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Verein will Mut machen: «Jeder Mensch ist kreativ»

Die Deutsche Gesellschaft für Kreativität will ihr Thema ins Rampenlicht holen. Sie würdigt die schöpferische Kraft - im Karneval und anderswo.



Kreativität im Job
Keine Angst vor Blamage: Um kreativ zu sein, braucht man Mutt, etwas Neues zu machen. Foto: Monique Wüstenhagen  

Ihre größten Feinde sind Angst und Routine: Diese zu überwinden, ist das Anliegen der Deutschen Gesellschaft für Kreativität mit Sitz in Mainz. Ein eingetragener Verein für die Fähigkeit zu schöpferischer Kraft, muss es so etwas geben?

«Nein, so gesehen nicht», antwortet der Vorsitzende Jörg Mehlhorn. «Aber wir haben uns berufen gefühlt, dieses Thema aus dem Schattendasein zu holen und ins Rampenlicht zu bringen - dafür braucht es eine Organisationsform.»

Die 100 Mitglieder des Vereins wollen in allen Lebensbereichen «Aufmerksamkeit auf die unbegrenzt zur Verfügung stehende Ressource Kreativität lenken». Als Professor für Betriebswirtschaft sage er jedem Studenten: «Du bist kreativer, als Du denkst», berichtet Mehlhorn im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Jeder Mensch ist kreativ, aber die meisten wissen es nicht oder glauben es nicht.» Als größte Hürden für die Entfaltung von Kreativität nennt er eingefahrenes Routinedenken und die Angst, sich zu blamieren. Nötig sei daher «einfach der Mut, etwas Neues zu machen».

Der Heidelberger Kreativitätsforscher Rainer Holm-Hadulla betrachtet Leitlinien oder Kurse für eine allgemeine Kreativitätsförderung mit Ineresse, aber auch mit Vorsicht: «Die individuelle Kreativität ist immer etwas sehr Besonderes.» Zwar gebe es allgemeine Grundlagen wie Begabung, Wissen und Können, Motivation, Interesse an der Sache, Reizoffenheit und Neugier, Widerstandsfähigkeit und Disziplin. «Aber die kreativen Prozesse unterscheiden sich doch ganz erheblich in den einzelnen Domänen - ein Wissenschaftler arbeitet ganz anders als ein Dichter oder Musiker.»

Wichtig sei die Unterscheidung zwischen alltäglicher und außergewöhnlicher Kreativität - nur letztere führe zu «Produkten, die auch für andere höchst bedeutsam sind», erklärt der an der Universität Heidelberg lehrende Berater und Psychotherapeut. Dabei gebe es ein sensibles Gleichgewicht zwischen Struktur und Freiraum - «selbst die verrücktesten Kreativen haben oft sehr strenge Arbeitsrituale».

Mainz sei als Stadt des Buchdruck-Erfinders Gutenberg bestens geeignet für den Sitz der Gesellschaft, meint Mehlhorn. Im Januar überreichte er der Mainzer Ranzengarde stellvertretend für den deutschen Karneval den Preis der Gesellschaft, den «Creo Award». Die Gesellschaft würdigte die Garde als «Mainzer Hort närrischer Kreativität». In jeder karnevalistischen Dekoration, jedem Auftritt, jedem neuen Lied stecke auch Kreativität. Und der Karneval überwinde soziale Abgrenzungen: «Da kann die Putzfrau genauso originell auftreten wie der Professor, das zeichnet die Mainzer Fastnacht besonders aus.»

Eine hierarchie- und angstfreie Atmosphäre nennt Mehlhorn denn auch als Voraussetzung für die Suche nach neuen Ideen in Unternehmen. Zwar sei es ein weiter Weg von einer ersten Rohidee bis zur realisierten Innovation. Aber ohne den ersten Schritt komme es gar nicht zu neuen Entwicklungen. «Wer kreativ ist, setzt sich ab von der Norm - und wer sich von der Norm absetzt, braucht Mut, sich Gegenwind auszusetzen», erklärt Mehlhorn. «Der Schlüssel zu mehr Entfaltung von Kreativität ist einfach der Mut, etwas Neues zu machen.»

Veröffentlicht am:
17. 01. 2017
11:05 Uhr

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dpa

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