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Wo Systemrelevanz Studentenjobs schützt

Als Studentin bei der Stadtreinigung zu arbeiten - das garantiert auch in der Corona-Krise einen sicheren Aushilfsjob. Denn Müllentsorgung ist systemrelevant. Bei den Klassikern unter den Studentenjobs sieht es derzeit anders aus.



Studentenjob
Die Studentin Laura schiebt eine Papierabfalltonne zum Abfallsammelfahrzeug. Die Studentin arbeitet wie schon im Jahr zuvor bei der Stadtreinigung.   Foto: Nicolas Armer/dpa

Für viele Menschen hat die Arbeit der Müllabfuhr ein eher schmutziges Image. Laura weiß es besser. Wenn die Studentin von ihrem Ferienjob berichtet, kommt sie regelrecht ins Schwärmen. Was ihr besonders viel Spaß macht?

Die Arbeit mit den Kollegen und das Suchen der Tonnen. «Das ist fast wie an Ostern.» Viele Studierende in Bayern sind auf ihre Arbeit derzeit schlechter zu sprechen. Sie haben wegen der Corona-Pandemie ihre Aushilfs- oder Minijobs verloren, mit denen sie ihr Studium finanzieren.

Dies geht aus einer Mitte Juli veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit hervor, für die exemplarisch Studierende der Universität Regensburg befragt worden sind. Basierend auf den Studierendendaten der Jahre 2011 bis 2016, kam die Studie zu dem Fazit, dass etwa zwei Drittel der Studierenden einem Nebenjob nachgehen. Den Autoren zufolge ergibt sich daraus, dass ein Anteil von etwa 20 Prozent aller Studierenden der Universität Regensburg «durch die momentane Situation potenziell in finanzielle Schwierigkeiten geraten könnte».

Die Zahlen aus Regensburg legen zum momentanen Zeitpunkt nahe, dass sich folglich rund ein Fünftel aller Studierenden durch Covid-19 nicht mehr selbst finanzieren kann. Ergebnisse von Langzeitstudien, die sich mit der coronabedingten Situation von Studierenden beschäftigen, werden erst in mehreren Monaten erwartet - zum Beispiel ein Forschungsprojekt, für welches das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung bundesweit Studierende an 20 Hochschulen befragt.

Laura musste sich trotz Corona nicht um ihren Ferienjob sorgen.

Die Studentin der Sozialen Arbeit an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt arbeitet schon den zweiten Sommer in Folge bei der Würzburger Müllabfuhr. Wegen ihrer guten Leistungen im vergangenen Jahr wurde sie erneut angefragt. Laut Philipp Kuhn, Betriebsleiter der Stadtreinigung Würzburg, haben im vergangenen Sommer Studierende sechs Wochen lang den Müllwerkern ausgeholfen, um in den Sommerferien das Personal zu entlasten. «Dieses Jahr haben wir mehr personelle Ausfälle, vor allem Corona-Verdachtsfälle, die vorsorglich zu Hause bleiben. Daher arbeiten mehr Studierende über einen längeren Zeitraum.»

Das ist nicht die einzige Veränderung.

Laura und ihre Kollegen tragen nun Masken, wenn sie auf der Vorderbank des Müllwagens sitzen. In circa achtstündigen Fahrten - pro Woche arbeitet sie 39 Stunden - leert Laura mit ihren Kollegen 350 bis 400 Mülltonnen. Die Kollegen sind überwiegend männlich, nur drei Prozent der Mitarbeiter bei der Würzburger Stadtreinigung sind Frauen. «Bei den Fahrten ernte ich viele verwunderte Blicke, besonders von älteren Personen. Aber nach kurzer Irritation sind die Reaktionen durchweg positiv.»

Der nächste Sammelpunkt der Tonnen befindet sich auf einem abschüssigen Parkplatz. Von ihren Kollegen habe sie viel gelernt, sagt Laura, etwa dass sie diese langsam und gezielt bewegt, statt mit ganzer Muskelkraft. Dass das Schieben der Tonnen einfacher als das Ziehen ist. «Obwohl ich viermal die Woche Sport mache, habe ich am Anfang immer Muskelkater vom Laufen. Vor allem achte ich aber darauf, meinen Rhythmus umzustellen. Ich gehe jeden Tag um acht Uhr ins Bett und stehe morgens um vier wieder auf», sagt Laura.

Die Schicht beginnt täglich um sechs Uhr mit einer Versammlung in der Kantine. Aufgrund der Größe der Tonnen leert die 23-Jährige am liebsten Biotonnen: «Da kann dann schon alles drin sein, von Lavendel über Maden.» Zu den Online-Vorlesungen vom Schreibtisch aus biete der Job eine gute Abwechslung. «Im Servicebereich wäre ich falsch», sagt Laura.

Gerade die Gastronomie ist von den Corona-Auflagen besonders hart getroffen. Auch wenn es keine genauen Zahlen dazu gibt, wie viele Studierende im Gastgewerbe ihre Arbeit verloren haben, gab der Gaststättenverband Dehoga Bayern an, dass während der Höchstphase des Lockdowns im März und April Betriebe, die nur Essen zum Mitnehmen verkaufen durften, dies aus Kostengründen meist ohne Studierende getan hätten. Weiterhin schwer sei die Situation in der Getränkegastronomie, in der viele Studierende arbeiteten.

Das Kurzarbeitergeld greift für die meisten studentischen Jobs nicht.

Der Staat hilft in Form von Studienkrediten, die noch bis zum 31. März zinslos vergeben werden. Außerdem können Studierende für Juni, Juli und August Überbrückungsgelder beantragen. Die Hilfe von maximal 500 Euro können sie monatlich beim zuständigen Studierendenwerk beantragen. Nach Angaben des Studentenwerks Erlangen-Nürnberg wurden bayernweit bis zum 24. Juli mehr als 34.000 Anträge auf Soforthilfe gestellt, knapp die Hälfte war unvollständig und konnte nicht bearbeitet werden. Insgesamt bewilligten die Studierendenwerke 60 Prozent und lehnten 30 Prozent der Anträge ab, in 10 Prozent forderten sie Dokumente nach.

Laura verdient bei der Stadtreinigung 2300 Euro brutto im Monat. Sie springt auf das Brett des Müllautos, um zu den nächsten Tonnen zu fahren. Dieser Arbeit würde sie auch noch ein drittes Mal in den Semesterferien nachgehen, da ist sie sicher.

© dpa-infocom, dpa:200804-99-36022/2

Veröffentlicht am:
04. 08. 2020
12:44 Uhr

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04. 08. 2020
12:44 Uhr



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