Lade Login-Box.
Corona Ticker
Topthemen: CoronavirusVideosCoburger OB-Kandidaten vor der KameraCotubeBlitzerwarner

 

Keine Angst vor der Börse: «Man muss das Risiko erkennen»

Am einen Tag ist das Depot ordentlich im Plus, am nächsten ist es abgerutscht - allein die Vorstellung stresst manchen Börsen-Neuling. Wie kann man die Scheu verlieren?



Vor der Börse haben viele Angst
Schließlich gehen die Kurse mal rauf und mal runter. Allerdings kann man mit diesem Risiko umgehen.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Sparen funktioniert 2020 nicht mehr so wie früher. Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld bieten kaum Zinsen. «Wer langfristig sparen will, sollte sich mit dem Aktienmarkt vertraut machen», sagt Wirtschaftswissenschaftler Prof. Martin Weber.

Für viele Sparer wirken Börsengeschäfte aber vor allem riskant. Stimmt das? Und kann man das ändern? Im Interview mit dem dpa-Themendienst gibt der Experte Tipps für Anleger.

Warum sollte man sich mit dem Thema Aktienmarkt auseinandersetzen?

Prof. Martin Weber: Wenn man ein bisschen sparen will, also das Geld von heute in die Zukunft transportieren will, muss man sein Geld anlegen. Dafür kann man in unterschiedliche Assetklassen investieren, zum Beispiel in Immobilien. Aktien sind eine andere Assetklasse, die viele Vorteile hat und für manche Leute auch Nachteile.

Die Renditen können zum Beispiel deutlich höher sein als etwa bei Tagesgeld. Aber auch das Risiko, dass man Verluste macht.

Prof. Weber: Mehr Rendite gibt es nur mit mehr Risiko. Das ist die tiefe Erkenntnis der Finanzwirtschaft, auch wenn sie sich ganz einfach anhört. Sobald jemand sagt, du kannst sicher mehr Rendite bekommen, ist das Betrug. Insofern ist natürlich die erwartete Rendite am Aktienmarkt deutlich höher, beim Tagesgeld ist sie null oder noch weniger - aber man muss dafür das Risiko in Kauf nehmen.

Vielen fällt das schwer. Kann man sich an Risiko gewöhnen?

Prof. Weber: Ich weiß nicht, ob man sich an das Risiko gewöhnen kann, aber man muss es zuerst einmal erkennen. Dafür muss man nicht den Aktienmarkt als Abstraktes sehen, sondern sich am besten ein einigermaßen gutes Produkt am Aktienmarkt anschauen. Also keine Einzelaktie, sondern ein breit diversifizierter Anlagefonds, der auf langfristige Anlage ausgerichtet ist, oder ein ETF. Da kann ich sehen, wie er in der Vergangenheit geschwankt hat.

Dass man vielleicht in einem Jahr doch 30 Prozent verlieren konnte, aber im nächsten Jahr in aller Regel wieder etwas gewonnen hat. Mithilfe von Tools kann man sich anschauen, wie das abgelaufen ist.

Wie geht man mit diesem Wissen um?

Prof. Weber: Ich muss mich entscheiden, ob ich die Schwankungen in Kauf nehmen will, und in welcher Höhe. Dafür muss man für sich selbst eine Risiko-Rendite-Abwägung machen. Wie viel Risiko kann ich finanziell tragen - und will ich dieses Risiko tragen, also wie ist meine Risikoeinstellung. Die ändert sich im Laufe des Lebens kaum. Ich kann auch sagen, ich will mit Risiko nichts zu tun haben, dann sollte ich aber auch keine Renditeerwartungen haben.

Wie kann ich es mir selbst leichter machen, wenn ich Respekt vor Verlusten habe?

Prof. Weber: Es sind ja zwei Fragen: Will ich überhaupt sparen? Und die zweite: Wie lege ich dann an? Zum ersten Teil: Wir sparen nicht gerne, wenn wir das Geld aus der eigenen Tasche ausgeben müssen. Aus dem Gewinnbereich ist man eher bereit, etwas zu sparen. Also wenn mir die Oma 100 Euro schenkt und ich davon 50 Euro sparen soll. Da hab ich ja immer noch 50 Euro mehr.

Ein anderes Beispiel ist, das zu sparen, was am Ende des Monats vom Gehalt übrig ist. Oder man spart nach dem Safe-more-tomorrow-Plan von zwei amerikanischen Professoren zwei Prozent aus der nächsten Gehaltserhöhung von drei Prozent und bekommt nur ein Prozent mehr ausgezahlt. Ich muss also nicht auf Geld verzichten, ich bekomme nur weniger mehr. Damit kann man sich selbst austricksen.

Die andere Frage ist, wie ich anlege, um zu sparen. Das kann man rational angehen und sehen, dass man am Aktienmarkt eine positive erwartete Rendite hat. In den USA waren es in den vergangenen 190 Jahren im Durchschnitt sechs oder sieben Prozent pro Jahr.

Oder man sieht es emotionaler und denkt auch über Metafragen nach. Ich meine, wenn die Reichen immer nur reicher werden, weil sie in Aktien anlegen und ich bin nicht reich, dann müsste ich mir überlegen, ob ich die Strategie kopiere. Was heute durch ETF oder breitgestreute Fonds auch wirklich möglich ist.

Wie fängt man dann am besten an?

Prof. Weber: Man kann zum Beispiel jeden Monat 100 Euro in eine breitgestreute Anlage sparen. Dann merke ich, der Aktienmarkt geht hoch und runter und im Durchschnitt gewinne ich was. So lerne ich, dass ich mit der Unsicherheit leben kann.

Und dass ich nicht viel tun muss. In Studien wurden Anleger eingeteilt in Leute, die ihre Aktien oder andere Anlagen oft kaufen und verkaufen und solche, die wenig handeln. Nach Kosten sind die, die wenig handeln, wesentlich besser dran. Dafür gibt es den wunderbaren Spruch: Hin und her, Taschen leer.

Zur Person: Martin Weber ist Seniorprofessor an der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der Universität Mannheim. Er forscht unter anderem dazu, wie Marktteilnehmer finanzielle Entscheidungen treffen.

Veröffentlicht am:
05. 02. 2020
04:38 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aktien Allgemeine (nicht fachgebundene) Universitäten Betriebswirtschaftslehre Finanzinvestoren und Anleger Investmentfonds Professoren Sparer Universität Mannheim Vermögensanlage und Vermögensbildung Wertpapierbörsen Wirtschaftswissenschaftler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Anlagestrategien

09.03.2020

So lässt sich Ordnung ins Depot bringen

Die Ausbreitung des Coronavirus hat auch die Finanzmärkte geschockt. Weltweit gaben die Kurse kräftig nach. Ein guter Zeitpunkt, die eigene Anlagestrategie zu überprüfen. » mehr

Deutsche Börse

25.09.2019

Acht Regeln für Einsteiger an der Börse

Börsen-Investments erscheinen im Moment als eine der wenigen Anlagemöglichkeiten mit Aussicht auf Rendite. Wer neu in die Materie einsteigt, sollte aber etwas Grundwissen mitbringen. Ein Überblick. » mehr

Gold Corona Geldanlage Investition

03.04.2020

Lohnt in Corona-Zeiten die Investition in Gold?

In Krisenzeiten ist Gold oft besonders gefragt - das zeigt sich auch während der Corona-Pandemie. Der Preis ist in den vergangenen Wochen überwiegend gestiegen. Aber lohnt sich das Investment? » mehr

Matthias Weik und Marc Friedrich

11.03.2020

Wie Anleger mit Kollaps-Prognosen umgehen sollten

Der Euro am Ende? Börsen vor dem Zusammenbruch? Bücher mit steilen Thesen zur Wirtschaft haben Konjunktur - nicht erst jetzt, wo sie wegen des neuen Coronavirus schwächelt. Experten raten zu Vorsicht. » mehr

DAX-Kurve

09.10.2019

Wie sich Anleger informieren

Kaufen oder verkaufen? Wer an der Börse mitmischen will, muss auf dem Laufenden bleiben. Für Privatanleger bedeutet das viel Aufwand. Wie groß sollte das Engagement sein? » mehr

Dr. Heidi Pätzold

25.03.2020

Nachhaltigkeit hat viele Facetten

Nachhaltigkeit liegt im Trend. Auch Geldinstitute haben Produkte mit einem klimafreundlichen, sozialen oder ethisch-ökologischen Ansatz im Angebot. Doch nicht jedes grüne Investment ist auch gut. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
05. 02. 2020
04:38 Uhr



^