Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerLoewe-InsolvenzNP-FirmenlaufGlobe-TheaterMordfall OttingerStromtrasse

 

Finanzportale locken ins EU-Ausland

Geld aufs Sparbuch und Jahr für Jahr ansehnliche Zinsen einstreichen. Was früher üblich war, klingt heute wirklichkeitsfremd. Moment mal - im Internet gibt es doch Angebote für attraktive Festgelder. Also per Klick ins Zinsglück?



Geldanlagen im Netz
Finanzportale locken Anleger mit Zinsen bis zu 1,6 Prozent. Doch oft verbirgt sich hinter solchen Angeboten auch ein höheres Risiko. Foto: Georg Hilgemann/dpa  

In Zeiten niedriger Zinsen wirken manche Web-Angebote fast wie eine Fata Morgana. Für ein Jahr Festgeld verspricht das Finanzportal Savedo 0,9 Prozent Zinsen, bei Weltsparen sind es 1,35 Prozent und bei Zinspilot sogar 1,6 Prozent.

Zum Vergleich: Bei deutschen Banken und Sparkassen bekommt man derzeit nur wenige Zehntelprozent oder manchmal sogar nur 0,05 Prozent. Besagte Internetportale vermitteln Anlagen bei Banken in Portugal, Großbritannien, Rumänien, Bulgarien oder Kroatien. Die Nischenbranche sieht sich dank Niedrigzinsphase im Aufwind. Mancher Finanzexperte sieht die Angebote allerdings kritisch.

Bei der Stuttgarter Finanz- und Anlegermesse Invest (7. bis 8. April) bewerben auch die Zinsportale ihre Anlagen. Letztlich sind sie Profiteure der Politik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die hat die Zinsen praktisch abgeschafft - die Menschen und Firmen sollen Geld ausgeben und die Wirtschaft ankurbeln anstatt zu sparen. Die Finanzportal-Start-ups wiederum setzen darauf, dass Deutsche dennoch Geld anlegen.

«In Deutschland gab es jahrzehntelang anständige Zinsen für Sparguthaben», sagt Savedo-Chef Christian Tiessen. «Die Nullzinspolitik der EZB hat damit Schluss gemacht.» Nun werde immer mehr deutschen Anlegern bewusst, «dass sich ihr Erspartes unter den gegebenen Umständen nicht weiter vermehrt, sondern schrumpft», sagt er mit Blick auf die Inflation. Deutsche Sparer legten immer mehr Geld im EU-Ausland an.

Ähnlich wie Zinspilot und Savedo preist Weltsparen «rentable und sichere» Alternativen zu deutschen Niedrigzinsen an. «100 Prozent abgesichert», heißt es auf der Weltsparen-Webseite, und weiter: «Einlagen sind bis zu einem Gegenwert von 100 000 Euro pro Bank und Sparer gemäß EU-Recht garantiert.»

Tatsächlich gibt es EU-Vorgaben, die den Mitgliedstaaten ein nationales Sicherungssystem vorschreiben: Jeder Staat muss dafür sorgen, dass Spareinlagen bis zu 100 000 Euro im Fall einer Bankenpleite aus einem separaten Topf erstattet werden. Guthaben oberhalb 100 000 Euro wären außen vor. Sie würden wenn nötig zur Bankenrettung mit herangezogen.

Sind also Guthaben deutscher Sparer in anderen EU-Staaten wegen der dortigen nationalen Sicherungssysteme absolut sicher? Nein, sagt Hans Peter Burghof, BWL-Professor an der Universität Hohenheim. Natürlich sei da ein Risiko drin. «Am Kapitalmarkt bekommt man nichts geschenkt - wenn die Zinsen so viel höher sind, dann liegt das am höheren Risiko.» In Sicherungstöpfen anderer EU-Staaten sei «viel zu wenig drin, um eine nationale Bankenkrise durchzustehen», sagt er.

Reiche das nicht aus, müsse die EU eingreifen. «Das hat bei der Bankenkrise in Zypern 2013 geklappt - aber ist dieser politische Wille zukünftig wirklich noch da, um mit EU-Geldern ein nationales Problem zu entschärfen?», fragt Burghof. Nationalistische Strömungen in Frankreich oder der Brexit verdeutlichten, dass der Wille zur gemeinsamen Rettung und Aufnahme finanzieller Lasten nachlasse. «Zu sagen, das Geld in Bulgarien, Portugal oder Rumänien ist sicher, ist nicht seriös», sagt Burghof. Eine Anlage bei einer Bank eines anderen EU-Staats könne zwar gutgehen. «Aber die Wahrscheinlichkeit, dass es schiefgeht, ist ebenfalls da.»

Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg äußert sich ebenfalls kritisch. Im Fall einer Bankenkrise hänge die Rettung von Spareinlagen vom politischen Willen ab, es gebe also durchaus Unsicherheit, sagt Nauhauser. Verbraucher sollten sich solcher Risiken bewusst sein.

Und wie laufen die Geschäfte der Finanzportale? Weltsparen berichtet, die Kundenzahl habe sich binnen eines Jahres etwa verdreifacht, auf mehr als 65 000 Kunden, für die Anlagen über gut 2,8 Milliarden Euro vermittelt wurden. Weltsparen bekommt Gebühren von den Banken, an die vermittelt wurde. Savedo nennt zwar keine Zahlen, Firmenchef Tiessen sagt aber: «Die Nachfrage entwickelt sich sehr erfreulich.»

Zinspilot teilt mit, man habe im vergangenen Jahr 40 000 Kunden gewonnen mit Guthaben von 1,2 Milliarden Euro. Das klingt erstmal viel, aber zum Vergleich: Heimische Banken und Sparkassen verfügen laut Deutscher Bundesbank über 3433 Milliarden Euro als Guthaben von Privat- und Firmenkunden.

Veröffentlicht am:
07. 04. 2017
14:30 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Banken Bankenkrisen Deutsche Bundesbank Europäische Zentralbank Festgeld Sparer Sparguthaben Universität Hohenheim Zinsen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Alter Sparvertrag

14.05.2019

Darf die Bank den Sparvertrag kündigen?

Je länger, desto besser - mit solchen Slogans warben Geldinstitute für langfristige Sparverträge. Viele Kunden haben tatsächlich lange durchgehalten. Für die Anbieter wird das zunehmend zu einem Problem. » mehr

Max Herbst

22.05.2019

Was ein Konto kosten darf

Die Niedrigzinsphase macht es Banken schwer, Geld zu verdienen. Immer weniger Geldinstitute haben deshalb kostenlose Girokonten im Programm. Und immer mehr Dienstleistungen kosten Gebühren. Was bedeutet das für Verbrauch... » mehr

Stefanie Laag

10.07.2019

Das sind die Alternativen zum Dispokredit

Steht das Girokonto im Minus, ist ein Dispokredit finanziell nicht immer die günstigste Variante. Die gute Nachricht: Verbraucher haben Alternativen. » mehr

Karin Baur

26.02.2019

Wie Anleger einen Bärenmarkt überstehen

Fallende Kurse an der Börse machen viele Anleger nervös. Doch wer in großer Hast verkauft, macht Verluste. In schlechten Börsenzeiten sind Ruhe und eine langfristige Anlagestrategie gefragt. » mehr

Libra

28.06.2019

Die drängendsten Fragen zur digitalen Währung von Facebook

Facebook will die Digitalwährung Libra an den Start bringen und so eine Konkurrenz zu Dollar, Euro und Co. aufbauen. Ökonomen fürchten schon Verwerfungen im globalen Finanzsystem. » mehr

Dax-Kurve

26.09.2018

Anleger profitieren vom guten Börsenjahr 2017

Die Welt wird immer reicher. Vor allem Aktionäre profitieren. Deutschlands Sparer halten einigermaßen mit. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
07. 04. 2017
14:30 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".