Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

Lässt Deutschland ohne Friseure die Haare wieder wachsen?

Kein Theater, kein Fußball, keine Konzerte - und jetzt auch noch schlecht frisiert. Das Coronavirus hat Deutschland voll im Griff, auch die Friseure müssen schließen. Damit steht man zu Hause vor einer Entscheidung: Langhaarfrisur oder Langhaarschneider.



Coronavirus-Frisur
Wenn die Friseure nicht öffnen dürfen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man lässt die Haare wachsen oder man übernimmt das Haareschneiden selbst.   Foto: Katja Lenz/dpa-tmn/dpa

Frisuren sind auch immer ein Spiegel ihrer Zeit. Gilt seit Jahrzehnten ein Kurzhaardiktat, wirkt eine lange Mähne besonders rebellisch - so war es zum Beispiel in den 60ern. Auch jetzt erlebt Deutschland historische Monate: Das Coronavirus hat das Land in einen beispiellosen Krisenmodus versetzt.

Und auch diesmal geht es - nach vielen anderen, viel wichtigeren Gesundheitsfragen - irgendwie um die Haare. Der Grund: Die Friseure sind dicht. Bund und Länder haben das am Wochenende beschlossen.

Werden lange Haare jetzt zum Trend?

Man mag einwenden, dass Stilfragen in Zeiten, in denen es um Leben und Tod geht, wirklich nachrangig sind. Zumal in einer Phase, in der viele Menschen noch nicht mal mehr für die Arbeit aus der Jogginghose müssen, weil sie im Homeoffice arbeiten. Zugleich verändert es den Alltag Millionen Deutscher, wenn sie ihr Haupthaar nicht mehr in professionellen Händen wissen. Krise ist schon schlimm. Krise und schlecht frisiert kann noch schlimmer sein.

Tragen wir bald alle Matte? Die beruhigende Antwort vorweg: Es wäre zumindest kein großer Schaden, wenn die Haare ein bisschen nachwachsen. «Es ist eine gewisse Ermüdung eingetreten bei Frisuren, die an der Seite ausrasiert sind», stellt der Buchautor Bernhard Roetzel fest. Er prognostiziert «generell eine Entwicklung hin zum längeren Haar» - auch ohne Coronavirus.

Der Stilkritiker rät zugleich zu einer gewissen Gelassenheit. Er befürchtet nicht, dass Deutschland nun kollektiv zerzaust. Das Haar müsse ja auch erstmal wachsen. «Ausnahme sind höchstens die Frauen, die sich die Haare jede Woche vom Friseur legen lassen. Aber das ist eine aussterbende Tradition», sagt Roetzel. Ein kritischer Punkt könnte nach etwa vier Wochen eintreten. «Vier Wochen ist ungefähr der Rhythmus, in dem man mit einem Fassonschnitt zum Friseur geht.»

Do-it-yourself-Haarschnitte

Kommt jetzt der Boom der Haarschneide-YouTube-Anleitungen? Es ist in jedem Fall gefährlich, ohne jede Ahnung einfach los zu rasieren. Wer mal bei einem schlechten Friseur war, weiß: Verschnittenes Haar braucht wahnsinnig lange, bis es wieder rausgewachsen ist. Die Seite instyle.de warnt bei ihren Tipps zum Selberschneiden daher in einem Ton, der auch bei einer Bombenentschärfung passen würde: «Die allererste Regel lautet eigentlich «don't do it» - lass es lieber!»

Zugleich hat man ja alles da: Schere, Kamm, oft Rasierer. Farbe lässt sich noch kaufen. Und Deutschland hat eine gewisse Tradition, sich im familiären Kreis die Haare zu stutzen. Oft gibt es eine Tante, die das kann und am Ende jede Frisur als «frech» bezeichnet. «Es wird vielleicht zu einem Revival des Do-it-yourself-Haarschnitts kommen, also von Freunden oder der Familie», meint Experte Roetzel. Wobei genau das in Coronazeiten nicht ratsam ist - die Zahl der physischen Kontakte soll auf ein Minimum reduziert werden.

Also große Tristesse? Es kann aufs Gemüt schlagen. «Eine gute Frisur unterstreicht die Kleidung und auch, dass man sich wohlfühlt», gibt der Modeberater Andreas Rose aus Frankfurt/Main zu bedenken. Andererseits könne man bei fortschreitendem Wuchs auch tricksen. «Meine Nachbarin zum Beispiel hat sich die Haare geflochten, das habe ich heute Morgen gesehen», sagt er. «Auch das ist schön.» Weitere Ideen: Schicke Haarkämme («zum Beispiel mit Kristallen, Blumen oder in Schildpatt-Optik»), Kopftücher («die sind auch wieder sehr angesagt») oder ein Pferdeschwanz. Oder man versucht vom Haar abzulenken - etwa mit schönem Make-up um die Augen.

An die schauerlichsten Prognosen glaubt auch Rose nicht. Auf die Frage, ob in der Krise nicht auch der «Vokuhila» (vorne kurz, hinten lang) wieder Thema werden könne, sagt er: «Hören Sie auf, wie furchtbar! So etwas kommt nicht wieder, da lege ich mich fest!»

Veröffentlicht am:
24. 03. 2020
13:17 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Blumen Familien Friseure Frisuren Gefahren Krisen Make-up Modeberater Rosen Vokuhila
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Haareschneiden beim Friseur

17.04.2020

Das Ende der Corona-Frisur naht

Kein Lockdown bei Locken. Haare wachsen weiter. Für viele Deutsche wird in der Corona-Krise der Alptraum auf dem Kopf wahr. Das führt bei manchen zu radikalen Entscheidungen. » mehr

Lange Haare

06.04.2020

Kein Friseurtermin in Sicht: Finger weg von der Bastelschere

In der Corona-Krise verzögert sich der nächste Friseurbesuch für viele. Wer nun zu irgendeiner Drogeriefarbe oder zur Bastelschere greift, wird das bereuen. Profis geben Tipps fürs Styling daheim. » mehr

Farbenfroh

vor 9 Stunden

Modische Accessoires für den Herbst

Accessoires peppen ein Outfit erst so richtig auf. Im Mittelpunkt stehen 2020 Gürteln, Hüten und Taschen. Und die dürfen gerne auch mal richtig auffallen. » mehr

Frau trägt Grau

18.11.2019

Wenn Frauen zu grauen Haaren stehen

Graue Haare bei Frauen galten lange als Makel. Inzwischen stehen mehr Frauen öffentlich zu ihrer natürlichen Farbe, auch die neue Begleitung von Keanu Reeves trägt Grau. Bröckelt ein altes Ideal? » mehr

Langer Rock mit großem Blumenmuster

26.06.2020

Retro-Muster sind neu gestylt in Mode

Paisley, Polka-Dots und große Blumen - die trendigen Muster dieser Sommermode kennt man längst. Doch sie werden nun ganz anders kombiniert. » mehr

Die Mode und der Mauerfall

31.10.2019

Die 80er Jahre tun nicht mehr weh

Hilfe, diese Jeans und diese Frisuren! Die Bilder vom Mauerfall wirkten, was die Mode angeht, lange Zeit komisch. Heute hat sich das geändert. Die 80er Jahre sind schwer im Trend. Was hat es damit auf sich? Droht ein Com... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
24. 03. 2020
13:17 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.