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«Knast-O-Mat» testet neues Personal für Gefängnisse

Die Arbeit hinter Gittern ist hart, voller Einschränkungen und nicht üppig bezahlt. Justizvollzugsbeamte sind dementsprechend gesucht. Ein «Knast-O-Mat» soll jetzt in NRW helfen, Bewerber zu locken. Die können allerdings schon am Diktat scheitern.



Justizvollzugsanstalt
Die meisten Bewerber schaffen die Aufnahmeprüfung für den Beruf des Justizvollzugsbeamten nicht. In NRW können Interessierte vorab mit dem «Knast-O-Mat» testen, ob sie sich für den Job eignen.   Foto: Jens Kalaene/zb/dpa

Bist Du eher der stabile Typ, den nichts so leicht aus der Bahn wirft?» Diese und 19 weitere Fragen stellt der neue «Knast-O-Mat» der nordrhein-westfälischen Justiz allen, die im Internet prüfen wollen, ob für sie ein Job hinter Gefängnismauern infrage käme.

Die Erfinder-Agentur des « Knast-O-Mats » bringt das auf die Formel: «Echter wird's nicht.» Dass das keineswegs übertrieben ist, weiß Ulrich Biermann aus langjähriger Erfahrung. «Der Job hinter Gittern ist nicht wie im Mädchenpensionat», beschreibt der Landesvorsitzende des Bunds der Strafvollzugsbediensteten die Arbeit mit Menschen in Ausnahmesituationen.

Seit Jahren seien in NRW mehr als 400 von insgesamt fast 6400 Stellen im allgemeinen Vollzugsdienst unbesetzt und die Mehrarbeit infolge der Personalnot auf bis zu 500.000 Überstunden angewachsen.

Die meisten fallen durch

Erstaunlich, dass die Justiz trotz der drängenden Personalnot Bewerber bislang sehr streng ausgesiebt hat. «Ein Großteil fällt durch unser Raster für diesen anspruchsvollen Beruf», berichtet der Abteilungsleiter für den Justizvollzug im Ministerium, Jakob Klaas.

Tatsächlich scheiterten viele im Auswahlverfahren am Diktat, wenn Wörter wie «Portemonnaie» falsch geschrieben würden. Der NRW-Justizminister Peter Biesenbach sieht hier Korrekturbedarf: «Wir müssen Anforderungen prüfen, die für die Praxis gebraucht werden.»

Dazu gehöre es etwa, über Hürden springen und Hindernisse schnell aus dem Weg räumen zu können, wenn ein Gefangener versuche, zu flüchten. Bei solchen Sport-Parcours fielen die meisten Bewerber wegen körperlicher Gebrechen durch, berichtet Sven Schneider von der Justizpersonalberatungsstelle in Wuppertal.

Dass nicht jeder genommen wird, zeigen schon die Testergebnisse beim «Knast-O-Mat». Wer bei sämtlichen Fragen Unwilligkeit und mangelnde Flexibilität erkennen lässt - Beispiel: «Sind geschlossene Räume ein Problem für Dich?» - liest am Ende: «Hm, das passt eher nicht. Aber das ist überhaupt nicht schlimm, denn in der Justiz gibt es jede Menge anderer attraktive Jobs für Dich.»

Der Wunschbewerber für die Arbeit hinter Gittern sollte schon etwas Lebenserfahrung haben. Gerngesehen seien Quereinsteiger aus anderen Berufen, betont Klaas. Allerdings endet die Verbeamtungsgrenze in NRW derzeit bei 42 Jahren und viele hoheitliche Aufgaben in den Gefängnissen können nur Justizvollzugsbeamten übertragen werden.

Krisenbewährte Quereinsteiger

«Wir haben aber auch Ausnahmen beim Alter», erzählt Klaas. Kürzlich seien zwei Stewardessen von einer Fluggesellschaft übernommen worden, die geschlossen habe, obwohl beide Damen deutlich über der üblichen Altersgrenze gelegen hätten. «Die sind krisenbewährt im Umgang mit schwierigen Situationen.»

Immerhin seien unter den rund 16.000 Gefangenen in den 36 JVA des Landes viele mit Drogenproblemen oder psychischen Leiden «an einem Tiefpunkt ihres Lebens», unterstreicht Biesenbach. Zu Übergriffen auf Beamte komme es dennoch nur in Einzelfällen.

Lohn der Herausforderung: derzeit etwa 1600 Euro in der Ausbildung und um die 2000 Euro Einstiegsgehalt - plus Familienzuschlag. Nicht viel Geld für eine Arbeit mit Risiken und vielen Einschränkungen - etwa Handyverbot am Arbeitsplatz.

«Im Strafvollzug geht es um einen Teil des wahren Lebens mit ständig schwierigen Situationen», räumt Justizminister Biesenbach ein. Warum sollte sich das jemand antun? «Hier bieten wir wirklich «Wert-volle» Arbeit», antwortet Biesenbach. «Wir brauchen Leute, die Lust daran haben, Gefangene als Menschen anzunehmen, die eine zweite Chance verdient haben.»

Veröffentlicht am:
25. 10. 2019
17:19 Uhr

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dpa

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25. 10. 2019
17:19 Uhr



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