Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

 

Viele Software-Updates für Diesel-Autos stehen noch aus

Sie sollen ein zentrales Mittel sein, um die Luft in deutschen Städten schnell sauberer zu bekommen - doch bei den lange zugesagten Updates für Diesel-Autos läuft der Branche jetzt die Zeit davon.



Software-Update für Diesel-Fahrzeuge
Bis zum Jahresende sollten nach Zusagen der deutschen Hersteller 5,3 Millionen Diesel-Fahrzeuge umgerüstet werden - die Zahl ist nur noch schwer zu erfüllen.   Foto: Julian Stratenschulte

Bei der versprochenen Umrüstung von Millionen Diesel-Autos mit neuer Abgas-Software drohen erhebliche Verzögerungen.

Bis Jahresende sollen eigentlich 5,3 Millionen Wagen damit für den Kampf gegen Fahrverbote nachgebessert werden - bis dato sind aber nur 3,75 Millionen Fahrzeuge fertig umgerüstet, wie das Verkehrsministerium mitteilte.

Ressortchef Andreas Scheuer (CSU) nahm die Hersteller kurz vor Ende dieser Frist erneut in die Pflicht. Der Branchenverband VDA verwies auf erheblichen Aufwand. Man arbeite mit Hochdruck daran, «eine möglichst große Anzahl» schnell umzurüsten.

Scheuer sagte, die Hersteller hätten ihr Wort gegeben, bis Ende des Jahres 5,3 Millionen Fahrzeuge mit Software-Updates umzurüsten. «Sie hängen aber mit genehmigungsfähigen Unterlagen und der Umsetzung deutlich hinterher. Sie laufen damit Gefahr, ihr Versprechen zu brechen.» Er fordere daher eindringlich, dass sie schnellstmöglich die restlichen Fahrzeuge abarbeiten. «Ansonsten verspielen sie erneut Vertrauen.» Das Ministerium habe bereits im Frühjahr auf den Zeitdruck verwiesen und Fristen gesetzt.

Dass nicht alle 5,3 Millionen Autos umgerüstet sind, liegt laut Ministerium daran, dass die Hersteller zu ihren Anträgen auf Freigabe von Updates teils noch notwendige technische Unterlagen an das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) liefern müssten. Man erwarte, dass dies für alle Anträge schnellstmöglich erfolge, hieß es aus Berlin.

Regierung und Autobranche setzen auf Software-Updates als ein zentrales Instrument, um den Schadstoff-Ausstoß relativ schnell zu senken. In vielen Städten werden Grenzwerte für die Luftverschmutzung überschritten. Gerichte haben deswegen für mehrere Städte Fahrverbote angeordnet, die im neuen Jahr umgesetzt werden sollen.

Die deutschen Autobauer hatten beim Dieselgipfel mit der Politik im Sommer 2017 zugesagt, bis Ende 2018 bei 5,3 Millionen Diesel-Pkw der Klassen Euro 5 und 6 die Emissionen per Software-Update zu senken - «auf Basis der Freigabe durch das KBA und der erreichbaren Fahrzeuge». Darin enthalten sind auch 2,5 Millionen Wagen des VW-Konzerns, aus denen ohnehin illegale Abgas-Software entfernt werden muss. Bei VW seien inzwischen rund 98 Prozent der betroffenen Autos umgerüstet worden, erläuterte das Ministerium.

Im August war überraschend bekannt geworden, dass sogar eine Million Diesel zusätzlich eine neue Abgas-Software bekommen sollen - beim KBA liegen für insgesamt 6,3 Millionen Pkw Anträge vor. Die extra Million ergab sich laut Ministerium aus weiteren Pflicht-Rückrufen wegen illegaler Abgastechnik für deutsche Hersteller. Dazu kamen mehr freiwillige Updates deutscher wie ausländischer Hersteller - darunter Alfa Romeo, Fiat, Mazda, Renault, Ford und Opel. Der Zeitplan hierfür lautet, dass die zusätzliche eine Million Wagen «im Anschluss» an die 5,3 Millionen erfolgen soll, also nicht mehr zwingend bis Jahresende.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) erklärte, die deutschen Unternehmen setzten die zugesagten Software-Updates um. Die Anträge seien fristgerecht beim KBA eingereicht worden. Es sei das gemeinsame Ziel, Updates zügig entwickelt, geprüft und freigegeben zu bekommen. «Hier sind wir schon einen guten Schritt vorangekommen.» Vor allem komme es darauf an, dass Kunden in die Werkstätten kommen, denn es sei eine freiwillige Aktion. Der Aufwand sei erheblich - es gehe um Entwicklung, Prüfung und Freigabe Hunderter Software-Varianten, abhängig jeweils von Fahrzeug-Motor-Getriebe-Varianten.

Unterdessen haben im Kampf gegen zu schmutzige Luft die drei europäischen Metropolen Paris, Brüssel und Madrid erfolgreich gegen die Lockerung von Grenzwerten bei neuen Abgastests auf der Straße geklagt. Das EU-Gericht in Luxemburg entschied, dass die EU-Kommission Stickoxid-Grenzwerte für Autos der Norm Euro-6 zu unrecht einseitig neu berechnet habe. Die Behörde habe dabei ihre Kompetenzen überschritten, die beanstandete Verordnung muss jetzt überarbeitet werden. Bis dahin ändert sich für Autofahrer erst einmal nichts. Der ADAC erklärte nach der Entscheidung, es gebe aktuell auch keine unmittelbaren Auswirkungen für deutsche Euro-6-Halter.

Veröffentlicht am:
17. 12. 2018
10:05 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
ADAC Abgastechnik Alfa Romeo Andreas Scheuer Auto Autobranche Autofirmen CSU Europäische Kommission Fahrverbote Fahrzeuge und Verkehrsmittel Fiat Kraftfahrt-Bundesamt Mazda Ministerien Opel Produktionsunternehmen und Zulieferer Renault Software-Updates Städte VW Verband der Automobilindustrie
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Fiat Chrysler und Renault

27.05.2019

Fiat Chrysler will mit Renault weltweiten Autoriesen bilden

Der wachsende Druck auf die Branche zwingt zu neuen Bündnissen: Fiat Chrysler lädt Renault zu einer Giganten-Hochzeit ein. Es würde ein Konzern entstehen, der Branchenrivalen gefährlich werden könnte. Auch VW? » mehr

Wachsender Druck auf Opel

16.10.2018

Kraftfahrt-Bundesamt will Rückruf für Opel-Diesel anordnen

Autohersteller wie VW mussten wegen unzulässiger Abgastechnik bereits Diesel-Fahrzeuge zurückrufen - verpflichtend. Nun gerät auch Opel zunehmend in Visier der Behörden. » mehr

Nachgerüsteter SCR-Katalysator

18.03.2019

ADAC erwartet erste Diesel-Nachrüstsysteme im Herbst

Hardware-Nachrüstung beim Diesel funktioniert, das hat der ADAC schon nachgewiesen. Jetzt stellt ein neuer Test klar: Auch auf lange Sicht können die Systeme den Stickoxid-Ausstoß reduzieren. Gelöst ist das Problem damit... » mehr

Diesel-Abgasmessung

04.10.2018

Wie geht es weiter beim Diesel?

Bekommen Politik und Autoindustrie die Kurve in der Dieselkrise? Auch mit einem neuen Maßnahmen-Paket ist dies ungewiss. Bald steht eine wichtige Entscheidung in Berlin an. » mehr

H-Kennzeichen an einem Oldtimer

20.05.2019

Oldtimer in Deutschland werden immer gefragter

Ob VW-Käfer oder alter Trecker: Die Zahl der Oldtimer auf deutschen Straßen nimmt zu. Dass man noch selbst schrauben kann, macht für viele den Reiz aus. » mehr

Diesel-Fahrverbot

02.10.2019

Wann lohnt sich die Diesel-Nachrüstung?

Fahrverbote für Diesel gibt es bisher nur in wenigen Städten - doch das könnte sich ändern. Zumindest für viele Euro-5-Wagen gibt es jetzt Nachrüstsysteme. Die haben ihren Nutzen - und Nachteile. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
17. 12. 2018
10:05 Uhr



^