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Wie Hebammen Schwangere in Corona-Zeiten betreuen

Corona wirbelt den Alltag vieler Menschen durcheinander. Das ist bei Hebammen nicht anders. Sind sie sonst nah dran an den Frauen und Babys, ist für sie nun auch Abstand angesagt. Das macht manche Situationen unwirklich - und bringt Marsmännchen in den Kreißsaal.



Wibke Klug hält sich ein Hörrohr ans Ohr
Wibke Klug trägt bei der Geburt nun einen Mundschutz.   Foto: Axel Heimken/dpa

Hebamme Wibke Klug hat schon hunderten Babys in Hamburg auf die Welt geholfen. Eine Situation wie im Moment hat sie dabei in den vergangenen 20 Jahren noch nicht erlebt.

Väter müssen Geschwister betreuen und können deshalb nicht mit in den Kreißsaal, Frauen verlassen die Klinik aus Angst vor dem Coronavirus direkt nach der Entbindung wieder und Hausbesuche werden teils über Videoanrufe abgearbeitet.

«Alle machen sich große Sorgen und sind verunsichert», sagt die 43-Jährige. Die Hamburgerin ist Beleghebamme. Das heißt, sie begleitet Frauen durch ihre Schwangerschaft, die Geburt des Kindes und die ersten Wochen des Säuglings. In Zeiten von Corona sind Aufklären und Beruhigen einmal mehr zu ihren wichtigsten Aufgaben geworden.

Die Hebamme hat etwa 20 bis 25 Termine in der Woche und begleitet derzeit etwa zehn Familien. «Das ist schon auch ein Luxus. Die Familien sind sehr achtsam, sie halten das Kontaktverbot auch wirklich ein. Das erleben meine Kolleginnen in den Kliniken ganz anders.» Gleichzeitig erhöht das aber auch die ohnehin große Verantwortung. «Die Frauen haben oft tage- und wochenlang niemanden sonst gesehen. Keine Freunde, keine Familie. Ich bin das größte Risiko für meine Frauen.» Die Hamburgerin hat eine neunjährige Tochter und einen chronisch kranken Mann. Für sie ist es deshalb auch persönlich sehr wichtig, das Virus nicht mit nach Hause zu bringen.

Hebammenarbeit per Videoanruf

Wibke Klug hat sich auch deshalb entschieden, einige ihrer Termine über Videoanrufe wahrzunehmen. «Das ist ganz großartig, dass das nun auch gesetzlich erlaubt ist und abgerechnet werden kann.» Infrage kommt das allerdings nur bei den Frauen, bei denen alles rund läuft und das Baby schon einige Wochen alt ist. «Ich mache das etwa ein bis vier Mal pro Woche». Ansonsten geht die 43-Jährige wie gewohnt zu den Frauen in die Wohnung.

Eigentlich sogar noch mehr als sonst, denn so manche Schwangere traut sich in Corona-Zeiten nicht mehr ins Wartezimmer des Frauenarztes. Die Vorsorgeuntersuchungen übernimmt sie dann. In der Zeit muss sie auch viel aufklären. «Das größte Unsicherheitsthema ist die Geburt mit oder ohne Mann.» Weil Oma, Opa, Freunde und Nachbarn wegen der Corona-Regeln als Betreuung für Geschwisterkinder ausfallen, bleiben die Väter mittlerweile bei der Geburt öfter daheim. Die Nachfragen nach Kaiserschnitten seien deshalb bereits gestiegen, so Wibke Klug.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen

Und auch nach der Geburt ist mehr zu tun als sonst. Viele Frauen verlassen die Kliniken vorsichtshalber direkt nach der Geburt wieder. Die zahlreichen medizinischen Kontrollen, die üblicherweise in den ersten drei Tagen in den Krankenhäusern direkt gemacht werden, kommen damit nun auch auf die Hebammen zu.

Bei den Hausbesuchen desinfiziert sich die Hebamme nun zusätzlich auch vorher und nachher die Hände. Sonst macht sie das lediglich vor den Untersuchungen bei Frau und Kind. Bei der Geburt trägt sie nun einen Mundschutz. Eine mit dem neuartigen Coronavirus infizierte Frau hat sie bislang ihres Wissens noch nicht betreut. «Die Frauen, die jetzt ihre Kinder bekommen, die sind ja nicht gereist. Die waren in den letzten vier Wochen schön zu Hause und haben ihr Bäuchlein gestreichelt.» Die 43-Jährige geht davon aus, dass die Geburten von Corona-Infizierten nun zunehmen werden. «Die kommen in den nächsten zwei bis vier Wochen.»

Keine einfache Situation

Dann sieht die Arbeit im Kreißsaal nicht anders aus, doch Personal und Mutter werden dann Schutzkleidung tragen müssen. «Hebammen und Frauen voll vermummt - das stelle ich mir schrecklich vor.» Das dürfte die Geburten für die Frauen auch nicht leichter machen, ist Wibke Klug überzeugt. «Eigentlich sollen sie bei sich bleiben und sich auf ihre Kraft fokussieren. Wenn um dich herum aber alle so aussehen wie Marsmenschen, ist das schon schwierig.»

In der Hansestadt arbeiten dem Hebammenverband zufolge etwa 300 Hebammen. «Es gibt viele Kollegen, die nun digitale Rückbildung und Schwangerschaftsvorbereitung machen», sagt Verbandsvorsitzende Andrea Sturm. Von den jährlich rund 21.000 Geburten in Hamburg sind etwa 210 Hausgeburten. Die Nachfrage danach habe wegen Corona zugenommen.

Positive Nebeneffekte

Doch in der Krise sieht Hebamme Wibke Klug positive Seiten. «Ich finde es gut, weil die Frauen sich so quasi ausruhen müssen.» Keine Besuche, keine Ausflüge - die Mütter müssen sich automatisch mehr auf ihr Baby und sich selbst besinnen.

Für die Hamburgerin sind alle Hebammen Heldinnen - auch ohne Corona-Krise. «Wir lassen sofort alles stehen und liegen für die Frauen - ob Hochzeitstag, Geburtstag meines Kindes oder Kopfschmerzen. Und das ist sehr heldenhaft!» Gleichzeitig hebt sie die Arbeit ihrer Kolleginnen in den Kliniken besonders hervor: «Sie haben keine Wahl. Sie müssen den Frauen und ihren Angaben vertrauen. Sie gehen jeden Tag von Frau zu Frau und wissen nicht, was sie mitbringen.»

Veröffentlicht am:
14. 04. 2020
14:54 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
14. 04. 2020
14:54 Uhr



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