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Was hinter zweijährigen Ausbildungen steckt

Der Großteil der dualen Ausbildungen dauert drei Jahre - genauso lange wie ein Bachelor. In manchen Berufen aber kann man schon nach zwei Jahren den Abschluss erhalten. Gibt es Unterschiede?



Zweijährige Ausbildungen
Zweijährige Ausbildungen gibt es fast in allen Branchen. Oft da, wo viel automatisiert abläuft, etwa in der Chemieindustrie.   Foto: Kirsten Neumann/dpa-tmn

Angehende Maler und Lackierer müssen drei Jahre Berufsausbildung durchlaufen. Bauten- und Objektbeschichter dagegen haben nach zwei Jahren ihren Abschluss in der Tasche. Zweijährige Ausbildungen werden oft als Option für schwächere Schülerinnen und Schüler ins Gespräch gebracht. Aber was steckt eigentlich dahinter?

Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) legt fest, dass Ausbildungen nicht mehr als drei und nicht weniger als zwei Jahre betragen sollten. Die kürzeren Ausbildungen seien aber nicht für bestimmte Zielgruppen entwickelt worden, erklärt Torben Padur vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). «Grundsätzlich existieren zweijährige Ausbildungen, weil es einen spezifischen Bedarf gibt - ganz konkrete Arbeitsplätze, die besetzt werden sollen. Das sind keine Berufe für schlechte Hauptschüler.»

Hoher Anteil an Routinetätigkeiten

Nichtsdestotrotz seien die geforderten Qualifikationen oft niedriger als bei dreijährigen Ausbildungsberufen. Zudem bereiten sie häufig auf Berufe vor, die einen hohen Routineanteil haben - oder in denen vieles stark automatisiert abläuft. Maschinen- und Anlagenführer etwa, die beispielsweise an großen Fertigungsstraßen von Automobilherstellern die Abläufe steuern und überwachen.

Padur zufolge gibt es aus diesem Grund im produzierenden Gewerbe, also zum Beispiel in der Chemieindustrie, relativ viele Ausbildungen, die auf zwei Jahre ausgelegt sind. Aber auch im Baubereich können sich Jugendliche in zwei Jahren etwa zum Hochbaufacharbeiter ausbilden lassen. Im Handwerk sei die Ausbildung zum Fahrradmonteur oder die Fachkraft Lederverarbeitung zu nennen. «Nicht zuletzt gibt es zweijährige Ausbildungen im Dienstleistungsbereich», erklärt Padur. Verkäufer und Verkäuferinnen etwa erhalten ihren Abschluss nach zwei Jahren, ebenso wie Servicefachkräfte.

Angebot hängt mit Branchenidentität zusammen

Ob ein Unternehmen eine zweijährige Ausbildung anbietet, hängt laut Padur mitunter auch mit den Sozialpartnern zusammen. «Die Gewerkschaften argumentieren, dass gerade vermeintlich leistungsschwächere Jugendliche doch längere Lern- und Ausbildungszeiten benötigen.» Auch deshalb gäbe es da, wo branchenstarke Tarifverträge vorhanden sind, weniger Unternehmen mit zweijährigen Ausbildungen. Falls doch, seien oft Übernahmequoten für die Azubis festgelegt. «Das hat oft auch etwas mit der Branchenidentität zu tun», sagt der BIBB-Experte.

Zweijährige Ausbildungen bieten sich für Jugendliche mit ganz unterschiedlichen Biografien an, so Padur. Die kürzeren Ausbildungen bieten einerseits die Möglichkeit, relativ schnell ein richtiges Gehalt zu verdienen. Ausgebildete Maschinen- und Anlagenführer etwa können teilweise mit 2500 bis 3000 Euro brutto im Monat als Fachkraft einsteigen. Wegen des geminderten theoretischen Umfangs eignen sie sich oft für Jugendliche, «die ein bisschen schulmüde» sind und lieber erstmal praktisch lernen wollen.

Im Unternehmen schnell nach oben arbeiten

Aber auch wer karrierefokussiert ist, könne die zweijährige Ausbildung nutzen, um im Unternehmen schnell nach oben zu kommen. Mit abgeschlossener Berufsausbildung oder einschlägiger Berufserfahrung eröffnet sich an vielen Standorten auch der Weg an die Hochschule.

Wichtig zu wissen: Zweijährige Ausbildungen sind nur in wenigen Fällen als Pendant zu einer ähnlichen dreijährigen Ausbildung zu verstehen. «Auf jede Ausbildung lässt sich zwar noch eine weitere draufsetzen», so Padur. Inwieweit Azubis sich Prüfungsleistungen oder Praxiserfahrung aus einer ersten Ausbildung aber anrechnen lassen können, regele die jeweilige Verordnung des Berufs.

Wer beispielsweise in zwei Jahren eine Ausbildung zur Fachkraft Metalltechnik absolviert hat, und im Anschluss den Abschluss als Konstruktionsmechaniker anstrebt, könne zwar formal im dritten Lehrjahr einsteigen. «Davor muss man aber die Teil 1 Prüfung bestehen, und nach dreieinhalb Jahren dann die Abschlussprüfung», erklärt Padur. Da kommen viele Prüfungen in kurzer Zeit zusammen. «Das ist dann eher etwas für die fitte Spitze unter den Azubis.»

© dpa-infocom, dpa:200624-99-550039/4

Veröffentlicht am:
07. 07. 2020
04:59 Uhr

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dpa

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07. 07. 2020
04:59 Uhr



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