Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

 

Digitale Ernährungsberater helfen beim Einkauf

Apps erleichtern das Kalorienzählen, Uhren erinnern ans Wassertrinken, Handys wissen, worin die meisten Vitamine stecken. Die Digitalisierung verändert das Essverhalten. Und womöglich gehen Menschen bald mit dem Ernährungsberater im Ohr zum Einkaufen.



Digitaler Ernährungsberater
Apps für Ernährungsberatung zeigen etwa den Fett-, Zucker- und Salzgehalt von zuvor mit einem Barcode eingescannten Nahrungsmitteln an.   Foto: Fabian Albrecht

Es ist wie überall: Digitalisierung eröffnet ungeahnte Möglichkeiten - auch in der Ernährung. Wie viele Kalorien brauchen wir? Wie viele haben wir heute schon aufgenommen? Wie viele Vitamine? Stimmen die Nährwerte?

Wer will, kann viel erfahren und weiß mehr über die Lebensmittel im Laden. Wer will. Und wer sich die Mühe macht. Die 25. Ernährungsfachtagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Baden-Württemberg befasst sich mit der Frage, wie sich Ernährung in der digitalen Welt verändert.

- Codecheck: Vergleichsweise beliebt sind Apps, die dem Verbraucher Zusatzinfos über Produkte liefern. Dinge, die man eben nicht unbedingt auf der Verpackung oder am Regal sieht. Es reicht den Barcode mit dem Smartphone einzuscannen, Internetverbindung vorausgesetzt. Wie hoch ist der Gehalt an gesättigten Fetten? Ist das Produkt laktosefrei? Vegan? Vegetarisch? Welche alternativen Produkte gibt es? Auch Warnungen wie «kann bei übermäßigem Verzehr problematisch sein», werden auf dem Smartphone angezeigt.

- Nährwertprogramme: Unzählige Apps sind in der Lage, die Nährwerte eines Tages zu berechnen, zu vergleichen und auszuwerten. Das bringe jedoch natürlich nur dann was, wenn der Nutzer sie auch konsequent eingibt, die App pflegt, wie Professor Peter Grimm vom Institut für Ernährungsmedizin der Uni Hohenheim in Stuttgart und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sagt. Self-Tracking nennt sich das. Was hat man wann zu sich genommen? Wie viel davon? Jeder Schluck Saft, jeder Spritzer Öl im Salat wird dokumentiert.

Ernährungstagebücher können zeitnah und genauer geführt werden, berichtet Wolfram Stein von der Uni Heidelberg. Einem Navi gleich, gibt es Sprachansagen wie «Sie haben 70 Prozent Ihres Tagesziels an Energie erreicht. Essen Sie im Verhältnis weniger Kohlehydrate, mehr Eiweiß». Die Erfahrung zeige aber, dass nur wenige durchhalten, so Grimm. Selbst seine Studenten, technikaffin und mit Interesse für Ernährungsthemen, räumten ein, nicht wirklich lange dabei zu bleiben. Ein Stück weit sicher auch, um auf diesem Weg nicht zu viele persönliche Daten ungefiltert Lebensmittelkonzernen preiszugeben, wie der Professor betont.

- Erinnerungen: Wer es mag, kann sich von seinem Smartphone ans Wassertrinken erinnern lassen - und an vieles mehr. Eine Rolle spielen Wecker-Funktionen laut Grimm bei Diabetespatienten, wenn es um die Medikamenteneinnahme oder den Blutzuckerspiegel geht. Über Apps können Anwender Kalorien, Brot- und Kohlenhydrateinheiten von Lebensmitteln zur Ernährungssteuerung abrufen.

- Therapieunterstützung: Eine Idee, wohin die digitale Reise führen kann, bekomme man am ehesten auf der Internetplattform Oviva , berichtet Grimm. Patienten und Berater rückten dort viel enger zusammen. Über eine App könne der Berater sogar live beim Einkauf dabei sein und den Patienten beraten, ihm über SMS Tipps geben. Oder sogar über einen Knopf im Ohr. Solche Plattformen seien in der Lage, die Arbeit von Ernährungsberatern komplett zu verändern, so Grimm. Experte und Klient sehen sich dann nicht nur einmal die Woche für eine Stunde in der Praxis, sondern stehen permanent in Kontakt. Man teilt online Fotos von Mahlzeiten, Gewichts- und Aktivitätsverläufe.

- Spiele: «Mehlspur» etwa ist eine elektronische Schnitzeljagd nicht nur für Kinder, sondern für alle, die per Smartphone oder Tablet mehr über das tägliche Brot erfahren möchten, wie Professorin Silke Bartsch von der TU Berlin berichtet. Mitspieler werden zum Beispiel in Karlsruhe oder Ulm die «Mehlspur» entlang zu verschiedenen Stationen zum Thema Brot geführt. Dort gibt es Aufgaben zu lösen. Diverse Games versuchen so, das Wissen über Ernährung zu schärfen.

- Kochboxen: Kein Spaß am Einkaufen? Keine Zeit? Etliche Anbieter liefern genau das, was man für sein Abendessen braucht in fertig gepackten Kochboxen nach Hause. Portioniert verpackt, ab zwei Portionen, Kochanleitung inklusive. Auf Wunsch nur mit vegetarischen Zutaten oder mit Fleisch. «Kochhaus» heißt ein Angebot, «HelloFresh» oder «Marley Spoon» andere. Die Kochboxen zielten auf Berufstätige, denen unter der Woche die Zeit zum Einkaufen fehlt und denen der höhere Preis nichts ausmacht, berichtet Grimm. Größter Nachteil aus einer Sicht: «Bei den Miniportionen fällt enorm viel Verpackungsmüll an.» Ein Edeka-Händler in Stuttgart bedient seit 2017 eine der ersten Bahnhofsboxen in Stuttgart, wo sich die Kunden ihre Zutaten in einer Art Schließfach auf dem Heimweg abholen können.

Veröffentlicht am:
21. 09. 2018
12:42 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Apps Brot Digitalisierung Ernährung unter gesundheitlicher und wissenschaftlicher Perspektive Ernährungsberater Lebensmittelkonzerne Nährwerte Peter Grimm Private Einkäufe Smartphones Vitamine
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Pillen und Tabletten

04.10.2019

Wie sinnvoll sind Vitaminpräparate für Freizeitsportler?

Viele Sportler greifen zu Nahrungsergänzungsmitteln, um sich ausreichend mit Mineralstoffen und Vitaminen zu versorgen. Kann der Bedarf wirklich nur mit Pulver oder Pillen gedeckt werden? » mehr

Innere Uhr

28.08.2019

Warum Sie im Takt mit der inneren Uhr essen sollten

Morgens essen wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettler - so lautet ein Sprichwort. Aber hilft diese Regel wirklich? Welche Nahrung braucht der Körper über den Tag verteilt? » mehr

Günter Wagner

06.02.2019

Was bringen Riegel, Shakes und Co?

Protein ist in. Die Supermärkte sind voller Eiweiß-Produkte, von Getränken bis zu Käse. Doch was haben Sportler davon? Experten raten, die Inhaltsstoffe gut zu studieren und die Präparate eher sparsam zu nutzen. Denn ein... » mehr

Weizenvollkorn-Brote

30.01.2019

Woher kommt die Angst vor Weizen?

Was macht ein Weizenbrot zum guten Weizenbrot? Forscher der Universität Hohenheim sowie Bäcker und Müller wollen das herausfinden - während andere es lieber ganz von ihrer Einkaufsliste verbannen. » mehr

Sensoren

05.02.2019

Die Vermessung der Skiwelt schreitet voran

Die Berge allein sind aufregend genug? Immer mehr hält das Digitale Einzug in den Wintersport. Das zeigt sich auch auf der Messe Ispo. Wie könnte ein Skitag künftig aussehen? Eine Fiktion auf Basis realer Entwicklungen. » mehr

Eiweiß-Vitamin-Pulver

18.08.2017

Freizeitsportler brauchen keine zusätzlichen Vitamine

Beim Sport wird der Körper meist mehr beansprucht als im Alltag. Da liegt der Gedanke nahe, dass ihm auch mehr Vitamine zugeführt werden müssen. Sollten Freizeitsportler also zu Ergänzungsmitteln greifen? » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
21. 09. 2018
12:42 Uhr



^