Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

Carsharing: Ein Auto für gewisse Stunden

Ein eigenes Auto ist für viele keine Notwendigkeit mehr. Ob die Kostenersparnis oder der Trend zum Teilen dahintersteckt: Carsharing boomt. Was muss dabei beachtet werden, und für wen lohnt sich das?



Carsharing-App
Mobile Gelegenheiten: Hier gibt eine App eines Carsharing-Anbieters die im Umkreis des Nutzers verfügbaren Autos an.   Foto: Deutsche Bahn Connect/dpa-tmn » zu den Bildern

Ob aus Verzicht auf ein Fahrzeug als Statussymbol oder wegen des Umweltbewusstseins: Kein eigenes Auto mehr zu besitzen und Carsharing zu nutzen, ist vor allem in Großstädten weit verbreitet. Doch was ist das genau, und für wen lohnt es sich?

«Carsharing bezeichnet die gemeinschaftliche Nutzung eines Fahrzeugs», sagt Katrin Müllenbach-Schlimme vom ADAC. «Kunden schließen mit dem Anbieter bei der Anmeldung einen Rahmenvertrag», ergänzt Gunnar Nehrke vom Bundesverband Carsharing. «Danach können sie alle Fahrzeuge des Anbieters rund um die Uhr selbstständig buchen.» Die Buchung kann über eine Internet-Seite, Handy-App oder Telefonzentrale des Anbieters erfolgen. «Geöffnet wird das Fahrzeug dann mit einer Chipkarte oder mit dem Handy», so Nehrke.

«Inzwischen existieren drei Modelle von Carsharing-Angeboten», sagt Heidemarie Krause-Böhm von der Verbraucherzentrale Bayern. Eines ist die Variante mit festen Stationen: «Man bucht hier ein Auto zum Beispiel für einen Einkauf, einen Besuch, einen Ausflug oder den Transport sperriger Dinge.» An einer Station holt man es ab. Am Ende wird es wieder zur Station zurückgebracht.

Beim zweiten Modell wird ohne Stationen gearbeitet. Das sei laut Krause-Böhm flexibler. Etwa, wenn man in der Stadt unterwegs ist und spontan ein Auto braucht. «Im Smartphone findet man das nächstgelegene Auto und fährt damit innerhalb des Stadtgebietes zum gewählten Ziel.» Dort stellt der Nutzer das Auto einfach wieder ab. Die private Variante ist Möglichkeit Nummer drei. Dabei leiht sich der Nutzer ein Auto von jemand anderem aus. Eine Online-Plattform regele dann die Bezahlung, Versicherung und Schlüsselübergabe.

Ein Nachteil: «Nicht immer und bei allen Carsharing-Modellen ist gewährleistet, zur gewünschten Zeit ein Auto reservieren oder nutzen zu können», erklärt Krause-Böhm. Aber auch für Pendler ist das Autoteilen möglicherweise nachteilig. «Carsharing ist auch nichts für Menschen, die auf das eigene Auto angewiesen sind, um zur Arbeit zu kommen», sagt Nehrke. Die Tarifmodelle der Anbieter seien so beschaffen, dass solche täglichen Fahrten mit langen Stehzeiten zwischendurch am Ende mehr Geld kosten als der eigene Pkw.

Carsharing lohne sich vor allem für Menschen, die das Auto nicht täglich oder regelmäßig für längere Strecken benötigen. «Grundsätzlich gilt, dass es sich umso mehr lohnt, je weniger Kilometer man im Jahr mit dem Auto zurücklegen muss,» sagt Müllenbach-Schlimme. Selbst bei einer jährlichen Fahrleistung zwischen 5000 bis 10 000 Kilometern könne sich Carsharing für den Einzelnen aber rechnen.

«Besonders Großstädter profitieren davon», so die ADAC-Sprecherin. Denn dort stehe meist ein gut ausgebautes öffentliches Nahverkehrssystem zur Verfügung. Und viele Strecken könnten gut mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Carsharing sei zudem für Familien interessant, die aus Kostengründen auf die Anschaffung eines Zweit- oder Drittwagens verzichten müssen. Laut Nehrke lohnt sich der Besitz, auch eines alten Gebrauchten, nur für Personen, die mehr als 300 km pro Monat zurücklegen.

Wer sich bei einem Anbieter registrieren möchte, der müsse aber schon vor dem ersten Losfahren mit Kosten rechnen. «Für die Anmeldung erheben die meisten Anbieter eine einmalige Bearbeitungsgebühr, die meist zwischen 15 und 30 Euro liegt», sagt Nehrke. Manche Anbieter verlangen außerdem monatliche Grundpreise, die unabhängig von der tatsächlichen Autonutzung anfallen. In der Regel sind das dann zwischen zwei und sieben Euro pro Monat. «Ganz selten kommt es vor, dass Anbieter darüber hinaus eine Kaution verlangen, die nach der Beendigung der Carsharing-Mitgliedschaft wieder ausgezahlt wird.»

Bei einem Unfall oder einer Beschädigung haftet der Kunde laut Müllenbach-Schlimme grundsätzlich nur für die Schäden, die er selbst verursacht hat. «Ist das Verschulden nachgewiesen, kann der Carsharing-Anbieter aber Ersatz verlangen». Bei Carsharing-Pools sei es jedoch üblich, dass Fahrzeuge an öffentlich zugänglichen Stellen abgestellt werden. Könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein Schaden am Auto außerhalb der Mietzeit durch Einwirkungen Dritter, wie zum Beispiel einem Parkunfall, entstanden ist, müsse der Kunde dafür nicht aufkommen, sagt die ADAC-Sprecherin. Hier muss dann der Anbieter nachweisen, dass die Schadenursache beim Kunden lag.

Veröffentlicht am:
30. 06. 2017
04:35 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
ADAC Auto Autoteile Carsharing Grundpreise Kautionen Kosteneinsparungen Rahmenverträge Trends Umweltbewusstsein
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Taxi fahren trotz Corona

30.03.2020

So fahren Sie sicherer beim Carsharing und im Taxi

Wer in Corona-Zeiten auf den öffentlichen Nahverkehr verzichten will und kein eigenes Auto hat, greift vielleicht zu Carsharing oder ruft sich ein Taxi. Was ist da jetzt zu beachten? » mehr

Teilbare Mobilität

25.06.2020

Ohne eigenes Auto mobil auf dem Land

Wer sporadisch ein Auto benötigt und kein eigenes hat, guckt auf dem Land oft in die Röhre. Denn die meisten Carsharing-Anbieter konzentrieren sich auf größere Städte. Doch es gibt inzwischen auch Alternativen. » mehr

Neue Verkehrsregeln

27.04.2020

Was sich für Autofahrer jetzt ändert

Vom 28. April an müssen Autofahrer vor allem innerorts neue Vorschriften beachten. Aber auch auf Landstraßen und der Autobahn ändert sich was - Rasern zum Beispiel drohen höhere Bußgelder und schneller ein Fahrverbot. Ei... » mehr

Kostenfalle Ladesäule

04.09.2020

Kostenfalle Ladesäule: Beim Autostrom ist viel Planung nötig

Wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will, müssen mehr Elektroautos auf die Straße. Das Netz der Ladesäulen wächst, doch beim Bezahlen gibt es noch viele Probleme. » mehr

Pedelec probieren

01.09.2020

Mit Überblick das erste Pedelec kaufen

Wer die Anschaffung eines Elektrofahrrads plant, kann angesichts des enormen Angebots schnell den Überblick verlieren. Wir sagen, worauf Anfänger bei einem Pedelec unbedingt achten sollten. » mehr

Gut festhalten bitte

04.08.2020

Die richtigen Dachboxen fürs Auto finden

Steht der Familienurlaub mit dem Auto an, wird der Stauraum im Kofferraum schnell knapp. Autofahrer können dann auf Dachboxen zurückgreifen. Was müssen sie beim Stauraum auf dem Dach beachten? » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
30. 06. 2017
04:35 Uhr



^