Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

Deutschland mit Spitzenwert bei Depressionen

Wie depressiv fühlen sich die Deutschen im Vergleich zu anderen europäischen Staaten? Die hohen Werte mögen überraschen. Doch das kann viele Gründe haben - nicht nur negative.



EU-Studie
Die Bundesbürger fühlen sich im Vergleich zur Bevölkerung anderer EU-Staaten stärker von Depressionen belastet.   Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die Bundesbürger fühlen sich im Vergleich zur Bevölkerung anderer EU-Staaten stärker von Depressionen belastet. Das geht aus der neuen EU-Gesundheitsbefragung (Ehis) hervor, die das Robert Koch-Institut am Mittwoch veröffentlichte.

Demnach kommt eine depressive Gefühlslage mit 9,2 Prozent der Befragten in Deutschland deutlich häufiger vor als im EU-Durchschnitt mit 6,6 Prozent. Die Quote in Deutschland liegt sogar mit an der Spitze der 25 EU-Länder, die bei der Studie mitmachten: Die Bundesrepublik hat den zweithöchsten Wert nach Luxemburg (10 Prozent).

Die Ergebnisse für Deutschland könnten jedoch davon mitbeeinflusst sein, dass hier über das Thema Depression öffentlich breit diskutiert wird, und die Sensibilität höher sein könnte als in anderen EU-Ländern, heißt es in der Studie. Darüber hinaus könnte es möglich sein, dass die befragten Bundesbürger eher bereit waren, psychische Symptome zu nennen. In Deutschland wurden für die Befragung zwischen November 2014 und Juli 2015 rund 25.000 Menschen ab 15 Jahren per Stichproben aus Registern der Einwohnermeldeämter ausgewählt. Rund ein Viertel von ihnen (27 Prozent) beantwortete den Fragebogen schriftlich oder online.

Gesundheitsstudie

Für die Gesundheitsstudie wurden insgesamt mehr als 254.000 Menschen in 25 EU-Staaten angeschrieben und unter anderem zu depressiven Symptomen befragt. Dazu zählten im Rückblick auf die vergangenen beiden Wochen etwa vermindertes Interesse, Appetitverlust, Schlafstörungen, psychomotorische Unruhe, Energieverlust, Wertlosigkeitsgefühle und Konzentrationsprobleme.

Jedes Land bekam Kategorien für Symptome empfohlen, konnte sie aber nach eigener Methode abfragen. Unterschiede in der Depressionsneigung in Europa erklären die Autoren auch mit regionalen Besonderheiten bei Bildung, Einkommen und Arbeitslosigkeit. Hinzu kämen kulturelle Unterschiede - zum Beispiel bei der Stigmatisierung der Krankheit.

Im Ergebnis liegt Deutschland nur bei den Symptomen einer leichten depressiven Verstimmung deutlich über dem EU-Durchschnitt. Vor allem jüngere Bundesbürger nannten hier gehäuft Symptome. Die schwere Ausprägung der Krankheit lag dagegen bei allen Bundesbürgern mit 2,9 Prozent nahe am EU-Durchschnitt von 2,5 Prozent.

Frauen häufiger betroffen

Wie in einer Mehrheit der anderen EU-Staaten auch waren Frauen in Deutschland (10,8 Prozent) häufiger betroffen als Männer (7,6 Prozent). Dieses Phänomen werde international diskutiert, heißt es in der Untersuchung. Neben biologischen Faktoren gehe es dabei unter anderem um die Frage, ob es bei Frauen eine größere Häufung von psychosozialen Stressfaktoren gibt.

In Deutschland geht die Stiftung Deutsche Depressionshilfe nicht davon aus, dass die Neigung zu Depressionen generell steigt. Vielmehr werde die Krankheit von Ärzten häufiger erkannt als früher. In der Bevölkerung sei zudem die Bereitschaft gewachsen, sich behandeln zu lassen.

Nach Angaben der Stiftung erkranken 5,3 Millionen Deutsche zwischen 18 und 79 Jahre im Laufe eines Jahres an einer anhaltenden depressiven Störung (8,2 Prozent). Diese Zahl erhöhe sich noch um Kinder, Jugendliche und Menschen über 79 Jahre.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 12. 2019
15:14 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bevölkerung Deutsche Frauen Frauen Kinder und Jugendliche Psychomotorik Robert-Koch-Institut Schlafstörungen Öffentlichkeit
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Schlafstörungen

23.06.2020

Was Corona mit unserem Schlaf macht

Wer jede Nacht wach liegt, ist tagsüber ständig übermüdet und unkonzentriert. Chronische Schlafstörungen können darüber hinaus Krankheiten auslösen. In der Corona-Krise sind vor allem gestresste Menschen betroffen. » mehr

Zwiebelsäckchen

02.01.2020

Hausmittel sind oft eine Wohltat, aber kaum erforscht

Salbeitee, Wadenwickel und heiße Milch mit Honig: Jeder kennt irgendein Hausmittel, das etwa bei Erkältung Abhilfe schafft - angeblich. Denn wissenschaftlich erforscht sind Hausmittel meist nicht. Warum eigentlich nicht? » mehr

Mal in Ruhe ein Buch lesen

22.03.2020

Strategien gegen den Corona-Lagerkoller

Zu Hause, immer, sogar bei der Arbeit - das kann eine große psychische Belastung sein, warnen Experten. Wer sich davor schützen will, kann aber einiges tun. Der erste Schritt: Duschen. » mehr

Belastungsprobe

01.04.2020

Gesund durch das erste Jahr mit Baby

Es ist so schön. Und so anstrengend. Das erste Jahr mit Kind ist ein Ausnahmezustand - für die Partnerschaft und für die Gesundheit. Dagegen hilft vor allem, viel zu reden und nicht zu streng zu sein. » mehr

Leere Schnapsflaschen

06.07.2020

Jeder Dritte trinkt mehr seit der Krise

Suchtexperten warnten zu Beginn der Coronakrise vor einem Anstieg schädlichen Alkoholkonsums. Das Szenario scheint sich zu bewahrheiten, wie erste Zahlen zeigen. Was kann dagegen getan werden? » mehr

Bluttest bei Brustkrebs

21.02.2019

Neuer Brustkrebs-Bluttest vorgestellt

Eine frühe Diagnose von Brustkrebs verbessert die Heilungschancen. Jetzt preisen Forscher ein neues Verfahren zur Früherkennung an. Wie gut ist es? Experten sind zurückhaltend. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 12. 2019
15:14 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.