Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 30 Jahre WiedervereinigungCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

Plädoyer für mehr Schmerzexperten in der Pflege

Schmerzen gehören zum Krankenhausaufenthalt dazu - oder? Eigentlich sollen pflegerische Schmerzexperten dafür sorgen, dass Patienten möglichst wenig leiden. Doch sie sind noch viel zu wenig im Einsatz.



Schmerzexperten in der Pflege
Eine Pflegerin cremt den Rücken einer alten Dame mit Schmerzgel ein.   Foto: Jana Bauch/dpa

Noch immer leiden viele Menschen in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Hospizen an starken Schmerzen.

«Stellen Sie sich vor, Sie liegen mit Schmerzen im Bett und keiner kümmert sich darum», sagte Nadja Nestler von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg der Deutschen Presse-Agentur im Mannheim. Das passiere noch allzu oft in deutschen Kliniken. Jeder zweite Operierte leide unter unnötig starken Schmerzen.

Der verstärkte Einsatz pflegerischer Schmerzexperten könne nach Meinung der Expertin vom Institut für Pflegewissenschaft und -praxis Abhilfe schaffen.

Schmerzkongress

Das Thema steht auch auf der Tagesordnung des viertägigen Deutschen Schmerzkongresses , der noch bis Samstag in Mannheim stattfindet. Rund 2000 Teilnehmer werden erwartet - Mediziner, Psychologen, Pflegende und Apotheker. Weitere Themen bei Symposien und Workshops sind Telemedizin, E-Health und Schmerzregister.

Nestler betonte, die für Erfassung von Schmerzen und deren Behandlung ausgebildeten pflegerischen Schmerzexperten müssten eine deutlich größere Rolle spielen. «Es gibt Kliniken, die Schmerzmanagement gar nicht interessiert.» Dabei sei das gerade angesichts einer wachsenden Zahl von chronisch Kranken von Bedeutung, die Schmerzen in die Klinik mitbringen. Auch Demenzkranke, die ihre Schmerzen nicht mehr mitteilen könnten, stellten Kliniken und Pflegeheime vor neue Hauerausforderungen, die Schmerz-Experten bewältigen könnten. Die dünne Personaldecke verführe dazu, die Kompetenz der bundesweit etwa 20.000 pflegerischen Schmerzexperten gar nicht abzurufen.

Das Aufganenfeld von «pain nurses»

Und so sieht das Aufgabenfeld der im englischen Fachjargon auch «pain nurses» genannten Pflegenden aus: Sie erfassen die Schmerzen eines Patienten auf einer Skala von null bis zehn, fragen nach Medikamenten und empfehlen wenn nötig zusätzliche. Sie schauen, dass die Patienten im Bett gut gelagert sind, dass sie - wenn gewünscht - Ablenkung erhalten, und sie thematisieren mögliche Unterstützung durch Freunde und Familie. Über allem steht, die Angst vor Schmerzen zu nehmen, unter anderem durch Information und Beteiligung der Patienten. «Unser Ziel ist, dass die Kranken sich mit ihren Schmerzen aufgehoben und wahrgenommen fühlen und wir ihren Schmerz lindern können», sagt Ruth Boche, Sprecherin der Expertengruppe Pflegeexperten Schmerz vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe.

Dafür müssten den Experten von ihrem Arbeitgeber ein Zeitrahmen für festgelegte Aufgaben gewährt werden. Nebenbei lasse sich die Behandlung von Schmerzen nicht erledigen, sagte Boche, Pflegeexpertin am Uni-Klinikum in Münster. Krankenhäuser könnten ein gutes Schmerzmanagement auch für ihre Werbung nutzen, eine bessere Heilung erreichen und dadurch die Verweildauer reduzieren. Auch bei der Entlassung müssten die Patienten erfahren, welche Schmerzmittel sie wann einnehmen müssen, welche Bewegungen sie meiden und wie sie selbst zum Genesungsprozess beitragen können.

Pflegewissenschaftlerin Nestler plädierte auch für die Akademisierung der Tätigkeiten, so dass die Kooperation mit den Ärzten reibungsloser verlaufe. Deutschland hinke Ländern wie Österreich, Großbritannien, den Benelux-Ländern und Skandinavien hinterher. Pflegerische Schmerzexperten absolvieren in Deutschland derzeit eine Fortbildung von 42 Stunden.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 10. 2019
11:04 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutsche Presseagentur Kranke Krankenhäuser und Kliniken Medikamente und Arzneien Paracelsus Patienten Pflegeberufe Pflegeheime Pflegewissenschaften Pflegewissenschaftler Schmerzmittel Ärzte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Regelschmerzen kennt fast jede Frau

15.04.2020

Heftige Regelschmerzen sind Hinweis auf Endometriose

Regelschmerzen kennt so gut wie jede Frau. Doch wenn die monatliche Blutung zur Qual wird und Schmerzen an verschiedenen Stellen auftreten, steckt vielleicht eine Endometriose dahinter. » mehr

Winterdepressionen

02.11.2020

Bei psychischen Beschwerden stets Hilfe holen

Das sitze ich aus! Das geht schon wieder vorbei! Wer mit mentalen Problemen zu kämpfen hat, sollte das nicht von sich wegschieben. Es gibt verschiedene Hilfsangebote - auch in Pandemiezeiten. » mehr

Coronatest als Selbstzahlerleistung

25.08.2020

Was Patienten über Selbstzahlerleistungen wissen sollten

Reiseimpfungen und Vorsorgeuntersuchungen müssen oft selbst gezahlt werden. Auch zum Coronavirus bieten etliche Praxen mittlerweile Selbstzahlerleistungen an. Was hat es damit auf sich - und warum warnen Kassenvertreter ... » mehr

Richtig niesen und husten

28.02.2020

 Bei Coronainfektion: Isolation mit Hausmitteln

Das neuartige Sars-CoV-2-Virus ist höchst ansteckend, aber in den meisten Fällen kein Fall fürs Krankenhaus. Wie müssen sich Patienten zu Hause verhalten, um Familienmitglieder nicht anzustecken? » mehr

Inhalation

21.10.2020

Das Problem mit den Nasennebenhöhlen

Wenn die Tage wieder kühler werden, fangen sich viele eine Nasennebenhöhlenentzündung ein. Immerhin: Zum Arzt muss man damit nicht immer sofort. Die Beschwerden können aber lange andauern. » mehr

Krankschreibung per Videosprechstunde

17.07.2020

Krankschreibung per Video wird erlaubt

Gesundheitswesen digital: Künftig können sich Patienten den Gang in eine Praxis vielfach sparen, wenn sie wegen Krankheit schonen müssen. Die Corona-Krise könnte Videosprechstunden zusätzlich Auftrieb geben. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 10. 2019
11:04 Uhr



^