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So funktioniert die Golf-Etikette

Einen Schiedsrichter gibt es beim Golf normalerweise nicht. Aber doch zahlreiche, oft ungeschriebene Regeln. Im Mittelpunkt stehen dabei Sicherheit und Fair Play - Polokragen und Jeans spielen auch eine Rolle.



Auf dem Golfplatz
Geschummelt wird nicht: Fair Play ist ein wesentlicher Bestandteil des Golfsports.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn » zu den Bildern

Nicht schreien, nicht schummeln, und dabei bitte halbwegs zügig spielen: Auf dem Golfplatz gibt es nicht nur Spiel-, sondern auch Verhaltensregeln. Und die sind so umfangreich, dass man ganze Bücher darüber schreiben kann.

So wie Yves C. Ton-That, der mit seinem Unternehmen Expert Golf zahlreiche Ratgeber rund um das Thema herausgibt. Ein Gespräch über John McEnroe auf dem Golfplatz, karierte Hosen und 200 km/h schnelle Bälle.

Kann ich mich auf dem Golfplatz als ahnungsloser Anfänger blamieren?

Yves C. Ton-That: Bei einem Schnupperkurs kann man eigentlich erstmal nichts falsch machen. Grundsätzlich gibt es beim Golf schon gewisse Regeln und Verhaltensweisen, die man kennen sollte. Das gilt aber nicht unbedingt beim ersten Mal - da darf man auch in bequemen Turnschuhen und Blue Jeans auftauchen. Dass das unter Fortgeschrittenen nicht üblich ist, sagt einem dann schon jemand.

Und wann muss ich selbst wissen, was unüblich oder gar verpönt ist?

Ton-That: Wenn ich anfange, mich selbstständig auf dem Platz zu bewegen, sollte ich gewisse Dinge schon einhalten. Das sind oft ungeschriebene Regeln, zusammen heißen die Etikette. Das klingt sehr steif, aber es geht da nicht um einen Etepetete-Kodex unter Golfern. Auch wenn vielleicht die eine oder andere eher traditionelle Regel dabei ist. Aber eigentlich stehen da ganz andere Aspekte im Mittelpunkt.

Welche sind das?

Ton-That: Zuallererst die Sicherheit. Golf ist ein gefährlicher Sport, wenn man die Etikette nicht einhält - die Schläger sind aus Metall, die Bälle können bis zu 200 Stundenkilometer schnell fliegen, das ist dann schon ein echtes Geschoss. Deshalb ist es zum Beispiel wichtig, dass ich mich vor dem Schlag vergewissere, dass niemand hinter mir steht. Vor allem auf der Driving Range, denn da passieren die meisten Unfälle. Und auf dem Platz ist es zum Beispiel wichtig, dass ich nicht vorlaufe, wenn noch jemand schlägt. Da muss man für den Worst Case planen - also auch für den Schlag, der mal völlig danebengeht.

Welche Regeln sind noch wichtig? Warum ist es zum Beispiel wichtig, beim Schlag still zu sein?

Ton-That: Golf ist ein schwieriger Sport, mit sehr komplexen Bewegungen. Da ist es nur im Interesse des Fair Play, den anderen beim Abschlag nicht zu stören. Dieses Fair Play ist ein wichtiger Teil von dem, was wir «Spirit of Golf» nennen, den Geist des Spiels also. Das wird ein Golflehrer seinen Schülern auch beibringen, aber eher nach und nach nebenbei. Am Anfang steht natürlich im Mittelpunkt, den Ball überhaupt zu treffen - denn das ist es ja, was an dem Sport Spaß macht.

Sind Bekleidungsvorschriften auch Teil der ungeschriebenen Etikette?

Ton-That: Teilweise. Das ist aber vor allem vom einzelnen Golfclub abhängig. Manche sind da sehr streng, andere deutlich liberaler, da sollte man sich im Zweifelsfall vorher erkundigen. Es gibt aber Outfits, mit denen man eigentlich nie was falsch macht: das Shirt sollte einen Kragen haben, die Hose sollte keine Jeans und Shorts dürfen nicht zu kurz sein, Golfschuhe sollte man auch tragen.

Das klingt dann schon etwas steif und streng.

Ton-That: Ist es aber eigentlich nicht. Beim Basketball werden sie auch schief angeschaut, wenn sie mit der falschen Kleidung ankommen - im Golf-Outfit zum Beispiel. Eigentlich gibt es solche Regeln fast bei jeder Sportart, nur halt oft nicht so ausdrücklich. Und die Golfmode ist auch sehr viel sportlicher und funktionaler geworden, das ist nicht mehr so wie in den 80er Jahren mit den karierten Hosen und diesen schrecklichen Mützen.

Was passiert, wenn ich solche Regeln nicht einhalte? Muss ich dann gehen?

Ton-That: Nein. Das gibt dann vielleicht einen Hinweis, und den auch auf jeden Fall in einem freundlichen Tonfall. Echte Sanktionen sind da eigentlich undenkbar. Anders ist das nur bei Temperamentsausbrüchen im Stil von John McEnroe, mit Flüchen und Schlägerschmeißen. Wer schlecht verlieren kann, ist im Golfsport fehl am Platze. Und wer schummelt auch.

Warum ist gerade das Schummeln beim Golf so verpönt?

Ton-That: Ehrlichkeit ist beim Golf ein zentraler Wert - anders als beim Fußball zum Beispiel, wo es für ein taktisches Foul ja auch mal Lob gibt. Das geht beim Golf nicht, gerade weil es eigentlich ein Paradies für Schummler ist: Spieler zählen ihre Schläge selbst und brummen sich auch selbst Strafpunkte auf. Da muss man ehrlich bleiben und seine Fehler mit Stolz ertragen. Golf lehrt einen da auch Demut.

Wissenswertes für Golf-Einsteiger:

Platzreife und Etikette, teure Ausrüstung und der Ball ist doch arg klein. Golfsport kann für Einsteiger etwas abschreckend wirken. Dabei ist das Reinschnuppern gar nicht so schwer - und erstmal auch nicht teuer, erklärt der Deutsche Golf-Verband (DGV). Die wichtigsten Fakten für Neulinge auf dem Grün im Überblick:

- Schnupperkurse: Schnupperkurse gibt es bei vielen Clubs und auf vielen Anlagen - meist am Wochenende und für etwa zwei Stunden. Manchmal sind sie kostenlos, manchmal müssen Teilnehmer bezahlen. Mehr als 20 Euro sollten Schnupper-Golfer dafür aber nicht ausgeben, so der DGV. Ausrüstung wird bei den Kursen gestellt. Teilnehmer müssen nur sportliche Schuhe und bequeme Kleidung mitbringen.

- Mitgliedschaft und Platzreife: Sie ist ein Beleg darüber, dass Spieler sicher, zügig und regelkonform spielen. Um sie zu bekommen, müssen Golf-Neulinge eine theoretische und eine praktische Prüfung absolvieren. Zur Vorbereitung darauf gibt es bei Golfclubs Kurse, einzeln oder in der Kleingruppe. Die Platzreife ist auf vielen Golfplätzen Voraussetzung, um überhaupt spielen zu dürfen.

- Club-Mitgliedschaft: Ohne geht es auf vielen Anlagen nicht - denn die meisten Golfplätze in Deutschland betreibt ein Club. Wer dort Mitglied sein will, muss Gebühren bezahlen, deren Höhe je nach Club stark variiert. Hinzu kommt dann meist ein Greenfee für das Spielen auf Plätzen anderer Clubs.

- Ausrüstung: Lässt sich leihen - langfristig sind eigene Schläger und Co. aber sinnvoll. Ein paar hundert Euro müssen Anfänger für eigenes Equipment einplanen, erklärt der DGV. Günstiger golft vielleicht, wer sich im Internet oder am Schwarzen Brett im Golfclub nach Gebrauchtware umschaut.

Literatur:

Yves C. Ton-That: Golfetikette kompakt - Alles Wissenswerte rund um das richtige Verhalten auf und neben dem Platz. Artigo Publishing International 2019, 14,95 Euro. ISBN-13: 978-3906852294

Yves C. Ton-That: Golfregeln kompakt - Der praktische Regelführer zur Verwendung auf dem Platz. Artigo Publishing International 2019, 14,95 Euro. ISBN-13: 978-3906852140

Veröffentlicht am:
02. 05. 2019
09:34 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
02. 05. 2019
09:34 Uhr



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