eine der größten deutschen Banken hatte zuletzt die Postbank ab 1. November 2016 mit einer Umstellung das bedingungslose Gratis-Girokonto endgültig abgeschafft. Die Hypovereinsbank hatte diese schon Mitte des Jahres getan.

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, hatte bereits im vergangenen Frühjahr einen Weckruf an die Geldbranche gesandt: «Die Zeit von kostenlosen Girokonten ist vorbei». Auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin wies mehrfach darauf hin, dass Kontoführungsgebühren sinnvoll seien. Und Postbank-Vorstandsmitglied Susanne Klöß machte bei der Vorstellung der neuen Kontomodelle deutlich: «Die Kontoführung war schon immer eine Dienstleistung der Bank».

Wie viele Banken, Sparkassen oder Volksbanken zum Jahresbeginn weiter an der Gebührenschraube drehen, ist nicht klar. Die Kreissparkasse Köln gehört aber ebenso dazu wie die Sparda Banken in Münster, Hamburg und Hessen. Die Haspa in Hamburg, die Berliner Sparkasse und Münchener Bank hatten schon im Verlauf 2016 die Preise angehoben, die Sparkasse KölnBonn 2015.

Nach Angaben von Max Herbst von der Frankfurter Finanzberatung FMH arbeiten Banken heute im Prinzip mit zwei Modellen - einer Flatrate, also einem monatlichen Festbetrag, der alle Dienstleistungen abdeckt oder eine Einzelabrechnung für jeden Bankvorgang. Dazu gehören Überweisungen ebenso wie das Geldabheben am Automaten. «Um eigene Erträge aufzubessern, kassieren Banken nun auch für bisher kostenlose Leistungen oder machen einzelne Leistungen teurer, resümierte vor wenigen Monaten die Fachzeitschrift «Finanztest».

In einer Untersuchung hatte das zur Stiftung Warentest gehörende Magazin 241 Kontomodelle von 104 Banken genauer unter die Lupe genommen. Ergebnis: Nur 25 Konten waren weiter kostenfrei - und zwar ohne Wenn und Aber. Unter den Anbietern befinden sich vor allem Direktbanken, also Geldhäuser, die ohne teure Filialen auskommen und ihre Dienste ausschließlich per Internet, Fax oder Telefon anbieten. Kunden bekommen dort also keine persönliche Beratung.

Für die steigenden Kontogebühren auf breiter Front werden immer wieder die niedrigen Zinsen verantwortlich gemacht. Mit dem Wegbrechen des Zinsgeschäftes können Institute Konten nicht mehr so gut mit anderen Geschäften quersubventionieren. Welche seltsamen Blüten die Geschäfte rund um das Girokonto manchmal treiben, hat unlängst der Fall der Sparkasse Soest gezeigt.

Das Institut aus dem südlichen Westfalen, am Rande des Sauerlandes gelegen, kam auf die Idee, Onlinekunden eine «Klickgebühr» abzuverlangen. Wer sein Konto auswählt, um beispielsweise die Umsätze der letzten Wochen zu kontrollieren, läuft direkt in eine Kostenfalle. Jeder Klick, so die Begründung der Sparkasse, löse im Hintergrund einen technischen Vorgang aus, der Geld koste.

Den Druck der niedrigen Zinsen bekommen auch die Direktbanken zu spüren. Doch sie sind schlanker und arbeiten mit anderen Kostenstrukturen. Beim Marktführer ING Diba, der nach Angaben eines Sprechers einen starken Kundenzuwachs verzeichnet, bleibe das Girokonto auch 2017 gebührenfrei. Das gilt auch für die meisten anderen Direktbanken. FMH-Experte Herbst ist sich jedenfalls sicher: «Die werden den Teufel tun und Gebühren erheben.»

Veröffentlicht am:
06. 01. 2017
15:11 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutscher Sparkassen- und Giroverband Direktbanken Gebührenfreiheit Georg Fahrenschon HypoVereinsbank/UniCredit Bank Niedrige Zinsen Postbank Sparkassen Stiftung Warentest
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Heike Nicodemus

22.05.2019

Was ein Konto kosten darf

Die Niedrigzinsphase macht es Banken schwer, Geld zu verdienen. Immer weniger Geldinstitute haben deshalb kostenlose Girokonten im Programm. Und immer mehr Dienstleistungen kosten Gebühren. Was bedeutet das für Verbrauch... » mehr

Geld analysieren

15.05.2019

Wohin mit beschädigten Geldscheinen?

Banknoten gehen durch viele Hände. Das kann Spuren hinterlassen. Doch keine Sorge: Beschädigte Geldscheine sind nicht automatisch wertlos. Oft kann man damit sogar noch bezahlen. » mehr

Alter Sparvertrag

14.05.2019

Darf die Bank den Sparvertrag kündigen?

Je länger, desto besser - mit solchen Slogans warben Geldinstitute für langfristige Sparverträge. Viele Kunden haben tatsächlich lange durchgehalten. Für die Anbieter wird das zunehmend zu einem Problem. » mehr

Gebühren fürs Geldabheben

03.04.2017

Das Ende der Umsonstkultur am Geldautomaten

Weg von der Gratiskultur heißt es seit geraumer Zeit, egal ob bei den Sparkassen, Genossenschafts- oder Privatbanken. Jetzt kassieren einige Institute von ihren Kunden auch Gebühren fürs Geldabheben am eigenen Automaten.... » mehr

Frau mit Sparschwein

30.10.2017

Warum Geld sparen so mühsam sein kann

Einmal im Jahr erinnert der Weltspartag an die Bedeutung des Sparens. Dabei ist es in der Praxis oft gar nicht so einfach, regelmäßig Geld beiseite zu legen. Doch man kann sich selber überlisten. Der Trick ist simpel, ab... » mehr

Online-Banking

01.09.2019

Ab 14. September gelten neue Regeln für Online-Zahlungen

Bankgeschäfte sollen sicherer und einfacher werden. Doch erst einmal müssen sich Millionen Bankkunden umstellen. Und die Technik funktioniert noch nicht in allen Fällen so reibungslos wie gewünscht. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
06. 01. 2017
15:11 Uhr



^