Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

 

Milliarden D-Mark noch im Umlauf

Vergraben vom Hund im Garten oder angenagt von Mäusen auf dem Dachboden: Immer wieder tauchen alte D-Mark-Schätze auf. In manchen Geschäften können Kunden noch heute mit Mark und Pfennig bezahlen - vorausgesetzt, das Geld wird erkannt.



Umtausch von Deutsche-Mark in Euro
Alte D-Mark-Scheine können Verbraucher bei der Deutschen Bundesbank umtauschen.   Foto: dpa

Mäuse, Hunde und der Zahn der Zeit nagen an der alten D-Mark. Knapp 17 Jahre nach der Einführung des Euro-Bargeldes sind noch immer Mark und Pfennig im Milliardenwert im Umlauf - zum Teil allerdings stark beschädigt.

So wurden auf dem Dachboden eines Hauses in Südbaden nach Angaben der Deutschen Bundesbank Geldscheinschnipsel im Gesamtwert von etwa 50.000 Mark in einer Kiste entdeckt. Mäuse hatten die Banknoten zernagt, um ihre Nester damit zu bauen. Dennoch ist das Geld nicht verloren.

«Wir ersetzen sogar kaputte D-Mark-Scheine, wenn mehr als 50 Prozent der Note vorhanden sind. Und dafür verlangt die Bundesbank nicht einmal eine Gebühr», erläuterte Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann.

Größter Bargeld-Tausch Anfang 2002

Ende November waren den Angaben zufolge Mark und Pfennig im Wert insgesamt 12,55 Milliarden Mark noch nicht zurückgegeben . Davon entfielen 5,88 Milliarden Mark auf Scheine und 6,67 Milliarden Mark auf Münzen. In Stückzahlen entspricht dies ungefähr 166 Millionen Banknoten und mehr als 23 Milliarden Münzen. Pro Jahr werden nach Erfahrung der Notenbank alte Scheine und Münzen im Wert von 70 bis 100 Millionen Mark bei der Bundesbank eingereicht. Den allergrößten Teil des Geldes hatten die Bundesbürger rund um die Einführung des Euro-Bargeldes Anfang 2002 umgetauscht.

Bei der Bundesbank kann die D-Mark unbegrenzt in Euro gewechselt werden. Das ist jedoch nicht in allen Ländern des gemeinsamen Währungsraumes der Fall. Ein Teil der Münzen und Scheine dürfte nach Einschätzung der Notenbank allerdings verloren gegangen, vernichtet oder in Sammler-Schatullen gelandet sein. Der größte Teil dürfte zudem außerhalb Deutschlands lagern. «Die D-Mark hat vor allem im Ausland eine Wertaufbewahrungsfunktion. Wir vermuten daher den überwiegenden Teil des nicht zurückgegebenen D-Mark-Bargeldes im Ausland», sagte Beermann.

Kuriose Fälle

Selbst gefälschte D-Mark-Scheine tauchen ab und zu mal auf. Wenig Freude hatte beispielsweise ein Absender aus England, der auf den Umtausch von 20.000 Mark hoffte. In dem Paket fanden die Bundesbank-Experten nach eigenen Angaben jedoch nur eine echte Banknote: einen Fünf-Mark-Schein. Das Geld dürfte gerade einmal fürs Porto gereicht haben.

Deutlich mehr Glück hatte ein Hundebesitzer. Sein Vierbeiner hatte Herrchens Geldbörse mit 1000 Mark im Garten verbuddelt und anschließend die Beute vergessen. Einige Jahre später grub ein neuer Hund den Schatz zur Freude seines Besitzers wieder aus.

Mit D-Mark bezahlen

Obwohl die alten Scheine und Münzen kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr sind, sind sie noch nicht ganz aus dem Alltag verschwunden. Manche Händler nehmen die alte Währung freiwillig an, wie zum Beispiel die Modekette C&A. Die für knapp zwei Jahre ausgesetzte Service-Aktion wurde Anfang November wiederbelebt. Seitdem gehen einem Sprecher zufolge bundesweit täglich etwa 15.000 bis 70.000 D-Mark in den Filialen ein. Wer mit seinen D-Mark-Ersparnissen bei dem Unternehmen einkaufe, spare sich den Weg zur Bundesbank, wirbt die Modekette. Das Rückgeld wird in Euro ausgezahlt.

Ein Event für Nostalgiker findet einmal im Jahr im baden-württembergischen Gaiberg statt: Dort können Kunden im Mai in Geschäften und Gaststätten mit Mark und Pfennig zahlen - eine Idee des örtlichen Gewerbevereins.

Doch nicht immer wird die D-Mark noch erkannt. So blitzte eine Rentnerin bei einer Supermarktkassiererin in Marktoberdorf im bayerischen Kreis Ostallgäu mit ihrem Fünf-Mark-Schein ab. Die Mitarbeiterin weigerte sich, das Geld anzunehmen. Daraufhin hielt die Seniorin die Banknote für Falschgeld und ging zur Polizei. «Die vermutlich sehr junge Kassiererin kannte diesen Schein wahrscheinlich gar nicht mehr», vermutete ein Polizeisprecher.

Wo der Umtausch möglich ist

Alte D-Mark-Bestände können Verbraucher bei der Deutschen Bundesbank nach wie vor in Euro umtauschen. Münzen und Scheine nehmen alle Filialen der Bundesbank an. Gebühren werden hierfür nicht fällig. Auch einen Höchstbetrag gibt es für den Umtausch den Angaben zufolge nicht.

Möglich ist auch der Umtausch auf dem Postweg. Hierfür muss das DM-Bargeld zusammen mit einem entsprechenden Antrag an die Filiale in Mainz gesendet werden. Eine Haftung für eventuelle Verluste auf dem Versandweg übernimmt die Bundesbank nicht. Der amtliche Umtauschkurs beträgt in jedem Fall 1 Euro für 1,95583 DM.

Veröffentlicht am:
10. 12. 2018
16:29 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Banknoten Bundesbank-Vorstand Deutsche Bundesbank Filialen Gesetzliches Zahlungsmittel Gärten Johannes Beermann Kunden Modeketten Münzen Polizei Zentralbanken
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Libra

28.06.2019

Die drängendsten Fragen zur digitalen Währung von Facebook

Facebook will die Digitalwährung Libra an den Start bringen und so eine Konkurrenz zu Dollar, Euro und Co. aufbauen. Ökonomen fürchten schon Verwerfungen im globalen Finanzsystem. » mehr

Überweisung

20.08.2019

Anruf beim Berater oder Papier-Überweisung kann teuer werden

Die Zinsflaute nagt an den Erträgen der Kreditinstitute. Parken sie Geld bei der EZB, müssen sie zudem Strafzinsen zahlen. Für Bankkunden heißt das: Kostenlos war gestern. Es gibt aber noch Ausnahmen. » mehr

D-Mark

12.07.2018

Vor 70 Jahren wurde die D-Mark eingeführt

Die D-Mark steht für Stabilität und Aufschwung. Die 1948 eingeführte Währung hat die Entwicklung Deutschlands nach dem Krieg mitgeprägt. Und noch immer haben Mark und Pfennig nicht völlig ausgedient. » mehr

Sven Bertelmann

15.05.2019

Wohin mit beschädigten Geldscheinen?

Banknoten gehen durch viele Hände. Das kann Spuren hinterlassen. Doch keine Sorge: Beschädigte Geldscheine sind nicht automatisch wertlos. Oft kann man damit sogar noch bezahlen. » mehr

Max Herbst

25.07.2019

Zinsen verzweifelt gesucht - Was sollen Sparer bloß tun?

Die Signale sind nicht gut: Die Wirtschaft beginnt zu schwächeln. Die Geldpolitik der Notenbanken soll weiter gelockert werden. Für Sparer heißt das: Zinsen wird es auch in absehbarer Zeit nicht geben. » mehr

Geldanlage per Computer

02.09.2019

Warum automatisierte Geldanlagen kaum angenommen werden

Automatisierte Investments im Netz versprechen einfache, breit gestreute Geldanlagen. Doch bisher halten sich Sparer zurück - auch weil viele Banken lieber eigene teure Fonds verkaufen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
10. 12. 2018
16:29 Uhr



^