Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

 

Die stressige Arbeit in der Fluggastkontrolle

Sie sollen für maximale Sicherheit sorgen, stehen dabei aber massiv unter Zeit- und Kostendruck: Viele Beschäftigte in der Fluggastkontrolle klagen über schlechte Arbeitsbedingungen. Zwei Gründe dafür: die Dienstpläne - und die Passagiere.



Fluggastkontrolle
Stress für alle Beteiligten: Kaum ein Passagier ist gerne in der Fluggastkontrolle. Für die Mitarbeiter ist es häufig aber auch kein leichter Job.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Bitte alles aus den Taschen räumen, die Jacke müssen Sie ausziehen, Laptop in der Tasche?» Der Gang durch die Fluggastkontrolle macht wohl kaum einem Flugreisenden Spaß.

Doch auch für die Beschäftigten dort ist die Arbeit kein Zuckerschlecken, wie eine neue Studie des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen zeigt. «Die Beschäftigten in der Fluggastkontrolle finden ihre Arbeit schon bedeutungsvoll und haben auch Spaß daran», sagt Forscherin Christin Schröder, Autorin der Studie. Gleichzeitig leiden die Kontrolleure aber massiv unter Stress und mangelnder Wertschätzung von allen Seiten.

Da sind einmal die Arbeitgeber und Vorgesetzten, erklärt die Soziologin. «Was sich dann zum Beispiel in fehlerhaften Lohnabrechnungen oder einem rauen Umgangston äußert.» Zweitens gebe es aber auch gesellschaftlich nicht genug Wertschätzung: Zu oft würden die Kontrolleure von Passagieren nur als Hindernis wahrgenommen - und entsprechend behandelt.

Am meisten zu schaffen macht den Beschäftigten aber der doppelte Druck: Einerseits sollen sie gründlich kontrollieren und so maximale Sicherheit schaffen, andererseits aber möglichst schnell arbeiten, um die Kosten klein zu halten. «Das Gefühl, dass die eigene Arbeit wichtig ist, man sie aber nicht so gut machen kann, wie man eigentlich möchte, kratzt natürlich massiv am eigenen Stolz», erklärt Schröder. Die Folge: Sorgen, Stress, Anspannung - die sich unter anderem in einer hohen Zahl von Krankheitsfällen äußert.

Hinzu kommt mangelnde Planungssicherheit: Wie viele Mitarbeiter an der Kontrolle stehen müssen, geben die öffentlichen Auftraggeber vor. Die orientieren sich wiederum an den Flugplänen, sagt Schröder, die Kosten sollen schließlich gering bleiben. Die Vorgaben kommen deshalb oft kurz vor knapp - also zum Beispiel am 20. eines Monats für den Folgemonat. Ein Dienstplan muss dann oft binnen weniger Tage entstehen. «Da kann man sich vorstellen, dass sich die Wünsche und Bedürfnisse der Beschäftigten nur noch sehr eingeschränkt berücksichtigen lassen.»

Und oft werde dieser Dienstplan dann noch weiter geändert, teils nur einen Tag vorher. Gekoppelt mit großen saisonalen Schwankungen, gerade an kleineren Flughäfen, entstehen so familienunfreundliche Arbeitsbedingungen. «Das führt bei den Beschäftigten zu viel Stress, ein normales Privatleben ist da auch nicht möglich.»

Veröffentlicht am:
19. 09. 2017
04:20 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitnehmer Arbeitsbedingungen Kostendruck Krankheitsfälle Passagiere Soziologinnen und Soziologen Stress Universität Duisburg-Essen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Krankschreibung

01.08.2019

Nachweis- und Anzeigenpflicht bei Krankmeldung beachten

Im Krankheitsfall muss der Arbeitgeber rechtzeitig informiert werden. Darüber hinaus gibt es noch weitere Pflichten, die der Erkrankte zu erfüllen hat. » mehr

Rückenschmerzen

30.07.2019

Nicht-Akademiker gehen im Job an körperliche Grenzen

Von wegen: Handwerk hat Goldenen Boden. Immer mehr Stress im Job lässt Arbeitnehmer zunehmend schneller an ihre körperlichen Grenzen kommen. Mit schlimmen Folgen. » mehr

E-Mail-Postfach

13.05.2019

Darf der Chef die E-Mails mitlesen?

Auch für E-Mails gilt das Briefgeheimnis. Doch nicht immer sind Dienstmails dadurch vor dem Mitlesen Dritter geschützt. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht erklärt, wann der Chef einen Mailverkehr mitverfolgen darf. » mehr

Karriere

19.06.2019

Wenn Arbeitnehmer keine Lust auf Beförderung haben

Viele Arbeitnehmer streben eine Beförderung an. Doch es gibt Ausnahmen. In solchen Fällen müssen die Beschäftigten wissen, wie sie das dem Chef möglichst schonend beibringen. » mehr

Entspannung im Freien

07.06.2019

Im Job auf psychische Fitness achten

Der Berufsalltag ist für viele fordernd und stressig. Wichtig ist daher, die psychische Gesundheit zu stärken und auch mal abzuschalten. Welche Techniken helfen? » mehr

Frust im Job

05.06.2018

Bei dauerhaftem Frust im Job Gleichgesinnte suchen

Wer dauerhaft unzufrieden mit seinem Job und den Arbeitsbedingungen ist, sollte etwas dagegen unternehmen. Häufig ist es die beste Lösung, das Problem zusammen mit den Kollegen anzugehen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
19. 09. 2017
04:20 Uhr



^