Lade Login-Box.
Topthemen: Loewe-InsolvenzNP-FirmenlaufGlobe-TheaterMordfall OttingerHSC 2000 CoburgStromtrasse

 

Cannabis-Konsumenten brauchen mehr Narkosemittel

Aus der Narkose aufwachen, bevor der Eingriff zu Ende ist - für viele Menschen ist das eine Alptraum-Vorstellung. Selten werden Narkosemittel tatsächlich zu niedrig dosiert. Der Drogenkonsum des Patienten kann eine Ursache sein.



Narkose
Patienten, die regelmäßig Drogen konsumieren, benötigen bei einer OP mehr Narkosemittel.   Foto: Jens Schierenbeck

Regelmäßig Cannabis konsumierende Patienten haben bei Operationen einen höheren Bedarf an Narkosemitteln. Bei Propofol etwa kann mehr als die dreifache Dosis nötig sein, wenn Menschen täglich oder wöchentlich Marihuana oder andere Hanfprodukte zu sich nehmen.

Das berichten Forscher um Mark Twardowski von den Western Medical Associates in Grand Junction (Colorado, USA) im Fachmagazin «The Journal of the American Osteopathic Association». «Cannabis hat einige Stoffwechseleffekte, die wir nicht verstehen, und die Patienten müssen wissen, dass ihr Cannabiskonsum andere Medikamente möglicherweise weniger wirksam macht», erklärt Twardowski.

Überraschend sei das Ergebnis nicht, sagt Götz Geldner, Ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Klinikum in Ludwigsburg. Dass Patienten, die psychoaktive Substanzen wie Alkohol zu sich nehmen, mehr Narkosemittel benötigen, sei unter Anästhesisten schon lange bekannt, erklärt der nicht an der Studie beteiligte Mediziner. In einem von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin empfohlenen Patientenfragebogen wird seit etwa zehn Jahren auch nach dem Drogenkonsum gefragt. Nach Geldners Einschätzung verwenden mehr als 90 Prozent der deutschen Kliniken einen vergleichbaren Fragebogen.

Geldner weist darauf hin, dass genaue Ergebnisse nur mit dem Messen von Substanzen aus der Cannabispflanze im Blut zu erhalten sind. «Wenn die Leber häufig mit Cannabinoiden oder Alkohol zu tun bekommt, steigert sie ihre Entgiftungsfunktion», erklärt er. In der Folge würden auch Narkosemittel schneller verstoffwechselt. Neben Drogen und Alkohol beeinflussen demnach auch Tranquilizer und andere Psychopharmaka die Wirksamkeit von Narkosemitteln.

Seit 2012 können im US-Bundesstaat Colorado Drogen aus der Hanfpflanze (Cannabis) legal konsumiert werden. Auch in neun weiteren Bundesstaaten ist die Einnahme erlaubt. Diese gesetzlichen Änderungen haben dazu geführt, dass der Konsum von Cannabisprodukten in den USA von 2007 bis 2015 um 43 Prozent gestiegen ist. Geschätzt fast 14 Prozent der Erwachsenen haben in diesem Zeitraum Hanfdrogen zu sich genommen.

Twardowski führt an einem Krankenhaus in Grand Junction Darm- und Magenspiegelungen durch. Die Forscher wählten aus 1158 seiner Patienten der Jahre 2016 und 2017 nach dem Zufallsprinzip 250 aus, von denen 25 einen regelmäßigen Cannabiskonsum angegeben hatten. Es folgte ein Abgleich der beim medizinischen Eingriff verwendeten Mengen an Narkosemitteln mit den Angaben der Patienten über die Einnahme von Cannabisprodukten, Alkohol, Benzodiazepinen (etwa in Psychopharmaka) und Opiaten. Nutzer von Hanfdrogen benötigten demnach im Mittel 14 Prozent mehr Fentanyl, knapp 20 Prozent mehr Midazolam und gut 220 Prozent mehr Propofol (44,81 Milligramm statt 13,83 Milligramm).

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 04. 2019
16:29 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Anästhesisten Drogen und Rauschgifte Marihuana Medikamente und Arzneien Midazolam Opiate Propofol Psychopharmaka Schmerztherapie Ärztliche Direktoren
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Chronischer Schmerz

04.06.2019

Das Kreuz mit dem chronischen Schmerz

Schmerzen hat jeder mal. Doch was, wenn sie nicht wieder weggehen - ohne dass es eine klare Ursache dafür gibt? Dann sprechen Experten von chronischem Schmerz. Für Betroffene beginnt damit oft ein langer Leidensweg. » mehr

Pressekonferenz in Tübingen

24.05.2019

Bundesweit erste Geburten nach Gebärmutter-Transplantation

Für viele Frauen ist der Wunsch nach einem eigenen Kind riesig. In Tübingen sind Ärzte einen weiten Weg gegangen, um das für zwei Patientinnen möglich zu machen: Sie transplantierten ihnen eine Gebärmutter. Das Vorgehen ... » mehr

Dr. Annette Sonntag

12.07.2018

Pillen und Therapie gehen am besten Hand in Hand

Kaum eine Medikamentenklasse hat einen so schlechten Ruf wie Psychopharmaka. Dabei machen diese Medikamente bei schweren seelischen Erkrankungen eine begleitende Therapie meist erst möglich. » mehr

Der Zahlendieb: Mein Leben mit Zwangsstörungen

17.04.2019

Wenn Zwangsgedanken die geistige Gesundheit gefährden

Magisches Denken - was nach Zauberei klingt, beschreibt in Wirklichkeit eine schwere Erkrankung. Die eigenen Gedanken lösen bei Betroffenen existenzielle Ängste aus. Das einzige Mittel dagegen: Zwangshandlungen und Ritua... » mehr

Cannabis

06.06.2017

Cannabis auf Rezept: Was Patienten wissen sollten

Kaum ein Gesetz hat so großes Aufsehen erregt wie die Zulassung von Cannabis als Medikament zum Beispiel gegen Schmerzen. So einfach wie es sich mancher vorstellt, bekommt man Cannabis auf Kosten der Krankenkasse allerdi... » mehr

Zähneknirschen ist keine Krankheit

14.06.2019

Zähneknirschen ist keine Krankheit

Intensives Zähneknirschen kann Schaden anrichten. Mögliche Folgen sind Zahnfrakturen, Sprechprobleme - und ein weniger schönes Gebiss. Was sind die Ursachen? » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 04. 2019
16:29 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".