Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

 

Ermäßigte Steuer gilt nur für echte Entlassungsabfindungen

Wenn ein Steuerzahler eine vorzeitige Kündigung selbst herbeigeführt, kann er für die Abfindung keinen günstigeren Steuersatz ansetzen. Das zeigt ein Urteil beim Finanzgericht Niedersachsen.



Kündigung
Die Besteuerung von Abfindungen und anderen Leistungen, die bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses anfallen, ist oft komplex.   Foto: Ralf Hirschberger

Kündigt der Arbeitgeber einem Mitarbeiter und erhält dieser deswegen eine Abfindung, so kann die Abfindung mit einem günstigeren Steuersatz besteuert werden. «Dafür gibt es im Steuerrecht die sogenannte Fünftelregelung», erläutert Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler.

Voraussetzung ist, dass der Arbeitnehmer die Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht selbst verursacht hat, wie ein Fall vor dem Finanzgericht Niedersachsen zeigt.

Geklagt hatte eine Arbeitnehmerin, die einen Aufhebungsvertrag abgeschlossen hatte, weil ihr Arbeitgeber Personal abbauen wollte. Nach dem Vertrag erhielt sie eine Abfindung sowie eine Lohnfortzahlung für weitere sieben Monate und ein 13. Monatsgehalt. Zudem stand ihr das Recht zu, vorzeitig zu kündigen. In diesem Fall würde sie die Abfindung sowie die weiteren Monatsgehälter in einer Summe ausgezahlt bekommen.

Von dieser Ausstiegsklausel machte die Arbeitnehmerin Gebrauch und kündigte. Sie verlangte dann für den Gesamtbetrag die ermäßigte Besteuerung. Das Finanzamt teilte den Betrag hingegen auf: Für die Abfindung nahm es eine ermäßigte Besteuerung nach der Fünftelregelung vor, da diese für den Verlust des Arbeitsplatzes gezahlt wurde. Die ausstehenden Monatsgehälter wurden allerdings in voller Höhe besteuert.

Das ist in Ordnung, entschied das Finanzgericht (Az.: 1 K 279/17). Hat der Steuerzahler die vorzeitige Kündigung aus eigenem Antrieb herbeigeführt, gilt der günstigere Steuersatz nicht. Das gilt selbst dann, wenn die Abfindung und die Monatsgehälter in einer Summe ausgezahlt werden. Denn beide Komponenten beruhen auf unterschiedlichen Ereignissen, so die Gerichtsmeinung. «Es ist also sorgfältig zwischen laufendem Arbeitslohn und einer Entlassungsabfindung zu unterscheiden», fasst Klocke zusammen.

Gegen das Urteil wurde Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesfinanzhof (BFH) eingelegt (Az.: IX B 34/18). Ebenfalls Betroffene können sich auf dieses Verfahren berufen, wenn das Finanzamt die Fünftelreglung nicht komplett gewährt. Empfehlenswert ist es jedoch, im Vorfeld abzuklären, welche steuerlichen Folgen gelten. Die Besteuerung von Abfindungszahlungen und weiterer Leistungen, die bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses anfallen, ist nämlich meist komplex.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
25. 07. 2018
05:03 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abfindungen Arbeitnehmer Aufhebungsverträge Beendigung eines Beschäftigungsverhältnisses Bund der Steuerzahler Bundesfinanzhof Finanzämter Lohnfortzahlung im Krankheitsfall Niedersächsisches Finanzgericht Steuersätze Steuerzahler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Parkplatz für Firmenwagen

23.06.2020

Unterstellte Dienstwagen-Privatnutzung abwehren

Wenn das Finanzamt unterstellt, ein Firmenwagen werde auch privat genutzt, kann das widerlegt werden. Das gelingt umso leichter, je ähnlicher sich der Firmenwagen und das eigene Privatfahrzeug sind. » mehr

Verluste bei der Vermietung einer Ferienwohnung

vor 6 Stunden

Mietverluste bei Ferienwohnungen können Steuer mindern

Kann man Verluste bei Vermietung einer Ferienwohnung steuerlich geltend machen? Die Frage ist, welche Auslastung am Ferienort üblich ist. Mit den Bedingungen muss sich der Bundesfinanzhof befassen. » mehr

Steuererklärung

08.07.2020

Unterhaltskosten für Schwester steuerlich absetzbar

Werden Lebenshaltungskosten für Familienmitglieder übernommen, damit diese in Deutschland geduldet werden, können diese als steuermindernd abgesetzt werden. Das entschied das Finanzgericht Köln. » mehr

Steuererklärung

26.02.2020

Doppelte Haushaltsführung im Mehrgenerationenhaus

Wer eine doppelte Haushaltsführung geltend macht, muss nachweisen, dass er sich tatsächlich an den Kosten für den Haushalt beteiligt. Das gilt auch für Kinder, die im Haus der Eltern eine Wohnung haben. » mehr

Getrennte Veranlagung

23.06.2020

Steuer-Rat: Ehegatten profitieren von Partner-Ausgaben

Eheleute können trotz Einzelveranlagung von den Abzügen des Partners profitieren. Denn Vorsorgeaufwendungen werden hier geteilt. Erst dann wird geprüft, ob Höchstbetragsgrenzen überschritten wurden. » mehr

Finanzamt

20.09.2019

Günstiger Steuersatz bei Mitarbeiterbeteiligung erlaubt

Mitarbeiterbeteiligungen binden Angestellte und Arbeitgeber. Verkauft ein Arbeitnehmer seine Kapitalbeteiligung, muss er den Gewinn versteuern. Inwieweit die Steuer greift ist variabel. In einem Fall kommt ein Steuerzahl... » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
25. 07. 2018
05:03 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.