Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

 

Leiharbeiter sollten volle Fahrtkosten angeben

Die Entfernungspauschale steht für Leiharbeiter auf dem Prüfstand. Eigentlich erkennt das Finanzamt für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit nur den einfachen Weg an. Doch ein Gericht hat Leiharbeitern den Hin- und Rückweg anerkannt.



Fahrtkosten eintragen
Fahrtkosten zählen zu den Werbungskosten. Dort sollten Leiharbeiter ihren Hin- und Rückweg mit 30 Cent je Kilometer angeben. Foto: Andrea Warnecke  

Leiharbeitnehmer sollten in ihrer Steuererklärung die Fahrtkosten zum Betrieb voll angeben. Das heißt, den Hin- und Rückweg. So entschied das Niedersächsische Finanzgericht.

Grundsätzlich berücksichtigt das Finanzamt für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte im Rahmen der Entfernungspauschale lediglich den einfachen Fahrtweg. Nach einem Urteil des Niedersächsischen Finanzgerichts können Leiharbeitnehmer aber Hin- und Rückweg mit 30 Cent je Kilometer in der Einkommensteuererklärung ansetzen (Az.: 9 K 130/16). «Sie befinden sich quasi dauerhaft auf Dienstreise», erklärt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler.

Im verhandelten Fall war der Kläger seit Mai 2012 bei einer Leiharbeitsfirma tätig. Das Arbeitsverhältnis wurde mehrfach bis Mai 2015 verlängert. Zwar legte der Vertrag fest, dass der Kläger zu jeder Zeit bundesweit versetzt werden könnte. Doch er war im Streitjahr 2014 ganzjährig für einen Entleihbetrieb tätig. Für die Fahrten zwischen seiner Wohnung und dem Entleihbetrieb machte er einen Werbungskostabzug geltend - und zwar für den Hin- und Rückweg. Dies lehnte das Finanzamt ab. Stattdessen berücksichtigte es lediglich die einfache Fahrtstrecke. Denn bei dem Betrieb handele sich um die erste Tätigkeitsstätte des Klägers.

Das saht das Finanzgericht anders. Aus dem Gesetz zur Arbeitnehmerüberlassung gehe hervor, dass nur eine vorübergehende Überlassung von Arbeitnehmern zulässig ist. Damit sei der Entleihbetrieb keine erste Tätigkeitsstätte, argumentierten die Richter. Gegen das Urteil legte das Finanzamt Revision beim Bundesfinanzhof (Az.: VI R 6/17).

Klocke rät: «Leiharbeitnehmer sollten die vollen Fahrtkilometer für Hin- und Rückweg in der Einkommensteuererklärung als Reisekosten geltend machen.» Akzeptiert der Fiskus dies nicht, können Steuerzahler gegen den Steuerbescheid Einspruch einlegen und das Ruhen des Verfahrens beantragen. Zur Begründung verweisen sie auf das laufende Gerichtsverfahren.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 03. 2017
04:20 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bund der Steuerzahler Bundesfinanzhof Entfernungspauschale Fahrtkosten Finanzämter Niedersächsisches Finanzgericht Zeitarbeiter
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Das Schild von einem Taxi

24.06.2020

Taxifahrten zur Arbeit können steuerlich absetzbar sein

Ein Taxi ist aus Sicht des Steuerrechts ebenso ein öffentliches Verkehrsmittel wie Bus und Bahn. Daher können die Kosten für Taxifahrten zur Arbeit sich auch steuerlich auswirken. » mehr

Steuererklärung

26.02.2020

Doppelte Haushaltsführung im Mehrgenerationenhaus

Wer eine doppelte Haushaltsführung geltend macht, muss nachweisen, dass er sich tatsächlich an den Kosten für den Haushalt beteiligt. Das gilt auch für Kinder, die im Haus der Eltern eine Wohnung haben. » mehr

Kinderfreibetrag

23.06.2020

Kinder-Steuerfreibetrag gilt nach Trennung für beide Eltern

Der Kinderfreibetrag für die Betreuung und Erziehung oder Ausbildung eines Kindes steht grundsätzlich beiden Eltern zu. Das gilt auch, wenn ein Elternteil nur etwa 10 Prozent der Betreuung übernimmt. » mehr

Parkplatz für Firmenwagen

23.06.2020

Unterstellte Dienstwagen-Privatnutzung abwehren

Wenn das Finanzamt unterstellt, ein Firmenwagen werde auch privat genutzt, kann das widerlegt werden. Das gelingt umso leichter, je ähnlicher sich der Firmenwagen und das eigene Privatfahrzeug sind. » mehr

Steuererklärung

08.07.2020

Unterhaltskosten für Schwester steuerlich absetzbar

Werden Lebenshaltungskosten für Familienmitglieder übernommen, damit diese in Deutschland geduldet werden, können diese als steuermindernd abgesetzt werden. Das entschied das Finanzgericht Köln. » mehr

Getrennte Veranlagung

23.06.2020

Steuer-Rat: Ehegatten profitieren von Partner-Ausgaben

Eheleute können trotz Einzelveranlagung von den Abzügen des Partners profitieren. Denn Vorsorgeaufwendungen werden hier geteilt. Erst dann wird geprüft, ob Höchstbetragsgrenzen überschritten wurden. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 03. 2017
04:20 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.