Lade Login-Box.
Corona Ticker
Topthemen: CoronavirusVideosCoburger OB-Kandidaten vor der KameraCotubeBlitzerwarner

 

Was die Generation Z am Arbeitsmarkt fordern kann

Weil es weniger Bewerber gibt als Stellen, hat sich der Arbeitsmarkt zu einem Arbeitnehmermarkt gewandelt. Die neue Generation hat ziemlich genaue Vorstellungen vom Berufsleben. Doch wie weit kann sie mit ihren Ansprüchen gehen?



Christian Scholz
Christian Scholz ist emeritierter Professor für Wirtschaftswissenschaft an der Universität des Saarlandes und forscht zu den Arbeitsmarktvorstellungen der Generation Z.   Foto: Sebastian Scholz

Die Zeiten sind gut für junge Jobeinsteiger: Der Arbeitsmarkt ist nicht mehr so überflutet, Berufsanfänger finden leichter eine Stelle.

«Die Generation Z hat den Riesenvorteil, dass sie eine hart umkämpfte Ware ist», sagt Christian Scholz, emeritierter Professor für Wirtschaftswissenschaft an der Universität des Saarlandes.

Genaue Vorstellung der Arbeitsbedingungen

Scholz forscht unter anderem zu den Vorstellungen der Generation Z zur Arbeitswelt. Dass sich die Bedürfnisse der neuen Berufseinsteiger geändert haben, sei ein generelles Phänomen: «Das fängt beim Malermeister um die Ecke an und geht bis hin zu IT-Unternehmen», so Scholz über die ab Ende der 1990er Jahre Geborenen. Die Generation Z plant langfristig und hat dadurch klare Ideen, wie sie arbeiten möchte. Dazu gehören laut Scholz geregelte Arbeitszeiten, keine Überstunden und ein eigener Arbeitsplatz, der nicht in einem Großraumbüro ist.

Laut Martina Niemann, Personalleiterin bei Lufthansa und Präsidiumsmitglied beim Bundesverband der Personalmanager, suchen die jungen Einsteiger in erster Linie nach einer sinnerfüllten Arbeit, die einen Beitrag zu den Unternehmenszielen leistet.

Individuelles Streben und die Erwartungshaltung

Niemann hat außerdem die Erfahrung gemacht, dass Spielregeln wichtig sind: «Ich erlebe, dass die Neuen gerne wissen wollen, woran sie sind.» Wenn ein Arbeitgeber eine 40-Stunden-Woche verspricht, dürfen dann am Ende keine 70 Stunden herauskommen. «Diese Wünsche waren früher auch da, aber die Konkurrenz war größer», erklärt Niemann. Heute können Berufseinsteiger selbstbewusster auftreten, weil sie Mangelware sind.

Doch wie weit kommen sie mit ihrer Erwartungshaltung? «Ich erlebe da nicht eine Generation, die vor mir sitzt und Ansprüche stellt», stellt Niemann klar. In Gesprächen werde nach der allgemeinen Kultur des Unternehmens gefragt: «Sind die für Diversity und Weiterbildung, kann man sich da entwickeln?» Keiner falle mit der Tür ins Haus und fordere sofort Sabbaticals oder unverhältnismäßig viel Urlaub.

Ziele und Ansporn haben sich geändert

Auch Scholz betont: «Sie wollen arbeiten, und in der Zeit, in der sie arbeiten, sind sie hochmotiviert, hochengagiert und kreativ.» Allerdings fordere die Generation Z auch eine ganz klare Trennung von Arbeit und Privatleben ein. Nach dem Arbeitstag wolle sie sich der Partnerschaft oder Hobbys widmen, um sich darin zu verwirklichen.

Das lässt sich nicht mit viel Verantwortung im Unternehmen und ständiger Erreichbarkeit vereinbaren. «Wenn Sie heute in eine Stellenanzeige schreiben «frühzeitige Übernahme von Führungsverantwortung», haben Sie schon ein Problem», sagt Scholz. «Man kann sie auch wunderbar vergraulen, indem man sagt: Wir haben eine tolle, leistungsorientierte Entlohnung». Wichtiger als Karriere sei der Erwerb von Qualifikationen. Denn das sei eine Zukunftsversicherung, wenn doch mal der Arbeitgeber gewechselt wird.

Benefits, CO2-Zertifikate und Loyalität

Und welche Rolle spielen Benefits? «In vielen Unternehmen hat sich die Mobilitätspolitik geändert», erzählt Niemann. Die Generation Z möchte ihr ökologisches Bewusstsein auch am Arbeitsplatz ausleben. Die Unternehmen würden daher etwa E-Bikes fördern oder bei Dienstreisen mit dem Flugzeug entsprechende CO2-Zertifikate kaufen.

Laut Scholz finden junge Berufseinsteiger ihre Bedürfnisse eher bei mittelständischen Unternehmen erfüllt als bei großen Konzernen. Sie hätten im Zweifel genau das, was die Generation sucht: Struktur, Sicherheit und Wohlfühlen. «Ich habe mal ein Unternehmen gesehen, die haben mit der Idee geworben: Wir haben in den letzten 15 Jahren niemanden gekündigt», erklärt Scholz. Das sei wichtig für die Jobeinsteiger: Loyalität vom Arbeitgeber, dem sie sich dann auch loyal gegenüber verhalten.

Veröffentlicht am:
17. 06. 2019
04:52 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Allgemeine (nicht fachgebundene) Universitäten Arbeitgeber Arbeitsmarkt Berufsstarter Deutsche Lufthansa AG Karriere und beruflicher Werdegang Konkurrenz Loyalität Personalmanager Professoren Universität des Saarlandes Unternehmen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
E-Learning-Angebote

25.03.2020

Gute E-Learning-Angebote für Schüler

«Kann ich das Tablet, Papa?» Eltern können in der Corona-Krise nicht dauerhaft Lehrer spielen. Sollen sie auch nicht. E-Learning-Plattformen bringen für Schüler Abwechslung. Eine Auswahl: » mehr

Ute Gietzen-Wieland

20.01.2020

Welche Benefits sich für Berufstätige lohnen

Die Palette der Benefits, die Arbeitgeber ihren Beschäftigten bieten können, ist groß. Aber haben Mitarbeiter wirklich etwas davon - oder bringen die Zusatzleistungen vor allem den Unternehmen etwas? » mehr

Ira Künnecke

02.03.2020

So gelingt Paaren die Doppelkarriere

In vielen Partnerschaften wollen sich heute beide beruflich verwirklichen - ohne, dass immer nur einer dem anderen den Rücken frei hält. Arbeitgeber kommen Bewerbern dabei vermehrt entgegen. » mehr

Luis Delgado

27.05.2019

Das bringen Referenzen in der Bewerbung

In englischsprachigen Ländern haben sich Referenzen als Teil der Bewerbung längst etabliert. In Deutschland ist das noch nicht so. Verlangt ein potenzieller Arbeitgeber sie, gibt es bestimmte Standards zu beachten. » mehr

Hendrik Seiler

28.10.2019

Per Video-Clip zum Traumjob

Unternehmen suchen dringend Fachkräfte und gehen verstärkt auf geeignete Kandidaten zu. Auch in Sachen Bewerbung. Ein Video-Clip kann heute erster Türöffner sein. Wie stellt man sich authentisch dar? » mehr

Jutta Boenig

30.12.2019

Wie egal darf mir mein Kleidungsstil im Job sein?

Kleidervorschriften im Unternehmen klingen aus der Zeit gefallen. Jeans und Sneaker gehen doch immer, oder? Warum eine wohlüberlegte Auswahl der Kleidung im Job durchaus sinnvoll sein kann. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
17. 06. 2019
04:52 Uhr



^