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So klappt die Stellensuche auf dem verdeckten Arbeitsmarkt

Ob durch die Empfehlung eines Nachbarn, den Kontakt von der Jobmesse oder den Kollegen von einst - jede dritte vakante Stelle wurde 2015 über persönliche Kontakte besetzt. Was müssen Arbeitsuchende dabei beachten?



Getümmel auf Jobmesse
Kontakte knüpfen: Jobmessen sind für Menschen auf Jobsuche eine gute Gelegenheit, sich als Experte für bestimmte Themen ins Gespräch zu bringen.   Foto: Monika Skolimowska/dpa/dpa-tmn » zu den Bildern

Es kann so einfach sein: Ein Unternehmen sucht einen IT-Fachmann, ein Mitarbeiter weiß, dass sein Nachbar gerade einen Job sucht - schon ist die Stelle besetzt.

«Über 50 Prozent der zu besetzenden Stellen werden auch über eigene Mitarbeiter und persönliche Kontakte gesucht. Und für über 30 Prozent der Befragten waren diese persönlichen Kontakte der entscheidende Weg», sagt Alexander Kubis vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) über diesen sogenannten verdeckten Arbeitsmarkt.

Doch es gibt große Unterschiede. Zum Beispiel wirkt sich die Größe des Betriebs auf das Suchverhalten aus: Kleine Firmen mit weniger als 50 Beschäftigten suchen laut Statistik doppelt so häufig über persönliche Kontakte nach Mitarbeitern wie große Betriebe mit 250 oder mehr Beschäftigten.

Der Grund dafür ist simpel, wie Annika Schneider vom Karrieremagazin «WILA Arbeitsmarkt» erklärt: «Eine offizielle Stellenausschreibung bedeutet viel Arbeit. Von der Ausschreibung selbst, über das Sichten der Bewerbungsunterlagen bis hin zum Führen der Bewerbungsgespräche.» Das ist ein Aufwand, den manche Betriebe nicht betreiben können oder wollen. Bei der Stellenbesetzung über Kontakte liege ein weiterer Vorteil für die Unternehmen darin, schneller herauszufinden, ob ein Bewerber in die Firmenkultur passt. «Wenn mir jemand sagt, der könnte zu euch passen, ist diese Hürde im besten Fall schon überwunden», so Schneider.

Nicht nur deshalb empfiehlt sie Bewerbern, den verdeckten Stellenmarkt unbedingt als Möglichkeit der Stellensuche wahrzunehmen: «Dort sind schon rein rechnerisch die Chancen der einzelnen Bewerber größer.» Doch wie kommt man an die Jobs, die in der Öffentlichkeit keine Erwähnung finden? «Es ist erstmal wichtig, dass die Leute wissen, dass ich auf Stellensuche bin. Der erste Schritt ist an mir, ich muss mir überlegen, wo ich hin will und mit Kollegen, Nachbarn und Freunden ins Gespräch darüber kommen», erklärt Schneider.

Ist das passende Branchenumfeld ausgemacht, empfiehlt es sich, Kontakte zu knüpfen, beispielsweise auf Jobmessen, Konferenzen oder Tagungen. «Man sollte immer die eigene Visitenkarte dabei haben und mit Leuten ins Gespräch kommen. Es geht nicht darum, jemanden zu fragen, ob er einen Job für mich hat, sondern sich über fachliche und berufliche Themen auszutauschen», so Schneider. Das Ziel müsse es sein, sich als Experte für bestimmte Themen zu positionieren, nicht als Arbeitssuchender.

Netzwerken hält auch Thomas Röser vom Deutschen Verband für Bildungs- und Berufsberatung (dvb) für den besten Weg, um auf dem verdeckten Stellenmarkt Fuß zu fassen. «Man muss Gesicht zeigen», sagt er und meint damit, ein eigenes berufliches Profil zu entwickeln und dieses im persönlichen Gespräch, über Onlineportale oder Praktika zu präsentieren. Insbesondere in Onlinenetzwerken sei es wichtig, aktiv Kompetenzen in den Vordergrund zu stellen. Sein Tipp: «Sich auf keinen Fall arbeitslos darstellen, sondern aktiv. Wenn man beispielsweise IT- oder Führungskompetenzen hat, sollte man diese herausarbeiten, so dass man anderen Headhuntern auffällt.»

Auch eine Initiativbewerbung kann den Weg in einen neuen Beruf ebnen. Doch wer sich blind bewirbt, sollte das eigene Profil möglichst genau auf das Unternehmen und die entsprechende Tätigkeit anpassen. Viel Arbeit, die sich nur lohnt, wenn die Chancen auf Einstellung überhaupt gegeben sind. Wichtig deshalb: schon vorher klären, ob es vakante Stellen im Unternehmen gibt. «Auch da ist wieder die Frage: Kenne ich vielleicht jemanden aus dem Betrieb, den ich fragen könnte? Denn es macht nur Sinn, sich initiativ zu bewerben, wenn das Unternehmen auch darauf anspringt», so Röser.

Vielversprechender können dagegen Praktika, freie Mitarbeit oder Zeitarbeit sein. Auch wenn das vielleicht bedeutet, dass man zunächst für weniger Geld arbeitet, kann man auf diese Weise seine Kompetenzen unter Beweis stellen und den potenziellen neuen Arbeitgeber kennenlernen. Wer sich engagiert, die Betriebsabläufe kennt und bereits gezeigt hat, dass er zum Unternehmen passt, hat oft bessere Chancen auf eine Einstellung als betriebsferne Bewerber.

Ob über persönliche Kontakte, Jobmessen, Initiativbewerbungen oder Praktika - wer sich auf dem verdeckten Stellenmarkt positionieren möchte, brauche häufig etwas Geduld, gibt Röser zu bedenken: «Das ist ein längerer Prozess, aber insgesamt ein erfolgreicher.»

Veröffentlicht am:
12. 06. 2017
04:20 Uhr

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dpa

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12. 06. 2017
04:20 Uhr



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