Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

 

Zahl der Abtreibungen minimal gesunken

Erst der Streit über die Reform des Paragrafen 219a, dann ruft eine geplante Studie des Gesundheitsministers empörte Reaktionen hervor: Über Schwangerschaftsabbrüche wird wieder viel diskutiert. 2018 entschieden sich wieder etwas weniger Frauen für eine Abtreibung.



Schwangerschaftsabbruch
In Deutschland sind Abtreibungen nach wie vor rechtswidrig. Damit der Eingriff straffrei bleibt, muss etwa eine Beratung in einer staatlich anerkannten Konfliktberatungsstelle erfolgen.   Foto: Jens Büttner

Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche ist nach einem zwischenzeitlichen Anstieg wieder leicht gesunken, liegt aber weiter bei mehr als 100.000, wie das Statistische Bundesamt mitgeteilt hat. Fragen und Antworten dazu:

Wie ist die letzte Entwicklung in der Statistik?

In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland zunächst angestiegen und hat dann bis zum Jahr 2016 fast kontinuierlich abgenommen: Brachen 1996 Frauen in knapp 131.000 Fällen eine Schwangerschaft ab, waren es 2016 weniger als 99.000. Dann allerdings, 2017, berichtete das Statistische Bundesamt von einem leichten Anstieg auf mehr als 101.000. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Statistik nun einen leichten Rückgang um 0,2 Prozent auf knapp unter 101.000. Rund 58.400 der Frauen waren ledig, rund 38.700 verheiratet, rund 3700 geschieden und rund 170 verwitwet.

Welche Gründe wurden angegeben?

In den meisten Fällen (96 Prozent) ließen sich die Frauen innerhalb der ersten drei Monate von einer staatlich anerkannten Organisation beraten, um die Berechtigung für den Eingriff zu erhalten. In vier Prozent lagen medizinische Gründe vor oder es handelte sich um eine Schwangerschaft nach einem Sexualdelikt. Mit 72 Prozent war der Großteil der Frauen zwischen 18 und 34 Jahre alt. Acht Prozent waren den Angaben zufolge älter als 39 Jahre, drei Prozent noch nicht erwachsen.

Gibt es regionale Unterschiede?

In absoluten Zahlen gibt es die meisten Abbrüche im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen mit rund 22.000. Im Verhältnis zu den Geburten ergibt sich ein anderes Bild, die hierfür zuletzt errechneten Werte stammen aus dem Jahr 2017. Die höchsten Zahlen meldeten die Stadtstaaten Berlin und Bremen, wo 230 und 208 Schwangerschaftsabbrüche auf 1000 Geburten kamen, in Bayern und Baden-Württemberg waren es dagegen nur 88 beziehungsweise 96. Die Beratungsorganisation Pro Familia erklärt, manche Frauen aus ländlichen Gebieten etwa in Bayern oder Niedersachsen müssten weite Fahrten auf sich nehmen, um einen Arzt oder eine Klinik zu finden. Acht Prozent der Frauen fuhren 2018 in ein anderes Bundesland.

Wie ist die aktuelle Gesetzeslage?

In Deutschland sind Abtreibungen nach wie vor rechtswidrig, nur unter bestimmten Bedingungen bleibt der Eingriff straffrei. So etwa nach rechtzeitiger Beratung in einer staatlich anerkannten Konfliktberatungsstelle. Eine Abtreibung bleibt auch nach der zwölften Schwangerschaftswoche straffrei, wenn für die Schwangere Lebensgefahr besteht oder eine schwerwiegende körperliche oder seelische Beeinträchtigung droht.

Welche Auswirkungen wird die zuletzt beschlossene Änderung haben?

Der Paragraf 219a ist nach wie vor umstritten. Er stellte bisher den Hinweis, dass in einer Praxis Abbrüche durchgeführt werden, unter Strafe. Mehrere Ärzte wurden deshalb verurteilt, auch Kristina Hänel. Ihr Rechtsstreit sei mit der Reform nicht beigelegt, sagt die Medizinerin - vor deren Praxis immer wieder Abtreibungsgegner demonstrieren, weshalb die Stadt Gießen über eine Bannmeile nachdenkt. Mit der Neuregelung dürfen künftig Ärzte und Kliniken im Internet angeben, dass sie Abtreibungen durchführen - mehr aber auch nicht. Dies reiche nicht aus, erklärt unter anderen auch Pro Familia. Der Paragraf müsse ersatzlos gestrichen werden, damit sich Frauen informieren könnten und um der Stigmatisierung des Schwangerschaftsabbruchs und der Ärzte entgegenzuwirken.

Haben Abtreibungen Folgen für die Frauen?

Mit seinem Vorhaben, in einer Studie die «Häufigkeit und Ausprägung seelischer Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen» untersuchen zu lassen, stieß das von Minister Jens Spahn (CDU) geführte Gesundheitsministerium auf empörte Reaktionen. Dies offenbare ein fragwürdiges Frauenbild, kritisierte die FDP-Opposition im Bundestag. Zudem gibt es solche Untersuchungen bereits. Die große Mehrheit der Frauen bewältige einen Abbruch ohne Langzeitfolgen, sagt Claudia Schumann, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG). Frauen solle die Fähigkeit zugebilligt werden, die beste Entscheidung selbst treffen zu können.

Veröffentlicht am:
27. 02. 2019
13:54 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abtreibungsgegner Bundesämter (Deutschland) CDU Deutscher Bundestag Gesundheitsminister Jens Spahn Reformen Schwangerschaftsabbruch Statistisches Bundesamt Straffreiheit Ärzte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Tabletten einnehmen

29.11.2019

Gesundheits-Apps bald auf Rezept zu haben

Habe ich meine Tabletten schon genommen? Bei der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten können Apps eine gute Gedächtnisstütze sein. Die soll es bald auch auf Rezept geben. » mehr

Gesundheits-Apps

08.11.2019

Gesundheits-Apps kommen bald auf Rezept

Beim Arztbesuch läuft oft noch viel auf Papier. Die große Koalition will deswegen Tempo machen, um endlich einen Durchbruch für die Digitalisierung zu schaffen. Geht das für manche auch zu schnell? » mehr

Medizinischer Dienst

08.11.2019

Medizinischer Dienst wird von Krankenkassen abgetrennt

Der Medizinische Dienst der Kassen wird von den Krankenkassen abgekoppelt. Mit dem Beschluss des Bundestages soll der Beratungs- und Begutachtungsdienst künftig unabhängiger werden. » mehr

Masern-Impfpflicht

18.10.2019

Kinderärzte unterstützen geplante Masern-Impfpflicht

Um Masern-Infektionen rigoroser einzudämmen, soll eine Impfpflicht für Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen kommen. Dazu starten nun die Beratungen im Bundestag. Mediziner fordern zusätzliche Instrumente. » mehr

Krankschreibung bald digital?

18.09.2019

Die Bundesregierung will die digitale Krankmeldung

Von 2021 an sollen für gesetzlich Versicherte die «gelben Scheine» bei einer Krankmeldung abgeschafft werden. Es geht um Millionen von Zetteln. Das Kabinett will nun eine digitale Lösung auf den Weg bringen. » mehr

Impfpass

17.07.2019

Was bedeutet die Masernimpfpflicht in der Praxis?

Das Bundeskabinett hat das Gesetz für eine Masernimpfpflicht auf den Weg gebracht. Vor allem Kita- und Schulkinder müssen künftig zwingend geimpft sein. Die Regelungen im Detail. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
27. 02. 2019
13:54 Uhr



^