Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

 

Geteilter Chefposten ist nichts für Alphatiere

Zwei Chefs, aber nur ein Posten. Klingt nach Ärger? Shared Leadership ist ein Konzept, bei dem sich Führungskräfte eine Position teilen, zum Wohle ihrer Work-Life-Balance. Damit das funktioniert, müssen aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.



Prof. Dr. Götz Walter
Prof. Dr. Götz Walter leitet den Master-Studiengang Psychology & Management an der International School of Management in München.   Foto: Götz Walter

Weniger arbeiten und mehr Freizeit genießen. Oder Kinder und Karriere vereinen, ohne durch eine Teilzeitstelle auf dem Abstellgleis zu landen. Für viele Führungskräfte ist das eine echte Herausforderung.

Shared Leadership ist ein Modell, bei dem sich zwei Führungskräfte eine Stelle teilen. Das kann helfen, Beruf und Privatleben besser in Einklang zu bringen. Wie das klappt? Prof. Götz Walter leitet an der International School of Management in München den Studiengang Psychology & Management und hat gemeinsam mit einem Team die wichtigsten Voraussetzungen untersucht.

Aus Interviews mit Führungskräften und der wissenschaftlichen Literatur zum Thema weiß Walter: Wer seinen Chefposten teilen möchte, sollte zwei zentrale Eigenschaften erfüllen. Erstens: «Das dürfen keine Alphatiere sein», sagt der Professor. Jobsharer müssen auf Verträglichkeit und Harmonie bedacht sein - entgegen der traditionellen Auffassung, dass Chefs vor allem Durchsetzungsvermögen brauchen. Und ganz wichtig: Führungskräfte, die sich eine Stelle teilen, sollten die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund stellen können.

Daneben ist die Abstimmung zwischen den Beteiligten entscheidend: «Die zwei Persönlichkeiten müssen zueinander passen», betont Walter. Am besten sei es, wenn sich die Personen schon kennen. So können sie besser abschätzen, ob es auf zwischenmenschlicher Ebene funktioniert.

Das Führungsduo muss sich intensiv damit auseinandersetzen, wie es die gemeinsame Stelle ausfüllen möchte. Also ganz klar definieren: Wie sieht die Zusammenarbeit auf der geteilten Stelle aus? «Derartige Modelle scheitern oft daran, dass die Unternehmen zwei Führungskräfte auf eine Position setzen, und dann erwarten, dass jeder 90 oder 100 Prozent der Aufgaben übernimmt», berichtet Walter. Das führe am Ende zu Frust bei der gesamten Belegschaft.

Shared Leadership klappt nur, wenn die Beteiligten eine geregelte zeitliche Einteilung finden. Sie müssen festlegen, wer wann da ist. Und entscheiden, ob sie die Anwesenheit nach Projekten oder Funktionen aufteilen. Selbst wenn einer der Partner gerade nicht im Unternehmen ist: «Ein kontinuierlicher Austausch zwischen den beiden ist unerlässlich», sagt Walter. Die Partner müssten jeweils zu jedem Zeitpunkt wissen, was die andere Person tut. Dazu braucht es die Bereitschaft, auch während der «Off»-Zeiten erreichbar zu sein.

Zwei weitere Faktoren, die laut Walter essenziell sind: Die führenden Partner dürfen die Mitarbeiter nicht gegeneinander ausspielen. Und was damit zusammenhängt: Sie müssen gegenüber der Belegschaft eine gemeinsame Linie vertreten.

Ohne die richtigen Rahmenbedingungen im Unternehmen hat Shared Leadership keine Erfolgsaussichten. «Sowohl das Team als auch die Führungskräfte des Duos müssen zu 100 Prozent hinter dem Modell stehen», erklärt Walter.

Selbst wenn all diese Voraussetzungen erfüllt sind - eine geteilte Führungsposition ist keine Ad-hoc-Lösung, das müssen alle Beteiligten im Hinterkopf behalten. «Nicht alles kann gleich auf Anhieb klappen», betont Walter. Sowohl der Führungsebene als auch den Mitarbeitern müsse bewusst sein, dass sich die Personen auf dem geteilten Chefposten erst einmal als Team einspielen müssen.

Veröffentlicht am:
28. 01. 2019
18:24 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Firmenmitarbeiter Führungskräfte International School of Management Wissenschaftliche Literatur Work-Life-Balance
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Balance zwischen Arbeit und Freizeit

20.05.2019

So geht Auszeit vom Arbeitsalltag

Richtig abzuschalten, ist in längeren Auszeiten genauso wichtig wie nach Feierabend. Doch das ist oft schwerer, als es klingt. Unter anderem, weil wir einsehen müssen, dass wir ersetzbar sind. » mehr

Eine Frau hält eine Präsentation

14.10.2019

Weibliche Fachkräfte selten mit Topverdienst

Noch nicht einmal jede siebte Fachkraft mit mehr als 100.000 Euro Jahresgehalt ist eine Frau. Das zeigt eine neue Studie, die auch verrät, wo Topverdienerinnen die höchsten Vergütungen winken. » mehr

«Bevor der Sturm beginnt»

04.10.2019

Was im Umgang mit aufbrausenden Kollegen hilft

Menschen, die bei der kleinsten Kleinigkeit aus der Haut fahren, können ihren Kollegen das Leben schwer machen. Warum aussitzen dann die falsche Strategie ist. » mehr

Digitalisierung

07.10.2019

Wenn der Job digitalisiert wird

Viele Unternehmen stehen derzeit vor der Frage: Was kann ich gewinnen, wenn ich mehr Arbeitsschritte vom Computer erledigen lasse? Für die Beschäftigten lautet die Frage eher: Was mache ich denn dann? Ein Mittelständler ... » mehr

Urlaubsantrag

19.08.2019

Bis wann darf der Arbeitgeber Urlaubsanträge einfordern?

Kann der Chef seine Angestellten zwingen, ihren Jahresurlaub bis zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr einzureichen? Es sei das Eigeninteresse des Arbeitnehmers, dass er seine Erholungs- und Urlaubszeiten einplane, sagt ... » mehr

Wer krank zur Arbeit geht, kann Kollegen anstecken

12.08.2019

Warum niemand krank zur Arbeit gehen sollte

Bloß keine Schwäche eingestehen, den Kollegen nicht zur Last fallen - diese Gedanken sind Quatsch: Wenn Beschäftigte trotz Krankheit zur Arbeit gehen, hat niemand was davon, erklärt ein Experte. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
28. 01. 2019
18:24 Uhr



^