Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

 

Impfungen bieten sicheren Schutz vor Kinderkrankheiten

Masern, Scharlach, Windpocken: Typische Kinderkrankheiten sind nicht so harmlos wie ihr Name klingt. Auch viele Erwachsene stecken sich an. Impfungen spielen beim Schutz eine zentrale Rolle.



Wirksamer Schutz
Ob Masern, Scharlach oder Windpocken: Impfungen bieten wirksamen Schutz gegen viele Kinderkrankheiten.   Foto: Christin Klose » zu den Bildern

Ist das eine Allergie oder doch Mumps? Viele junge Eltern haben typische Kinderkrankheiten nicht mehr selbst durchgemacht - auch dank wirksamer Impfungen.

Vorbei sind hierzulande die Zeiten, in denen sich Geschwister und Nachbarskinder so lange gegenseitig ansteckten, bis ganze Straßenzüge gegen Windpocken und Co. immun waren.

Kinderkrankheiten im Erwachsenenalter

Viele Eltern informieren sich deshalb vorab im Netz. Das sieht der Kinderarzt Prof. Michael Weiß vom Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße in Köln positiv. Bilder und genaue Beschreibungen helfen, den Krankheitsverdacht einzugrenzen. Den Arztbesuch würde das aber nicht ersetzen. Den Eltern sei es wichtig, «jemanden zu fragen, der das schon einmal gesehen hat», so der Mediziner.

Denn Kinderkrankheiten sind handfeste Infektionen, meist von Viren oder Bakterien ausgelöst. Bevor es wirksame Impfstoffe gab, war die Ansteckungsgefahr im Alltag so hoch, dass dies schon im frühen Kindesalter geschah. War die Infektion überstanden, blieb meist ein lebenslanger Immunschutz bestehen.

Doch mittlerweile zeigen Daten, die an das Robert-Koch-Institut (RKI) übermittelt werden, dass anteilig mehr Masernfälle bei Teenagern und Erwachsenen gemeldet werden. In Deutschland gibt es jedoch derzeit kein einheitliches System zur Erhebung von Impfdaten . Diese werden laut RKI überwiegend dezentral und regional gesammelt.

Impfmüdigkeit

Die Gründe für die steigende Zahl von Betroffenen sind vielfältig: Manchmal steckt dahinter einfach Nachlässigkeit, die Prof. Philippe Stock vom Altonaer Kinderkrankenhaus in Hamburg als zunehmende Impfmüdigkeit bei Erwachsenen und Senioren bezeichnet. Deshalb verlaufen die Infektionskrankheiten in dieser Patientengruppe stärker als bei Kindern, oft mit zusätzlichen Komplikationen. «Wir haben nur zum Teil verstanden, warum das so ist», sagt der Mediziner.

Nicht immer ist die Diagnose sofort klar. Erkrankte Erwachsene können so die Infektion weitertragen und ungeimpfte Säuglinge sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährden. Eine Impfpflicht, wie sie das Bundeskabinett im Juli 2019 gegen Masern beschlossen hat, gilt dennoch als umstritten, zumal sie das Vertrauen der Eltern nicht stärkt.

Aufklärung und nachträglicher Schutz

Kinderarzt Weiß setzt beim Impfen grundsätzlich auf stärkere Aufklärung und Erinnerung statt Bußgelder und Ausschluss. Ebenso rät er unbedingt von sogenannten Masern- und Windpockenpartys ab, bei denen bislang gesunde Kinder mit Kinderkrankheiten angesteckt werden. «Bei der unkontrollierten Masernvirus-Verbreitung weiß man dann gar nicht, wer wen ansteckt», sagt der Kölner Kinderarzt. «Es wird quasi ein Giftstoff freigesetzt und verbreitet.»

Sei das Kind dennoch erkrankt, könne das für einige Eltern stressig werden, sagt Stock. Schnell muss geklärt werden, welche Familienmitglieder ausreichend geimpft sind. Auch eine sogenannte postexpositionelle Prophylaxe (PEP) kann nach ärztlicher Absprache beispielsweise beim Verdacht auf Masern gegeben werden. Dieser nachträgliche Schutz soll verhindern, dass die Infektion ausbricht und sich weiter ausbreitet. Hinzu kommt strenge Hygiene im Haushalt, inniges Kuscheln mit dem erkrankten Kind ist tabu.

Den eigenen Impfstatus kennen Kinderkrankheiten können rund zwei, manchmal bis zu drei Wochen andauern, die Ausfallzeiten belasten manche berufstätigen Eltern: «Das Thema Arbeitgeber ist ein ganz zentrales Thema», sagt Stock über seine Beobachtungen in der Klinikpraxis. «Ich weiß, dass Kinder für meine Begriffe häufig ein paar Tage zu früh wieder in Schule oder Kita gegeben werden, als das eigentlich wünschenswert wäre.»

Nachhaltig geschützt sind Kinder, aber auch Eltern, Geschwister, Großeltern und Betreuer durch Impfungen. Wer seinen Impfstatus nicht kennt oder den Impfpass verloren hat, kann sich beim Arzt beraten lassen: «Jede Impfung zählt, aber man kann nicht überimpfen», so Kinderarzt Weiß. «Im schlimmsten Fall wirkt die Impfung dann nicht mehr, weil der Impfschutz schon da ist.»

Veröffentlicht am:
14. 08. 2019
17:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundeskabinett Eltern Impfungen Infektionskrankheiten Kinderkrankheiten Kinderärzte Kranke Michael Weiß Prophylaxe Robert-Koch-Institut Scharlach Varizellen Ärzte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Grippeschutzimpfung

13.11.2019

So funktioniert die Grippeschutzimpfung

Gefährlich ist es nicht - und doch ist die Zahl derer, die sich gegen die Grippe impfen lassen, viel zu niedrig. Dabei gibt es kaum jemanden, für den sich der kleine Pieks nicht lohnt. » mehr

Frühchen Sofia

15.11.2019

Sofia startete mit nur 265 Gramm

Bei ihrer Geburt wog die kleine Sofia nur wenig mehr als ein Päckchen Butter. Elf Monate ist das her. Längst hat sie sich ins Leben gekämpft. Ihre Ärztinnen sind zufrieden, ihre Eltern überglücklich - und ein bisschen mü... » mehr

Impfpass

22.08.2018

Wenn Kinderkrankheiten Erwachsene erwischen

Der Husten ist verdächtig heftig, die Haut übersät mit roten Punkten: Alles klingt nach Symptomen einer klassischen Kinderkrankheit - aber der Patient ist längst erwachsen. Das ist kein Widerspruch. Auch Erwachsene könne... » mehr

Dr. Ursula Sellerberg

06.11.2019

Röschenflechte heilt von selbst

Gerötete, schuppende, manchmal stark juckende Haut: Für Betroffene kann die Röschenflechte schlimm sein. Der Ausschlag ist aber harmlos. Ein paar Tipps lindern die Beschwerden zumindest etwas. » mehr

Impfstoffe

24.04.2019

Impfstoffmangel ist Alltag in Apotheken

Eine Impfpflicht für Masern wird derzeit heiß diskutiert. Doch was, wenn es den Impfstoff zeitweise gar nicht gibt? Das kann nicht nur in armen Ländern passieren - sondern auch in Deutschland. » mehr

Blutkrebs

28.05.2019

Wenn das Baby an Leukämie erkrankt

Leukämie ist die häufigste Krebsart bei Kindern. Für viele ist eine Stammzelltransplantation die letzte Chance auf Leben. Doch bei Levin Gebhardt reichte eine einzige nicht aus. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
14. 08. 2019
17:32 Uhr



^