Lade Login-Box.
Topthemen: Autonomes Fahren in OberfrankenDie Videos der WocheDer BachelorCotubeBlitzerwarner

 

Gesundheitskosten senken die Steuerlast

Belege sammeln kann sich lohnen: Egal, ob Brille, Kur oder orthopädische Schuheinlagen - Ausgaben für die Gesundheit mindern die Steuerlast. Anerkannt werden die Kosten aber erst ab einer bestimmten Grenze - und die ist für jeden Steuerzahler anders.



Bezahlung in der Apotheke
Medikamente kosten Geld. Steuerzahler können sich Ausgaben für die Gesundheit aber vom Finanzamt zurückholen. Allerdings werden die Ausgaben erst ab einer bestimmten Grenze anerkannt. Foto: Christin Klose/dpa-tmn  

Therapien, Medikamente, Zahnbehandlungen - für viele Kosten müssen Patienten selber aufkommen. Die gute Nachricht: Sie können das Finanzamt an diesen Ausgaben oft beteiligen. Denn Ausgaben für die Gesundheit sind grundsätzlich steuerlich absetzbar.

Doch es gibt einen Haken: Das Finanzamt erkennt die Aufwendungen zwar als außergewöhnliche Ausgaben an, berichtet die Stiftung Warentest in dem «Finanztest Spezial Steuern 2017». Allerdings müssen die Kosten über der zumutbaren Eigenbelastung liegen. Das hat auch der Bundesfinanzhof in zwei Urteilen bestätigt (Az.: VI R 32/13 und VI R 33/13). Nach Ansicht der obersten Finanzrichter verstößt die zumutbare Eigenbelastung nicht gegen die Verfassung.

In Paragraf 33 des Einkommensteuergesetzes (EStG) heißt es: «Erwachsen einem Steuerpflichtigen zwangsläufig größere Aufwendungen als der überwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverhältnisse, gleicher Vermögensverhältnisse und gleichen Familienstands, so wird auf Antrag die Einkommensteuer (...) ermäßigt.» Und zwar so: Der Fiskus zieht von dem Gesamtbetrag der Einkünfte den Teil der Aufwendungen ab, die die zumutbare Belastung des Steuerpflichtigen übersteigen.

Die entsprechenden Kassenbons und Belege sollten Steuerzahler sammeln und ordentlich aufbewahren. «Wer die Quittungen achtlos wegtut, ärgert sich womöglich später», sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Denn nur mit Nachweisen lassen sich Steuern sparen.

Die Höhe der zumutbaren Belastung wird individuell berechnet. Sie richtet sich nach der Höhe des Einkommens, dem Familienstand und der Anzahl der Kinder. «Bei einer Familie mit zwei Kindern und einem Gesamtbetrag der Einkünfte von 40 000 Euro wird der zumutbare Eigenanteil beispielsweise bei 1200 Euro im Jahr überschritten», rechnet Klocke vor. Denn dieser liegt hier bei drei Prozent der Einkünfte. Singles ohne Kinder, die im vergangenen Jahr mehr als 51 130 Euro verdient haben, müssen mehr aus eigener Tasche zahlen: Sie können erst Kosten geltend machen, die sieben Prozent ihrer Einkünfte übersteigen - also über etwa 3579 Euro liegen.

Welche Kosten können Steuerzahler einreichen? Der Fiskus erkennt zum Beispiel Ausgaben an für den Zahnarzt, die Geburt eines Kindes, für eine Brille oder für die Krankengymnastik, erklärt die Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH). Auch wer sich das Rauchen abgewöhnt, kann die Kosten dafür eventuell steuerlich absetzen. Bedingung ist hier: Die Krankenkasse hat die Kosten nicht übernommen. Zudem müssen Raucher ihre Nikotinsucht mit einem ärztlichen Attest belegen.

Abzugsfähig sind laut Stiftung Warentest auch Zuzahlungen zu rezeptpflichtigen Medikamenten. Als Nachweis genügt meist der Zahlungsbeleg der Apotheke. Übernimmt die Kasse die Medikamente nicht, sollte der Arzt sie mit einem grünen Rezept verordnen. Dies kann später als Nachweis dienen. Chronisch Kranke können eine Dauerverordnung vorlegen. Manche Apotheken erstellen auch eine Jahresübersicht über die Zahlungen des Patienten.

Abzugsfähig sind nicht nur Ausgaben für schulmedizinische Therapien. Auch die Kosten für alternative Behandlungen, zum Beispiel homöopathische Therapien, können Patienten unter Umständen absetzen. Vorausgesetzt: Die Behandlung ist medizinisch notwendig und wurde verordnet. Ebenfalls anerkannt werden in der Regel die Kosten Rollstühle, Krücken oder Rollatoren.

«Für bestimmte Kosten brauchen Sie aber ein amtsärztliches Attest», erklärt Klocke. Das gilt etwa für Heil- und Badekuren, psychotherapeutische Behandlungen sowie für wissenschaftlich nicht anerkannten Behandlungsmethoden etwa Frischzellenbehandlungen oder Eigenbluttherapien. Der Nachweis muss dann vor Beginn der Heilmaßnahme ausgestellt worden sein. Nachträglich können Gutachten eines Sachverständigen nicht mehr eingereicht werden.

Wie wichtig ein Gutachten sein kann, zeigt ein Urteil des rheinland-pfälzischen Finanzgerichtes (Az.: 4 K 2173/15). Eine Frau hatte in ihrer Steuererklärung die Kosten für die Entfernung einer Fettverteilungsstörung geltend gemacht. Die Operation der sogenannten «Bananenrolle» hatte 2250 Euro gekostet. Die Krankenkasse hatte die Kosten nicht übernommen. Das Finanzamt erkannte die Aufwendungen dennoch nicht an. Es fehlte der Nachweis, dass die Maßnahme medizinisch notwendig war. Dagegen klagte die Frau erfolglos. Die Richter urteilten, die Methode sei nicht wissenschaftlich anerkannt.

Literatur:

«Finanztest»-Spezial: «Steuern 2017 - Steuern sparen von A ? Z», Stiftung Warentest, Heft 144 Seiten, ISBN-13: 419-2-127108-80-9, 8,80 Euro

Veröffentlicht am:
12. 04. 2017
04:55 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Brillen Bund der Steuerzahler Bundesfinanzhof Gesundheitskosten Kosten Steuerbelastung Steuerersparnis Steuerpflichtige Steuerzahler Stiftung Warentest
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Geld sparen

15.11.2018

Wie sich die Steuerlast bis Jahresende senken lässt

Nicht mehr lange, und 2018 ist Geschichte. Bis dahin können Steuerzahler noch einiges für ihren Geldbeutel tun. Denn wer bis zum Jahresende seine Unterlagen ordnet, die richtigen Bescheinigungen besorgt und wichtige Antr... » mehr

Erich Nöll

30.01.2019

Welche Musterprozesse lohnen sich für Steuerzahler?

Vorbereitung ist alles. Das gilt auch für die Steuererklärung. Wer sich jetzt schon mit ihr beschäftigt, kann gleich nach interessanten Musterprozessen suchen. Denn an solche Verfahren kann sich jeder dranhängen - und im... » mehr

Neujahr

19.12.2019

Mit fünf Tipps vor Jahresende Steuern sparen

Belege sortieren und den Taschenrechner zücken? In der Vorweihnachtszeit können sich die meisten Schöneres vorstellen. Doch mit etwas Planung lassen sich so Steuern sparen. Die Uhr tickt. » mehr

Formular zu Werbekosten

02.04.2019

Werbungskosten senken die Steuerlast

Weiterbildung, Dienstreise, Fachbücher: Alle Ausgaben für den Job können Arbeitnehmer beim Finanzamt angeben. Die sogenannten Werbungskosten senken die Steuerlast. Aber auch Rentner können davon profitieren. » mehr

Blick ins Krankenhaus

14.03.2019

Mit außergewöhnlichen Belastungen Steuern mindern

Neue Brille, Hörgerät oder Zahnersatz: Solche Kosten können zu außergewöhnlichen Belastungen zählen. Damit lässt sich die Steuerschuld mindern. Entscheidend dabei ist nicht nur die Summe. » mehr

Ausfüllen der Steuererklärung

13.03.2019

Checkliste für die Steuererklärung 2018

Vor dem Aufwand einer Steuererklärung schrecken viele zurück. Doch damit verschenken sie unter Umständen Geld. Denn in der Regel bekommen Steuerzahler etwas vom Finanzamt zurück. Die gute Nachricht: Für die Steuererkläru... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
12. 04. 2017
04:55 Uhr



^