Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerGlobe-TheaterStromtrasseHSC 2000 Coburg

 

Darf ich beim Bewerbungsgespräch lügen?

Bluffen, Erfahrung vortäuschen, Geheimnisse verschweigen - in Bewerbungsgesprächen will man unangenehme Dinge möglichst nicht ansprechen. Aber sind auch Lügen erlaubt?



Lügen im Bewerbungsgespräch
Lügen im Vorstellungsgespräch? Keine gute Idee. Wer etwa auf die Frage nach den eigenen Softwarekompetenzen flunkert, riskiert, dass der Arbeitgeber später das Arbeitsverhältnis anficht.   Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn

Softwarekompetenzen? Klar! Mehrere Jahre Berufserfahrung? Aber ja! Ein bisschen flunkern gehört bei der Bewerbung dazu, oder? Doch dürfen Bewerber im Vorstellungsgespräch lügen? Das kommt auf die Fragen an, die der Arbeitgeber stellt.

«Grundsätzlich hat der Arbeitgeber ein Fragerecht bei Bewerbern. Er muss überprüfen, ob der Bewerber für die ausgeschriebene Position geeignet ist», erklärt Peter Meyer, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin.

Auf alle Fragen, die im Zusammenhang mit den betrieblichen Anforderungen an die Position stehen, müssen Bewerber wahrheitsgemäß antworten. Also etwa, wenn es um die Berufserfahrung oder die persönliche Verfügbarkeit geht.

Wer eine berechtigte Frage wahrheitswidrig beantwortet, riskiert, dass der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis anficht oder kündigt.

Meyer nennt ein Beispiel: Wer sich auf eine Stelle im Call Center bewirbt, bei der man mit Kunden-Kreditkartendaten arbeitet, muss auf Nachfrage wahrheitsgemäß offenlegen, ob er Vorstrafen zu Vermögensdelikten hat. In einem solchem Fall habe der Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse, diese Informationen zu erfahren.

Auch wer behauptet, hervorragende Kenntnisse in einer bestimmten Software zu haben, eigentlich aber noch nie damit gearbeitet hat, macht falsche Angaben. Wenn ein Bewerber den Arbeitgeber derart über die eigene Eignung täuscht, kann dieser das Arbeitsverhältnis später anfechten.

Eine grundsätzliche Offenbarungspflicht für Bewerber gibt es aber laut Meyer nicht. Das heißt: Wer nicht gefragt wird, muss bestimmte Informationen - etwa zu Kompetenzen bei einer bestimmten Software - auch nicht von sich aus offenlegen. Es kann jedoch Ausnahmen geben. Im Zweifel sind das Einzelfallentscheidungen.

Ein anderes Thema sind unzulässige Fragen im Bewerbungsgespräch - also solche, die nichts mit den betrieblichen Anforderungen zu tun haben. Ein Recht zu lügen haben Bewerber, wenn sie auf derartige Fragen vom Arbeitgeber nicht antworten müssen.

Das können zum Beispiel Fragen zur Familienplanung, zu einer Schwangerschaft oder zur sexuellen Orientierung sein. Eine schwangere Frau etwa, die sich als Sachbearbeiterin bei einer Versicherung vorstellt, darf verneinen, dass sie schwanger ist, wenn der Arbeitgeber danach fragt.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 06. 2019
04:34 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeber Arbeitsrecht Berufserfahrung Beschäftigungsverhältnisse Peter Meyer Schwangerschaft und Geburt Sexualität Sexuelle Neigungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Foto auf der Firmenwebsite

15.07.2019

Dürfen die Fotos von Mitarbeitern auf Unternehmens-Website?

Darf der Chef Fotos von Mitarbeitern ungefragt auf der Firmenwebsite veröffentlichen? Viele Mitarbeiter sehen das nicht gerne. Und was geschieht, wenn der Mitarbeiter das Unternehmen verlässt? » mehr

Urlaubsantrag

19.08.2019

Bis wann darf der Arbeitgeber Urlaubsanträge einfordern?

Kann der Chef seine Angestellten zwingen, ihren Jahresurlaub bis zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr einzureichen? Es sei das Eigeninteresse des Arbeitnehmers, dass er seine Erholungs- und Urlaubszeiten einplane, sagt ... » mehr

Peter Meyer

01.07.2019

Darf der Chef Angestellte zur Weiterbildung verpflichten?

In vielen Berufen gehören regelmäßige Fortbildungen zum Alltag. Aber darf der Chef seine Mitarbeiter auch dazu zwingen? » mehr

E-Mail-Postfach

13.05.2019

Darf der Chef die E-Mails mitlesen?

Auch für E-Mails gilt das Briefgeheimnis. Doch nicht immer sind Dienstmails dadurch vor dem Mitlesen Dritter geschützt. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht erklärt, wann der Chef einen Mailverkehr mitverfolgen darf. » mehr

Rauchen am Arbeitsplatz

06.05.2019

Darf ein Arbeitgeber Angestellten das Rauchen verbieten?

Viele Kollegen machen mehrmals am Tag eine Zigarettenpause. Kann das der Arbeitgeber unterbinden? Die Arbeitsstättenverordnung lässt ihm verschiedene Optionen, mit dem Thema Rauchen umzugehen. » mehr

Anfahrt zum Bewerbungsgespräch

18.03.2019

Wer trägt die Kosten für die Anfahrt zum Bewerbungsgespräch?

Die Bewerbung hat überzeugt, man ist zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Das findet jedoch einige hundert Kilometer entfernt statt. Wer zahlt die Fahrtkosten? » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 06. 2019
04:34 Uhr



^