Topthemen: Globe TheaterHSC 2000 CoburgBBC CoburgStromtrasse

 

Hat Digitalgeld wie Bitcoin noch eine Chance?

Auf den Krypto-Hype folgte der Kater: Nach dem vorangegangenen Mega-Boom erlitten digitale Währungen wie Bitcoin im abgelaufenen Jahr massive Verluste. Wie geht es weiter?



Bitcoin
Nach massiven Investitionen in die digitale Währung, könnte der aktuelle Kurssturz ein großes Ausmaß annehmen.   Foto: Jens Kalaene

Am 17. Dezember 2017 war es soweit: Der Bitcoin-Preis kratzte auf einigen Online-Börsen an der magischen Marke von 20.000 Dollar. Der Hype um digitale Währungen erreichte mit diesem Rekordstand einen neuen Höhepunkt.

Auch einige Finanzanalysten ließen sich vom Krypto-Fieber anstecken und prognostizierten, dass die rasante Kursrally erst der Anfang sei. Die Euphorie verflog jedoch rasch, ein Jahr später steht der Bitcoin-Preis bei rund 3400 Dollar - der Kurs hat mehr als 80 Prozent eingebüßt.

Für US-Starökonom Nouriel Roubini ist damit nicht weniger als die «größte Blase der Menschheitsgeschichte» geplatzt. Die Übertreibungen seien schlimmer als bei Hollands Tulpenmanie im 17. Jahrhundert und jedem anderen Spekulations-Crash, der je zuvor an den Finanzmärkten stattfand. Roubini, der die Finanzkrise von 2008 vorhersagte und wegen seiner generell oft pessimistischen Vorhersagen auch «Dr. Doom» genannt wird, bezeichnet Bitcoin als «Mutter aller Betrügereien».

Geschichte mit Aufs und Abs

Fest steht, dass viele, die auf dem Höhepunkt des Bitcoin-Booms in digitale Währungen investierten, es heute bitter bereuen. Ob man Kryptowährungen deshalb ganz abschreiben sollte, steht auf einem anderen Blatt. Die Bitcoin-Geschichte ist geprägt von extremen Aufs und Abs. Totgesagt wurde das 2009 als Idee von freiem Geld, das keiner Kontrolle von Staaten und Banken unterliegt, entstandene Projekt schon ein paar Mal zuvor.

2011 stürzte der Kurs nach einem Rekordhoch von 30 Dollar auf unter 3 Dollar ab. Doch 2013 folgte ein Comeback und es wurde erstmals die Schwelle von 1000 Dollar erreicht. Schon damals war die Skepsis groß. «Es gibt jeden Grund anzunehmen, dass der Bitcoin-Boom bald endet», schrieb der «Economist» und Analysten sahen bereits «Muster einer aggressiven Spekulationsblase». Tatsächlich fiel der Bitcoin-Preis zunächst bis auf fast 200 Dollar zurück und dümpelte lange Zeit vor sich hin, bis 2017 der Gipfelsturm Richtung 20.000 Dollar begann.

Andere Dimension als bei früheren Kursstürzen

Der aktuelle Crash könnte die Branche aber stärker erschüttern. Denn angesichts der immensen Mittel, die zwischenzeitlich in digitale Währungen und die dazugehörige Technologie investiert wurden, geht es um eine ganz andere Dimension als bei früheren Kursstürzen. Was als Spielerei der Krypto-Szene begann und sich langsam als Geheimtipp in Finanzkreisen herumsprach, war plötzlich in aller Munde und viele wollten dabeisein. Umso heftiger fällt nun der Schaden aus.

Zeitweise war der Hype so groß, dass Unternehmen ihren Börsenwert vervielfältigen konnten, indem sie ihre Namen in irgendetwas änderten, was mit Bitcoins und der dahinter steckenden Blockchain-Technologie zu tun hatte. Zum Inbegriff des Krypto-Goldrauschs wurde die Getränkefirma Long Island Iced Tea, deren Aktienkurs sich nach der Umbenennung in «Long Blockchain Corp» sofort verdreifachte. Es folgte jedoch auch hier ein Totalabsturz - zuletzt war die Aktie nur noch 13 Cent wert.

Befeuert wurde der Krypto-Boom auch durch umstrittene Werbeaktionen von Stars wie Paris Hilton, Mike Tyson und anderen Prominenten. Die US-Börsenaufsicht verdonnerte jüngst den ehemaligen Box-Champion Floyd Mayweather und den Hip-Hop-Produzenten DJ Khaled wegen unlauterer bezahlter Promotion für dubiose Geschäfte mit digitalen Währungen zu hohen Geldstrafen. Die beiden hatten über ihre Social-Media-Kanäle zweifelhafte «Initial Coin Offerings» (ICOs) beworben, ohne offenzulegen, dass sie dafür Geld erhielten.

Etliche Betrugsfälle vermutet

Die Flut an ICOs - digitale Börsengänge, bei denen Unternehmen statt Aktien Digitalwährungen (Coins) ausgeben - war das vielleicht deutlichste Alarmsignal am heißgelaufenen Krypto-Markt. Zwischenzeitlich schien es, als würde jeder findige Geschäftsmann mit Anlegergeld überschüttet, der einen neuen Coin auflegt. US-Aufseher gehen davon aus, dass es sich bei diesen Deals in etlichen Fällen um Betrug handelte. Der Beratungsfirma EY zufolge liegen 86 Prozent der ICOs von 2017 unter ihrem Ausgabewert. Häufig wurden mit den Mitteln der Investoren nicht mal Produkte entwickelt.

Durch das viele in der Krypto-Szene unter dem Sammelbegriff «Shitcoins» verhöhnte Digitalgeld, das mittlerweile neben den Schwergewichten wie Bitcoin, Ether oder XRP existiert, ist auch die krisenbedingte Marktbereinigung viel krasser ausgefallen als zuvor. Das Marktvolumen aller Kryptowährungen ist seit Anfang des Jahres um fast 90 Prozent auf zuletzt unter 110 Milliarden Dollar gefallen. Das bringt eine ganze Industrie in Not, die im Zuge des Booms entstand. Viele Jobs fallen weg, Hardware wird verschrottet, denn Equipment und Stromkosten etwa zum Bitcoin-Schürfen lohnen sich nicht mehr.

Andererseits könnten die beträchtlichen Investitionen, die in die noch recht junge Branche geflossen sind, auch ein Grund zur Hoffnung sein. Denn Anleger - auch große Akteure der Finanzindustrie - haben inzwischen so viel Geld in Technologien rund um Kryptowährungen gesteckt, dass nicht einfach so der Stecker gezogen werden dürfte. Insgesamt zeige der Abwärtstrend nur einmal mehr, «dass die ganze Anlageklasse gerade erst am Beginn ihres Erwachsenwerdens steht», meint Leonard Zobel vom Berliner Start-up next Block, das eine in Deutschland regulierte Börse für Kryptowährungen plant. Und der Blockchain-Technologie wird immer wieder großes Potenzial in verschiedenen Bereichen über Bitcoin & Co hinaus zugesprochen.

Veröffentlicht am:
14. 12. 2018
16:38 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bitcoin Börsengänge Digitaltechnik Dollar Dubiose Geschäfte Finanz-Analysten Floyd Mayweather Kryptowährungen Mike Tyson Nouriel Roubini Paris Hilton
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Der Bitcoin-Rausch

01.12.2017

Der Bitcoin-Rausch: Finanzspielerei oder Zukunftswährung?

Viele Bitcoin-Fans haben sich mit der Digitalwährung schon eine goldene Nase verdient. Sie wetten auf weitere Wertzuwächse. Doch wie lange dauert die Rekordjagd? Die Finanzaufsicht warnt vor Risiken. » mehr

Bitcoin-Geldautomat

22.12.2017

Zahlen oder Zocken? Das Bitcoin-Dilemma

Als Währung gedacht, doch vor allem zum Spekulieren genutzt: Der Bitcoin-Höhenflug steht dem ursprünglichen Sinn und Zweck des Kryptogeldes mittlerweile im Weg. Der Hype wirft die Frage auf, ob das digitale Objekt der Be... » mehr

Bitcoin-Münze

27.02.2018

Währung der Zukunft? Die angesagten Bitcoin-Konkurrenten

Die Zweifel an der Zukunft der bekanntesten Kryptowährung Bitcoin wachsen. Gleichzeitig entstehen immer mehr Alternativen - weit mehr als 1000 sind es inzwischen. » mehr

Digitalwährung Bitcoin

06.03.2017

Bitcoin teurer als Gold: Was steckt dahinter?

Der Bitcoin knackt Rekordmarken und kostet inzwischen mehr als die Feinunze Gold. Taugt das virtuelle Geld etwa doch als Alternativwährung? Oder platzt bald wieder eine Spekulationsblase? » mehr

Kurschwankungen an der Börse

18.12.2018

Was Anleger im Jahr 2019 erwartet

Die Party scheint vorbei - zumindest an den Börsen. Weltweit schlugen die Kurse 2018 immer wieder aus, mal nach oben, dann wieder kräftig nach unten. Die Risiken scheinen größer geworden zu sein. Wie können Anleger damit... » mehr

Yann Stoffel

22.11.2017

Virtuelle Währungen: Taugen Bitcoins als Geldanlage?

Beim Thema Bitcoin gehen die Meinungen auseinander: Virtuelle Währungen sind nur etwas für Zocker, warnen die einen. Andere sehen darin eine neue Anlageklasse. Fest steht: Wer Bitcoins kauft, sollte wissen was er tut. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
14. 12. 2018
16:38 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".