Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

 

Arztdichte bleibt regional sehr unterschiedlich

Und wie weit haben Sie es zum Arzt? Das hängt nach wie vor auch davon ab, wo man wohnt. Das Praxisnetz ist meist enger geworden, aber nicht überall. Auch beim Alter der Mediziner zeigen sich Auffälligkeiten.



Wartezimmer einer Arztpraxis
Brandenburg hat bundesweit die geringste Arztdichte. In Bremen gibt es hingegen am meisten Ärzte und Psychotherapeuten.   Foto: Daniel Karmann/dpa

In Deutschland gibt es immer mehr Praxisärzte - beim Versorgungsangebot für die Patienten vor Ort bestehen aber weiterhin erhebliche Unterschiede je nach Region. Am dichtesten ist das Netz in Heidelberg mit insgesamt 396,6 Ärzten und Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner.

Am wenigsten niedergelassene Mediziner in diesem Verhältnis gibt es mit 80,6 im Landkreis Coburg in Bayern. Das geht aus Daten des Bundesarztregisters mit Stand Ende vergangenen Jahres hervor, die die Deutsche Presse-Agentur ausgewertet hat. Dabei gibt es gerade in dünn besiedelten Gegenden Sorgen, ob Praxen überhaupt erhalten bleiben. Denn vor allem viele Hausärzte sind schon älter.

- Die generelle Arztdichte: Insgesamt ist das Arztnetz in fast allen Bundesländern im Vergleich zu 2018 engmaschiger geworden - nur in Hamburg, Rheinland-Pfalz, Berlin und dem Saarland nicht. Am meisten Ärzte und Psychotherapeuten pro 100.000 Einwohner haben weiterhin die Stadtstaaten Bremen (301,1) Hamburg (292,9) und Berlin (283,7). Am wenigsten niedergelassene Mediziner sind es in dieser Betrachtung in Brandenburg (188,3), der Kassenärzte-Region Westfalen-Lippe in Nordrhein-Westfalen (194,0) und in Rheinland-Pfalz (195,8).

Zur Gesundheitsversorgung in den jeweiligen Regionen tragen die Praxen der Kassenärzte allerdings nicht alleine bei - dazu kommen Ärzte in Krankenhäusern sowie etwa auch Physiotherapeuten, Logopäden und andere Heilberufler. Zudem nutzen Patienten aus eher dünn besiedelten Umlandregionen oft Praxen in angrenzenden Ballungsräumen. Konkret kommt es auch darauf an, wie weit entfernt Praxen liegen und wie gut die Anbindung mit Bussen und Bahnen in der Region dafür ist.

- Der generelle Trend: Bundesweit waren zum Stichtag 31. Dezember 2019 rund 149.700 Ärzte und 28.000 Psychotherapeuten mit einer Zulassung für die Versorgung gesetzlich versicherter Patienten tätig. Das war insgesamt ein Plus von 1,4 Prozent im Vergleich zu Ende 2018. Dies bedeutet laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) tatsächlich aber nur einen Kapazitäts-Plus von 0,2 Prozent. Denn viele Ärzte wollen Teilzeit arbeiten oder Angestellte statt Praxisinhaber sein.

KBV-Chef Andreas Gassen sagte: «Die Arztzeit ist und bleibt knapp.» Der Trend zur Teilzeit sei ungebrochen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spiele - wie überall in der Gesellschaft - auch bei jungen Ärztinnen und Ärzten eine wichtige Rolle. Wie leistungsfähig das Netz sei, zeige die Bekämpfung der Corona-Krise: «Sechs von sieben Patienten werden ambulant behandelt.» In der Regelversorgung sind es 650 Millionen Behandlungsfälle im Jahr. «Wir sind also gut beraten, die Niederlassung attraktiv zu gestalten und sie vom Wust an Bürokratie und politischen Eingriffen zu befreien», forderte Gassen.

- Die Hausärzte: Bei Hausärzten, die für viele Menschen die ersten Anlaufstellen sind, gibt es ebenfalls große regionale Unterschiede. Das dichteste Netz hat Kaufbeuren in Bayern mit 98,9 Hausärzten berechnet auf 100.000 Einwohner. Am wenigsten Hausärzte in diesem Verhältnis gab es Ende 2019 im Landkreis Tuttlingen in Baden-Württemberg mit 48,8. Im Vergleich der Länder am höchsten ist die Dichte in Hamburg (72,9) und Mecklenburg-Vorpommern (72,8). Am geringsten ist die Hausarztdichte in Westfalen-Lippe (59,6).

- Das alter der Ärzte: Bei Hausärzten ist es oft auch besonders dringlich, Praxisnachfolger zu finden, wenn Mediziner in Ruhestand gehen. Den bundesweit größten Anteil an Hausärzten über 65 Jahre hatte Ende 2019 Rheinland-Pfalz mit 19,8 Prozent - bezogen auf alle Ärzte und Psychotherapeuten waren es in dem Bundesland 13,3 Prozent. Den kleinsten Anteil älterer Hausärzte hat Mecklenburg-Vorpommern - über 65 sind dort 8,4 Prozent. Insgesamt stieg das Durchschnittsalter aller niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten laut Statistik zwischen 2009 und 2019 von 51,9 Jahre auf nunmehr 54,3 Jahre.

- Die Kinderärzte: Starke regionale Unterschiede gibt es auch bei Kinderärzten, die für Familien wichtig sind. Das dichteste Netz hat die Stadt Memmingen in Bayern mit 27,6 Kinderärzten bezogen auf 100.000 Einwohner - im Landkreis Bayreuth ist es in diesem Verhältnis rechnerisch nur ein Kinderarzt. Im Ländervergleich hat Bremen die höchste Kinderarztdichte (14,3), die geringste hat Hessen (8,4).

Veröffentlicht am:
28. 04. 2020
14:12 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arztpraxen Deutsche Presseagentur Gesundheitssystem Hausärzte Kassenärzte Logopäden Medizinerdichte Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten Psychotherapeuten Regelversorgung Ärzte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Untersuchung nur mit monatelanger Wartezeit?

20.02.2020

Knappe Arzttermine gibt es nur mit Code

Ein Termin beim Hautarzt? Gerne doch - in einem halben Jahr. Damit das nicht passiert, gibt es den Terminservice der Kassenärztlichen Vereinigungen. Wer ihn nutzen will, braucht aber zwölf Ziffern. » mehr

Besuch beim Hausarzt

03.05.2019

Praxisärzte in Deutschland immer noch ungleich verteilt

Vielen Bundesbürgern ist es wichtig, dass sie es nicht allzu weit zum Arzt haben. Doch die Abdeckung mit Praxen ist in Deutschland nach wie vor ungleichmäßig, wie aktuelle Zahlen zeigen. Was können Patienten tun, wenn si... » mehr

Digitale Gesundheitsakte «Vivy»

09.03.2020

Viele Menschen sind offen für Gesundheits-Apps

Zum Arzt per Video, die Krankschreibung für den Chef digital und Pillen-Rezepte elektronisch: Viele Deutsche begrüßen Innovationen im Gesundheitswesen. Doch was den Alltagsgebrauch angeht, sind sie oft noch skeptisch - a... » mehr

Arzttermin

12.04.2019

Kassenpatienten sollen schneller an Termine kommen

Wer erst in mehreren Wochen einen Termin beim Arzt bekommt, ist oft verärgert. Für gesetzlich Versicherte soll es nun Verbesserungen geben. Der Bundesrat hat grünes Licht gegeben. » mehr

Impfpass

23.01.2020

Wie Impfungen in E-Patientenakten kommen sollen

Bei digitalen Gesundheits-Angeboten soll mehr Tempo her, so will es der Minister. Doch was genau hätten die Patienten zum Beispiel von E-Akten? Konkret wird das nun als Erstes beim wichtigen Thema Impfen. » mehr

Tierischer Beistand

09.12.2019

Beistand auf vier Pfoten nimmt die Angst beim Zahnarzt

Angst vorm Zahnarzt? Manchmal hilft dann Hypnose. In Berlin gibt es aber auch Doc Peppi. Der hat vier Pfoten und sorgt mit echtem Hundeblick für Ablenkung. Hilft das? » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
28. 04. 2020
14:12 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.