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Für wen ist ein duales Studium geeignet?

Nach dem Abschluss schnell in den Job - dafür lohnt sich ein duales Studium, wie eine aktuelle Studie zeigt. Worauf bei den Absprachen mit dem Betrieb zu achten ist, und welche Erwartungen Studierende nicht zu hoch setzen dürfen, verrät eine der Autorinnen im Interview.



Sirikit Krone
Sirikit Krone ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen.   Foto: Institut Arbeit und Qualifiaktion (IAQ)

Studieren und gleichzeitig jede Menge Praxiserfahrung im Unternehmen sammeln: Ein duales Studium fordert viel Zeit und Einsatz. Die Mühen werden am Ende aber belohnt, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen hat in seiner Untersuchung mit Unterstützung der Hans-Böckler-Stiftung herausgefunden, dass der Übergang ins Berufsleben nach einem dualen Studium im Vergleich leichter fällt als mit einem herkömmlichen Bachelor-Abschluss. Sirikit Krone, eine der Studien-Autorinnen, erklärt, worin die Vorteile des praxisnahen Studiums liegen und was beim Start ins Berufsleben zu beachten ist.

Frau Krone, aus welchen Gründen streben junge Menschen ein duales Studium an?

Sirikit Krone: Aus unseren Befragungen wissen wir: Es gibt vier Aspekte, die dual Studierende motivieren. Das ist zum einen die finanzielle Sicherheit, denn die Studierenden verdienen von Anfang an ein eigenes Gehalt. Zum anderen bedeutet ein duales Studium auch einen relativ sicheren Einstieg in den Beruf. Außerdem ist natürlich der hohe Praxisbezug ein Faktor, der das duale Studium von der üblichen akademischen Ausbildung abhebt. Und der Karrierefaktor spielt eine Rolle, das heißt, die Absolventen erwarten, dass sie höher in den Beruf einsteigen.

Und werden diese Erwartungen erfüllt?

Krone: Die Erwartung mussten wir in unserer Studie ein Stück weit entzaubern. Die Absolventen steigen zwar gut ein, aber nicht so hoch, wie sie es sich vorstellen. Und sie steigen dann auch nicht so schnell auf - einfach, weil ihre Ausgangsposition niedriger ist als erwartet.

Wie sehen denn die Vorstellungen der Absolventen aus?

Krone: Etwa 60 Prozent der Befragten strebt eine Position in Leitungsfunktion an. Tatsächlich fangen die meisten (69 Prozent) dann aber als Angestellte ohne Führungsverantwortung an, wie unsere Studie gezeigt hat.

Woher kommt diese Erwartungshaltung?

Krone: Aus unserer Befragung in den Betrieben wissen wir, dass dieses Bild auch durch die Hochschulen forciert wird. Für Personalverantwortliche ist es natürlich klar, dass ein Berufseinsteiger mit Anfang 20 nicht gleich eine Führungsposition bekommt. Einige Hochschulen scheinen hier aber falsche Versprechungen zu machen.

Lohnen sich die Mühen eines dualen Studiums also doch nicht?

Krone: Doch. Ein duales Studium lohnt sich insofern, als dass der Übergang in den Beruf für diese Absolventen erfolgreicher ist, wie unsere Studie zeigt. Wir haben die Daten mit denen herkömmlicher Bachelor-Absolventen verglichen: Wer ein duales Studium in der Tasche hat, war deutlich seltener arbeitslos und auch häufiger in Vollzeit angestellt. Außerdem hatten die dual Studierenden seltener befristete Verträge, was natürlich auch ein Vorteil ist.

Und woran liegt das?

Krone: Durch die Präsenz im Unternehmen haben die dual Studierenden von Beginn an viele Vorteile gegenüber anderen Bachelor-Absolventen. Diese haben nach der Uni oft erstmal eine lange Orientierungsphase. Bei dual Studierenden dagegen wissen die Betriebe, dass die Absolventen keine Einarbeitungsphase mehr brauchen und auch ohne eine Traineestelle in den Beruf einsteigen können. Viele Betriebe treffen im Laufe der Ausbildung schon eine Absprache mit den Studierenden, was eine Übernahme oder eine künftige Position im Unternehmen angeht.

Sollte man den Betrieb denn möglichst bald auf eine Übernahme festnageln?

Krone: Nicht vorrangig. Viel wichtiger ist aus meiner Sicht darauf zu achten, dass es einen vernünftigen Ausbildungsvertrag gibt - mit Angaben zu Arbeitszeiten und Gehalt, wie in der Regel jeder beruflich Auszubildende einen hat. Oft befinden sich dual Studierende, die keine Berufsausbildung im Unternehmen machen, in einer rechtlichen Grauzone und sind im Betrieb als Praktikanten tätig. Wie diese Form von Ausbildungsverhältnissen geregelt wird, ist nicht gesetzlich festgelegt. Entsprechend sollten die Studierenden darauf schauen, die Grundlagen ihrer Ausbildung sachlich zu dokumentieren. Die Frage der Übernahme klärt sich dann in der Regel im Laufe des Arbeitsverhältnisses selbst.

Auf was sollte man außerdem achten?

Krone: Wichtig ist zudem, dass es auch Absprachen zwischen den Hochschulen und den Unternehmen gibt - zum Beispiel in Form eines Kooperationsvertrages, der die Eckdaten der Ausbildung beziehungsweise der betrieblichen Praxisphasen regelt. Und selbstverständlich sollten die Studierenden kompetente Ansprechpartner sowohl im Betrieb als auch in der Hochschule haben und kennen. Zum Teil ist es an den Hochschulen selbst gar nicht bekannt, welche Studenten regulär studieren und wer noch zusätzlich im Betrieb Praxiserfahrung sammelt.

Und wer hilft dualen Studierenden bei der Ausbildung im Betrieb zur optimalen Vorbereitung auf den Berufseinstieg?

Krone: Das sind der direkte Vorgesetzte im Betrieb und auch andere dual Studierende. Die Befragten haben vor allem zurückmeldet, dass es wichtig ist, sich in verschiedenen Einsatzfeldern zu betätigen und zum Beispiel nicht nur in einer Abteilung zu lernen. Wenn die Ausbildung in die Breite geht und man schon als Student die Möglichkeit hat, ein Netzwerk im Unternehmen aufzubauen, hilft das auch auf dem Weg in den Job.

Veröffentlicht am:
08. 02. 2019
17:18 Uhr

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