Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

Der Turnschuh als Anlageobjekt

Jordan-Index statt Dax oder Dow Jones? Klingt skurril, doch begehrte Sportschuhe haben sich von Liebhaber- zu Anlageobjekten entwickelt. An Online-Börsen werden sie inzwischen wie Wertpapiere gehandelt.



«Moon Shoe» von Nike
Das Paar Nike-Turnschuhe mit dem Namen «Moon Shoe» ist in New York für mehr als 400.000 Dollar versteigert worden.   Foto: Ryan Unruh/Sotheby's

Kürzlich kam Nikes streng limitierter Basketballschuh «Air Jordan 1 High OG TS» heraus - mit 175 Dollar nicht eben günstig zu haben. Doch das Modell war sofort ausverkauft und kostete am Zweitmarkt zuletzt je nach Größe schon bis zu 2849 Dollar.

Dass bestimmte Schuhe begehrte Sammlerobjekte sind, ist nichts Neues. Doch mittlerweile entwickeln sich sogenannte Sneakers wie Kunst, Oldtimer oder seltener Whisky in Richtung einer eigenen alternativen Anlageklasse - und die boomt derzeit gewaltig.

Gute Bewertung für Online-Börse StockX

Dass der Handel mit rarer Streetwear eine lukrative Nische sein könnte, ahnten Josh Luber und Greg Schwartz schon vor Jahren. 2016 gründeten sie mit dem US-Unternehmer und Besitzer des Basketball-Teams Cleveland Cavaliers, Dan Gilbert, die Online-Börse StockX. Hier werden neben Kleidung angesagter Marken wie Supreme oder BAPE und raren Schuhen wie Jordans und Yeezys auch begehrte Handtaschen oder Uhren gehandelt. Die Geschäfte laufen offenbar sehr gut.

Im Juni schloss StockX eine Finanzierungsrunde mit mehreren Investoren ab, bei der das Detroiter Unternehmen mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet wurde. Zeitgleich mit der Geldspritze wurde in Scott Cutler ein Top-Manager vom Internethandels-Riesen Ebay abgeworben, der künftig die Geschäfte führen soll. «StockX revolutioniert E-Commerce», verspricht Cutler. Die Plattform sei eines der am schnellsten wachsenden Tech-Unternehmen weltweit.

Das lässt sich zwar schwer prüfen, da die Firma bislang keine Finanzberichte veröffentlicht. Doch dass es ein so junges Unternehmen auf eine Milliardenbewertung bringt, ist durchaus beachtlich und zeigt, welches enorme Potenzial Investoren wittern. Dabei gibt es die Kultur der Sneakerheads, wie die Liebhaber der speziellen Turnschuhe genannt werden, bereits seit Jahrzehnten. Die Obsession mit Kultmarken wie Air Jordan oder Converse Chuck Taylor war schon groß, lange bevor Rapstars wie Kanye West oder Travis Scott bei Sportartikel-Giganten wie Adidas und Nike ihre Kollektionen hatten.

Interesse der Finanzwelt wächst

Doch was sich früher auf eine überschaubare Szene von Sammlern beschränkte, erreicht mehr und mehr den Mainstream und wird damit auch für die Finanzwelt immer interessanter. Der Handel mit limitierter Streetwear ist vom Untergrund-Phänomen zu einer großen Kommerzveranstaltung geworden. In New Yorks Szenevierteln wie SoHo gehören die langen Schlangen vor den Sneaker-Läden längst zum gewohnten Bild. Heutzutage halten spezielle Apps und Websites die Szene über exklusive Veröffentlichungen auf dem Laufenden.

Auf «Re-Seller», die bei raren Kollektionen rasch zuschlagen und dann zu höheren Preisen weiterverkaufen, sind Sammler traditionell nicht gut zu sprechen. Doch die Grenzen sind fließend, natürlich sind auch viele Sneakerheads dem Geld nicht abgeneigt, wenn sie sich mehr als ein Paar sichern und etwas dazuverdienen können. Angesichts der hohen Renditen wird das Geschäft aber ohnehin immer professioneller. Da der Verkauf zunehmend über das Internet abläuft, versuchen nun auch schon Hacker, sich mit programmierten Bots Vorsprünge zu verschaffen.

Wie viel Geld seltene Schuhe wert sein können, zeigte sich im Juli bei einer Auktion in New York. Insgesamt 437.500 Dollar blätterte ein kanadischer Unternehmer und Sammler für ein Paar Moon-Shoes von Nike hin - ein neuer Rekordwert. Angeblich soll Nike-Mitgründer Bill Bowerman auf der Suche nach einer ganz speziellen Sohle Gummi in das Waffeleisen seiner Frau gegossen haben. Nur etwa zwölf Paar des Modells wurden angefertigt, das nun versteigerte gilt als das einzige bekannte, dessen Zustand als ungetragen bezeichnet werden kann.

Plattformen versprechen Originalitäts-Check

Online-Börsen wie StockX, an denen Sportschuhe wie Wertpapiere gehandelt werden, sind gewissermaßen die logische Konsequenz des Booms. Die Plattformen bieten nicht nur Zugang zu Artikeln, die sonst kaum zu bekommen wären, sie versprechen auch sorgfältige Prüfungen der Ware, die bei ihnen angeboten wird. Der Originalitäts-Check ist ein wichtiges Argument, denn es gibt viele Fälschungen, die teilweise sehr schwer zu erkennen sind. Im Netz präsentiert sich StockX im Stil einer Investment-Plattform - wie hoch welcher Schuh gerade im Kurs steht, wird anhand von Angebot und Nachfrage laufend ermittelt.

Jordan- oder Yeezy-Index statt Dax oder Dow Jones? Das mag auf den ersten Blick etwas skurril wirken, doch klein ist der Markt nicht. Die Investmentbank Cowen & Co schätzt, dass das Volumen alleine bei Sneakern und Streetwear in Nordamerika bis 2025 von derzeit zwei Milliarden auf rund sechs Milliarden Dollar steigt. Hierbei geht es wohlgemerkt nur um den Zweitmarkt, also wiederverkaufte Artikel. Kein Wunder also, dass das Segment auch für Branchengrößen wie Nike, Adidas oder Puma längst große Attraktivität gewonnen hat.

Der Rummel um die raren Kultobjekte verleiht den Marken mehr Strahlkraft und kommt besonders beim Buhlen um die jüngeren Käufergruppen gelegen. Zu den Gewinnspannen limitierter Kollektionen halten sich Nike, Adidas und Co. zwar bedeckt, doch die Kooperationen mit hochkarätigen Musikern und Sportlern würden sich die Unternehmen wohl sparen, wenn sie nicht lukrativ wären. Anleger sollten sich indes im Klaren sein, dass nicht jeder Sneaker ein Renditebringer ist und die Kurse auch an der Turnschuh-Börse kräftig fallen können.

Veröffentlicht am:
08. 08. 2019
12:53 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Adidas AG Auktionen und Versteigerungen Cleveland Cavaliers Deutscher Aktien Index Dow Jones Internethandel und E-commerce Investmentbanken Kanye West Kleidung Musiker Nike Schuhe Sportschuhe Streetwear eBay
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Verluste an der Börse begrenzen

29.04.2020

Schützt eine Stop-loss-Order vor Verlusten?

In Krisenzeiten schwanken Börsenkurse meist stark. Auch der DAX rauschte durch die Corona-Pandemie weit nach unten - Anleger brauchen da Nervenstärke. Könnte ihnen eine Stop-loss-Order helfen? » mehr

Trödelmarkt

26.02.2020

Gutes Geld für alte Schätze

Ob Flohmarktstand oder Online-Plattform: Gebrauchtes lässt sich oftmals noch zu Geld machen. Neben der Präsentation spielt auch der Preis eine Rolle beim Verkauf. » mehr

Online-Shop

13.01.2020

Warum im Netz immer mehr Marktplätze entstehen

Online-Marktplätze wie Amazon oder Ebay sind für die Verbraucher wegen des großen Angebots attraktiv. Deshalb öffnen inzwischen auch immer mehr Handelsketten ihre Online-Shops für Drittanbieter. Doch die Hürden für einen... » mehr

Anprobe

31.07.2019

So können Kunden bequemer shoppen

Online einzukaufen, ist praktisch. Unpraktisch wird es aber, wenn man die Hälfte der Sachen doch wieder zurückschicken muss. Ist das Einkaufen im Laden am Ende also doch besser? Oder wie sieht der goldene Mittelweg aus? » mehr

Dax

09.09.2020

Anleger sollten an der Börse nicht zocken

Wer bei Bluechips ans Casino denkt, liegt zwar richtig. Doch Bluechips gibt es auch an der Börse. Was aber hat es damit auf sich? » mehr

Wirecard

01.07.2020

Was Anleger aus dem Fall Wirecard lernen können

Hochgelobt und tief gefallen: Für viele Anleger ist der Zahlungsdiensteabwickler Wirecard ein Fiasko. Nach dem Bilanzskandal müssen sie hohe Verluste hinnehmen. Was man aus dem Fall lernen kann. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
08. 08. 2019
12:53 Uhr



^