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Endlich Ordnung auf dem Schreibtisch

Clean Desk statt kreatives Chaos: Der Aufräum- und Sortier-Hype macht auch vor dem Arbeitsplatz nicht Halt. Wie viel Ordnung muss sein? Mit diesen Ansätzen bleibt der Tisch auf Dauer übersichtlich.



Ordnung auf dem Schreibtisch
Und wo unter all dem Kram war noch mal der Dienstplan? Aufräumexperten plädieren für einen leeren Schreibtisch.   Foto: Robert Günther/dpa-tmn

Kleine Kästchen unterteilen große Schubladen, die Kleidung ist zu kleinen Päckchen gefaltet und penibel nach Farben sortiert: Wo es so aussieht, lebt ein Fan von Aufräum-Königin Marie Kondo.

Einer der zentralen Punkte beim Ausmisten nach ihrer «KonMari-Methode» ist die Frage: «Does it spark joy?» Was keine Freude weckt, kann weg. Mit ihrem Buch «Joy at work», das sie 2020 gemeinsam mit dem Organisationspsychologen Scott Sonenshein verfasst hat, ist ihr Prinzip nun auch am Arbeitsplatz angekommen.

Ebenso wie im Zuhause empfiehlt Kondo den Schreibtisch auszumisten, indem man sich zuerst Büchern, dann Unterlagen und zuletzt «komono» (Kleinkram/Verschiedenes) widmet. Zum Abschluss kommt man auf emotional aufgeladene Gegenstände zurück.

Unterlagen etwa mistet Kondo nach einer Grundregel aus: «Alles aussortieren.» Was dann noch übrig bleibt, wird bis zum letzten Blatt in Kategorien eingeteilt und idealerweise hochkant in einem Hängeregister oder in Mappen aufbewahrt. Unerledigtes, das für den jeweiligen Arbeitstag relevant ist, bekommt ein eigenes Fach.

Das Besteckschubladen-Prinzip

Effizienzexperte Jürgen Kurz ist der Meinung, dass diese Methode im privaten Bereich, zum Beispiel bei Kleidung, gut funktioniert. Am Arbeitsplatz sei es allerdings nicht so einfach zu entscheiden, was wirklich Freude bringt, so der Buchautor («Für immer aufgeräumt»).

Der Experte verfolgt einen eigenen Aufräum-Ansatz. «Jeder hat Bereiche, die aufgeräumt sind - und zwar für immer», erklärt Kurz der die Grundlagen seines Ordnungsprinzips.

Das beste Beispiel sei wohl die Besteckschublade in der Küche: Durch den unterteilten Einsatz haben alle Teile ihren Platz und werden immer wieder dorthin zurückgelegt. «Geben Sie allen Dingen eine Heimat, dann kann nichts herumliegen.» Überträgt man das auf den Schreibtisch stellt sich die Frage: Was braucht hier eigentlich alles eine Heimat? Für Kurz hat jeder Arbeitsplatz sieben Bereiche.

- Für den Posteingang kann man eine Ablage auf den Schreibtisch stellen. So landet alles Eingehende in der Ablage und nicht überall verteilt.

- Wichtige Infos wie Telefonlisten, die Kostenstellen-Übersicht oder den Dienstplan bewahrt man Kurz zufolge am besten in einem Foliensichtbuch oder einem Schnellhefter auf.

- Für laufende Projekte rät Kurz zu einer Art Wiedervorlage-Mappe mit 31 Fächern. So lässt sich die Mappe mit dem Kalender verknüpfen: Alle Dokumente und Infos zu einem Projekt werden gebündelt am Fälligkeitsdatum einsortiert.

- Projekte im Team können genauso gehandhabt werden. Auf die Projektmappe können alle beteiligten Kolleginnen und Kollegen gleichzeitig zugreifen.

- Informationsmaterial wie Zeitschriften, die man mal lesen möchte, kommen auf einen Stapel. Ab einer bestimmten Stapelhöhe sollte man die untersten zehn einfach wegwerfen.

- Büromaterial wie Stifte, Locher oder Post-its sollten einen festen Platz bekommen, entweder in einer unterteilten Schublade oder in einem Kästchen auf dem Schreibtisch.

- Die To-do-Liste oder der Kalender darf sichtbar auf dem Schreibtisch liegen.

Ordnung mit leerem Schreibtisch und vier Kartons

Aber hat man überhaupt etwas davon, wenn der Schreibtisch blitzblank aussieht? «Dieser Spruch «Das Genie beherrscht das Chaos», das stimmt einfach nicht», ist sich Ghita Giede , Coach für Organisation und Aufräumen, sicher. Das Aufräumen und Organisieren sei zwar erst einmal viel Arbeit und erfordere täglich Disziplin. Letzen Endes erspare es aber Zeit, weil das Suchen wegfällt.

Giede empfiehlt jedem, zum «Leertischler» zu werden. Auf dem Schreibtisch finden sich dann nur die wichtigsten Dinge wie Maus, Tastatur, Telefon, Stift und ein Zettel.

Zum Sortieren rät sie zu vier Kartons: In einen kommen Dinge, die man verschenken möchte, in einen die Sachen, die man aufheben möchte, in den dritten Dinge, bei denen man noch unsicher ist und in den vierten alles, was entsorgt werden soll.

Literatur:

Jürgen Kurz: Für immer aufgeräumt - auch digital: So meistern Sie E-Mail-Flut und Datenchaos. Gabal Verlag, 127 S., 19,90 Euro, ISBN-13: 978-3-86936-561-9.

Marie Kondo, Scott Sonenshein: Joy at work: aufgeräumt und erfolgreich im Arbeitsleben. Wunderlich Verlag, 223 S., 20,00 Euro, ISBN-13: 9783499002687.

© dpa-infocom, dpa:200821-99-255128/2

Veröffentlicht am:
24. 08. 2020
04:24 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
24. 08. 2020
04:24 Uhr



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