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Keine Angst vor der Digitalisierung

Selbstfahrende Lastwagen oder Zahnersatz aus dem 3-D-Drucker: Was heute noch Menschen erledigen, könnten zukünftig Maschinen übernehmen, denn die Digitalisierung verändert auch viele Ausbildungsberufe. Ein Wagnis für angehende Azubis?



Ausbildung
Der Auszubildende bearbeitet an seinem Arbeitsplatz Bestellungen an einem Computer.   Foto: Lennart Stock/dpa

Routiniert klickt sich Luca von Peschke an seinem Computerbildschirm durch Listen mit Retouren und Bestellungen. Der Großhandels-Azubi beim Kronberger Fahrrad-Fachhändler Hibike beantwortet Kunden-Anfragen und hält den Kontakt zu Zulieferern - auch den Onlineshop hat er im Blick.

Doch ob es seinen Arbeitsplatz auch in 20 Jahren noch gibt? Der rasante technische Fortschritt könnte künftig viele Jobs insbesondere mit Bürotätigkeiten überflüssig machen, behaupten zumindest manche Forscher und Studien.

«Da sehe ich persönlich keine Gefahr», sagt der 22-Jährige mit Blick auf seinen Ausbildungsberuf. «Der klassische Großhändler, der im Büro sitzt und mit Händlern in China telefoniert, der wird über die Zeit womöglich wegfallen», glaubt von Peschke. «Nichtsdestotrotz wird es immer Menschen geben, und das können uns Maschinen auch nicht abnehmen, die zwischen Firma und Kunde kommunizieren.»

Entwarnung

Entwarnung kommt auch vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB): Es sei «sehr unwahrscheinlich», dass ein gesamter Beruf mit all seinen Tätigkeitsbündeln ersetzt werden könnte, sagt die BIBB-Expertin für Berufsbilder, Monika Hackel. In Deutschland werde im Gegensatz zu anderen Ländern darauf geachtet, dass Berufsbilder nicht zu eng geschnitten sind, sondern dass sie eine breite Palette an Qualifikationen beinhalten.

Ein Problem sei aber, dass es in der öffentlichen Diskussion bei Ausbildungsplatzsuchenden mitunter eine «diffuse Angst» gebe - etwa davor, dass die Automatisierung Berufsbilder verändern könnte. Doch die praktische, duale Ausbildung biete erst die Grundlage, um überhaupt Arbeitsabläufe zu digitalisieren, macht Hackel deutlich. «Deswegen sind gerade ältere Mitarbeiter, die Prozesse mal analog gelernt haben, momentan in der Wirtschaft sehr begehrt.»

Veränderung durch Digitalisierung

Statt wegzufallen würden sich manche Berufe durch die Digitalisierung verändern, erklärt die Expertin. Vereinzelt erfinden sich sogar ganze Berufe neu - zuletzt etwa der Kaufmann für E-Commerce, den Betriebe seit August 2018 ausbilden können. «Als wir von dem Beruf gehört haben, haben wir gedacht, das ist genau der richtige Ausbildungsberuf für uns», berichtet Hibike-Ausbildungsleiter Alexander Mimietz. 70 Prozent seiner 100.000 Artikel verkauft Hibike über das Internet.

«Wir hatten da am Anfang echt Probleme, passende Bewerber zu finden», berichtet Mimietz. Zum einen weil die zuständige Berufsschule mit Sitz in Bad Hersfeld zu weit entfernt lag, zum anderen weil die Ausbildung noch weitgehend unbekannt war. «Viele denken, wenn sie da auf Facebook oder Instagram ein Foto posten können, dann wäre das der Kaufmann für E-Commerce. Es steckt so viel mehr dahinter», sagt Mimietz.

Weil Bewerber fehlten, setzte Hibike daher schon bei seinen Großhandels-Azubis einen digitalen Schwerpunkt. «Intern haben die Jungs und Mädels hier schon den Beruf des E-Commerce-Kaufmanns gelernt», sagt Mimietz. Luca von Peschke und seine Azubi-Kollegen lernen daher nun auch, wie Online-Shops aufgebaut sind, wie digitale Bezahlsysteme funktionieren und wie sie Kunden über Social Media erreichen.

«Die Anforderungen in den Berufen ändern sich ständig. Natürlich ist auch die Digitalisierung ein Thema», weiß der Ausbildungs-Experte der IHK Frankfurt, Frank Ziemer. «Ich glaube aber auch, dass junge Leute mit der Digitalisierung gut umgehen können.» Viele seien im Alltag ständig digital unterwegs - in der Ausbildung müssten sie lernen, das Digitale auch für den Betrieb zu nutzen.

Handwerk hat sich gewandelt

Die zunehmende Technisierung bekommen auch beispielweise die 75.000 hessischen Handwerksbetriebe zu spüren. «Das Handwerk hat sich wirklich gewandelt», sagt Handwerkssprecher Dirk Kornau. Abläufe seien in den vergangenen Jahren digitaler geworden und würden immer mehr auch in die Berufsausbildung einfließen. Dachdecker würden beispielsweise Sturm- und Hagelschäden per Drohne vermessen, Lackierer die benötigte Farbmenge digital ausmessen und Kfz-Mechaniker Fahrzeug-Daten per Tablet auslesen, zählt Kornau auf.

Sorgen machen sich Handel, Gewerbe und Handwerk daher weniger über die digitale Revolution. «Wir stellen fest, dass immer mehr junge Leute studieren gehen und dadurch den Bewerbermarkt für die duale Berufsausbildung ein Stück schrumpfen lassen», sagt Ziemer - obwohl die gute Konjunktur und die stete Nachfrage nach Fachkräften beste Job-Aussichten böten wie lange nicht.

Heutzutage könne man eine Berufsausbildung ohne Studium ja eigentlich vergessen, hieß auch im Freundeskreis von Luca von Peschke. Vor seiner Ausbildung bei Hibike war der Abiturient zunächst für ein Physik-Studium eingeschrieben. «Ich habe dann gemerkt, dass es die Möglichkeit gibt, meinen Sport und mein Hobby mit dem Beruf zu verbinden», sagt von Peschke, der in seiner Freizeit gern Mountainbike fährt. Für seinen Betrieb war es ein Glücksfall. Zum bevorstehenden Ausbildungsjahr ist der Fahrradhändler noch auf der Suche nach Azubis mit digitalem Geschäftssinn.

Veröffentlicht am:
26. 07. 2019
12:07 Uhr

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dpa

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26. 07. 2019
12:07 Uhr



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