Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

 

Neue Wege zur digitalen Ausbildung

Auch die Berufsausbildung bleibt vom digitalen Wandel nicht unberührt. In diesem Jahr kann man sich erstmals zum Online-Händler ausbilden lassen. Experten wünschen sich mehr Mut zur Veränderung.



IT-Auszubildung
Die Digitalisierung der Ausbildungswelt schreitet voran. Lehr- und Lernmethoden müssen sich stetig anpassen.   Foto: Sebastian Gollnow

Die Digitalisierung erhält immer schneller Einzug in die Ausbildungswelt. Azubis können sich ihre Arbeitsanweisungen mittlerweile aus der Cloud ziehen, Maschinen schon lange mit Tablets bedienen und in sozialen Netzwerken lernen.

Auch die Berufsbilder bleiben vom digitalen Wandel nicht unberührt. Doch nicht allen geht die Transformation von alter zu neuer Ausbildungswelt schnell genug.

Das neue Ausbildungsjahr beginnt zumindest schon ganz im Zeichen der Digitalisierung. Zum 1. August können sich junge Menschen bundesweit erstmals zum Online-Händler ausbilden lassen. «Kaufmann/Kauffrau für E-Commerce» heißt das neue Angebot offiziell. Es soll eine Antwort auf den seit langem boomenden Onlinehandel sein. Eine Antwort, die zehn Jahre zu spät kommt, kritisieren Experten denn auch - und wünschen sich mehr Schnelligkeit in Sachen Digitalisierung. Nichts anderes als die Zukunftsfähigkeit Deutschlands stehe auf dem Spiel.

«Die Ausbildung kommt nicht zehn Jahre zu spät, sondern genau rechtzeitig», sagt dagegen der Vizechef des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland, Martin Groß-Albenhausen. Weil sie Fachkräfte forme, die vielleicht das «nächste große Ding im Handel» umsetzen würden. «Wir haben einen Beruf geschaffen, bei dem wir am ersten Tag der Ausbildung jedem Azubi sagen, dass er am Ende der drei Ausbildungsjahre vermutlich einiges, was er in den ersten Monaten lernt, nicht mehr anwenden wird.» Der Handelsverband Deutschland geht von mehr als 1000 Onlinehandel-Azubis in diesem Jahr aus.

Doch nicht nur im Handel wirbelt die Digitalisierung die Ausbildung durcheinander. In der Industrie gehören - anders als noch vor ein paar Jahren - Programme und Roboter längst zum Arbeitsalltag. Und auch bei den Dachdeckern tut sich etwas. In der Branche kommen seit einiger Zeit immer öfter auch Drohnen zum Einsatz, um Schäden am Dach leichter zu identifizieren, hieß es vom Deutschen Dachdeckerverband. Da die unbemannten Fluggeräte immer erschwinglicher würden, könne man fast schon von einem Trend sprechen. Ein Drohnen-Pilotenschein sei in der Berufsausbildung aber noch kein Thema.

Aber warum nicht? Aus- und Weiterbildungsexperte Josef Buschbacher wünscht sich eine lebendigere Debatte über die Berufsausbildung in Deutschland. Nicht nur über die Inhalte, sondern auch über die Form.

Viele würden sich Gedanken dazu machen, sagt der Geschäftsführer der Corporate Learning + Change GmbH: «In den Rahmenlehrplänen müsste viel mehr das Thema «Lernen lernen» verankert sein.» Die Zeit, in denen man einen einmal gelernten Beruf das ganze Leben auf die gleiche Art ausführe, sei lange vorbei.

Im Berufsschulunterricht müsse man auf neue Medien setzen, um Wissen zu vermitteln. «Also nicht jetzt anfangen, Bücher zu drucken, für Kaufleute für E-Commerce», meint der Experte. Sondern moderne Lehr- und Lernmethoden einsetzen wie Web-Seminare oder soziale Netzwerke. «Darauf setzen auch immer mehr Unternehmen, weil sie sehen, dass die neue Ausbildungs-Generation mit solchen Dingen aufwächst.»

Warum dies also nicht nutzbar machen? «Wieso nicht statt 3 Ausbildungsjahren 36 Level einführen - angelehnt an Computerspiele?» Schnelle Erfolgserlebnisse - das hätten Studien gezeigt - seien echte Motivations-Booster für junge Menschen. Doch schon bei Ausbildern würde man mit solchen Vorschlägen oft auf Granit beißen.

Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) ist seit März ein wichtiges Gesicht der deutschen Netzpolitik. «Als Computerspiel-Fan bin ich natürlich offen dafür, statt 3 Jahren Lehre 36 Level einzuführen, aber letztendlich überlasse ich so etwas den Fachdidaktikern», meint sie.

Die Geschwindigkeit des Wandels nehme immer mehr zu. «Manche Tätigkeiten innerhalb von Berufsbildern werden obsolet, andere gewinnen an Gewicht», sagt Bär. Inhalte der Berufsausbildung müssten deshalb schneller aktualisiert werden - «und zwar nicht nur in digitalen, sondern in allen Berufsbildern».

Die Berufsbilder seien zukunftsoffen gestaltet, entgegnet der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Friedrich Hubert Esser. «Das heißt, die Formulierungen sind so gewählt, dass sehr viel von dem, was sich mit der Zeit ändert, bereits in den Ausbildungsordnungen enthalten ist.» Man müsse daher nicht bei jeder Änderung aktiv werden.

Das BIBB ist gemeinsam mit Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften für die Gestaltung von Ausbildungsberufen verantwortlich. Auch die E-Commerce-Ausbildung stammt vom BIBB. Mit der Initiative «Berufsbildung 4.0» suchen BIBB und Bundesbildungsministerium aktuell nach weiteren Berufsfeldern mit Handlungsbedarf.

Veröffentlicht am:
30. 07. 2018
12:09 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Berufliche Ausbildung und Weiterbildung Berufsbilder Bundesministerium für Bildung und Forschung CSU Digitalisierung Digitaltechnik Dorothee Bär Internethandel und E-commerce Kaufleute
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Ausbildung

26.07.2019

Keine Angst vor der Digitalisierung

Selbstfahrende Lastwagen oder Zahnersatz aus dem 3-D-Drucker: Was heute noch Menschen erledigen, könnten zukünftig Maschinen übernehmen, denn die Digitalisierung verändert auch viele Ausbildungsberufe. Ein Wagnis für ang... » mehr

Aufstiegs-Bafög

17.12.2018

Wer bekommt eigentlich Aufstiegs-Bafög?

Lehrgänge, Prüfungen, Materialien und der Lebensunterhalt - wer sich beruflich weiterbildet, muss oft eine Menge Kosten stemmen. Da kann das Aufstiegs-Bafög weiterhelfen. Die Förderung gibt es nicht nur für Meister, vers... » mehr

USA ein beliebtes Ziel

12.11.2018

Lernen im Ausland: Was Azubis wissen müssen

In der Ausbildung ins Ausland gehen - das ist doch nur etwas für Studenten, oder? Von wegen! Auch für Lehrlinge gibt es diese Möglichkeit. Weit verbreitet ist das bislang aber noch nicht. » mehr

Externenprüfung zum Berufsabschluss

25.11.2019

Mit der Externenprüfung zum Berufsabschluss

Ohne formalen Berufsabschluss bleiben im Berufsleben im Zweifel viele Türen verschlossen. Wer das nachholen will, muss nicht zwingend eine Ausbildung absolvieren. » mehr

Tankstelle

12.07.2018

Tankwart-Jobs im Wandel

Die Ferien-Reisewelle macht sich nach und nach auf Deutschlands Straßen breit und an Tankstellen ist wieder viel los. Falls ein Fremder das eigene Auto betanken will - nicht wundern. Das ist sein Job. » mehr

Trainingszentrum der Deutschen Bahn

27.11.2019

So funktioniert Lernen mit Virtual-Reality-Brille

Ob beim Kuppeln von Waggons oder bei medizinischen Anwendungen - viele Arbeitsschritte werden Azubis oder Studenten heutzutage mit Virtual-Reality-Brillen vermittelt. Das Üben in der Realität ersetzt das aber dennoch nic... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
30. 07. 2018
12:09 Uhr



^