Topthemen: Globe TheaterHSC 2000 CoburgBBC CoburgStromtrasse

 

Dürfen Angaben zur Elternzeit ins Arbeitszeugnis?

Viele junge Eltern nutzen die Elternzeit, um für ihr Kind eine Auszeit zu nehmen. Doch was für sie selbstverständlich scheint, ist Arbeitgebern manchmal ein Eintrag ins Arbeitszeugnis wert. Ist das erlaubt?



Frau mit Baby
Eine Elternzeit darf nur im Arbeitszeugnis erwähnt werden, wenn die Ausfallzeit eine «wesentliche Unterbrechung» der Beschäftigung darstellt.   Foto: Patrick Pleul

Erwähnt ein Arbeitgeber die Elternzeit eines Mitarbeiters im Arbeitszeugnis, empfinden das viele als Nachteil. Bei Bewerbungen etwa könnte durch eine solche Anmerkung der Eindruck entstehen, der Kandidat sei unflexibel.

Wie sind hier die Regeln? Dürfen Arbeitgeber Angaben zur Elternzeit ins Arbeitszeugnis nehmen? Jürgen Markowski, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Nürnberg und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein, meint dazu: «Jein». Denn grundsätzlich gilt: Fehlzeiten dürfen in einem Arbeitszeugnis nicht erwähnt werden.

«Es gilt aber auch der Grundsatz der Zeugniswahrheit», erklärt der Fachanwalt weiter. Daher gebe es auch Ausnahmen, die dem Arbeitgeber gestatten oder ihn sogar verpflichten die Fehlzeit zu erwähnen. Das Bundesarbeitsgericht stellte etwa klar, dass der Arbeitgeber in einem Zeugnis die Elternzeit eines Arbeitnehmers erwähnen darf - sofern sich die Ausfallzeit als eine «wesentliche tatsächliche Unterbrechung» der Beschäftigung darstellt.

Was heißt das? Das ist dann der Fall, wenn es durch die Elternzeit zu «erheblichen» Ausfallzeiten gekommen ist. Und, erklärt Markowski, wenn für Dritte ein falscher Eindruck entstehen könnte, sollte der Arbeitgeber sie nicht erwähnen: Nämlich, dass seine Beurteilung auf einer Arbeitsleistung beruht, die der Dauer des rechtlichen Bestands des Arbeitsverhältnisses entspricht. Der Arbeitgeber darf nicht den Eindruck erwecken, der Arbeitnehmer habe so viel Berufserfahrung wie es der Dauer seines Arbeitsverhältnisses entspricht.

Doch welche Zeitspanne umschreibt der Begriff «erheblich»? Mit dieser Frage hat sich zuletzt das Landesarbeitsgericht Nordrhein-Westfalen beschäftigt, erklärt Markowski. In dem verhandelten Fall hatte der Mitarbeiter am Ende seines Arbeitsverhältnisses zwei Jahre Elternzeit gehabt. Hier entschied das Gericht, dass bei einer zweijährigen Elternzeit am Ende eines Arbeitsverhältnisses, das insgesamt nur 3,5 Jahre gedauert hatte, die Elternzeit im Zeugnis erwähnt werden darf.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 12. 2018
04:29 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeber Arbeitszeugnisse Beschäftigungsverhältnisse Bundesarbeitsgericht Elternzeit Junge Eltern
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Bewerberin

31.12.2018

Darf ich erfahren, wer den Job bekommen hat?

Hatte eine Bewerbung auf eine Stelle keinen Erfolg, dann fragen sich viele Bewerber, woran es gelegen hat und wer den Job stattdessen bekommen hat. Haben sie ein Recht darauf, diese Informationen vom Arbeitgeber zu erhal... » mehr

Arbeitsvertrag

12.07.2018

Mehrfache Befristung ohne Grund bleibt tabu

Befristete Jobs können sinnvoll sein, um Menschen wieder in Lohn und Brot zu bringen. Als Dauereinrichtung bleiben sie jedoch verboten, betonen die Verfassungsrichter. Sie setzen Gerichten Schranken. » mehr

Mit Smartphone

17.05.2018

Gericht schützt private Handynummern von Arbeitnehmern

Heutzutage sollen Angestellte immer erreichbar bleiben - auch außerhalb der Dienstzeiten. Deswegen sind sie in manchen Fällen dazu verpflichtet, ihre private Mobilfunknummer beim Arbeitgeber anzugeben. Recht darauf hat d... » mehr

Schwangere Arbeitnehmerin

22.02.2018

Schwangere sind nicht vor Massenentlassungen sicher

Während der Schwangerschaft und nach der Geburt des Kindes sind Frauen vor Kündigungen geschützt - eigentlich. Doch es gibt Ausnahmen, wie ein europäisches Urteil zeigt. Es dürfte auch der Debatte in Deutschland neue Nah... » mehr

Grippeimpfung im Job

21.12.2017

Grippeimpfung im Betrieb: Kein Schmerzensgeld vom Chef

Zehntausende Arbeitnehmer lassen sich jährlich gegen Grippe impfen - viele von Betriebsärzten in ihrem Unternehmen. Doch was passiert, wenn es tatsächlich einmal zu einem Impfschaden kommt? Das ist jetzt entschieden - in... » mehr

Peter Meyer

23.07.2018

Ist eine Kündigung aus der Elternzeit heraus möglich?

Wer während der Elternzeit den Entschluss fasst, nicht mehr zum alten Arbeitgeber zurück zu kehren, hat das Recht zu kündigen. Allerdings sollte er die Kündigungsfrist berücksichtigen. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 12. 2018
04:29 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".