Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

 

Was tun, wenn der Entzug des Führerscheins droht?

Wenn Autofahrer zwangsläufig zu Fußgängern werden, sind sie erstmal sauer. Doch wie groß der Ärger wird, hängt auch davon ab, an welcher Stelle ein Betroffener über die Stränge geschlagen hat. Denn der Unterschied zwischen Fahrverbot und Führerscheinentzug ist erheblich.



Polizei blitzt
Erst rasen, dann pausieren: Wer zu schnell mit dem Auto unterwegs ist, riskiert unter anderem Fahrverbote.   Foto: Kai Remmers » zu den Bildern

Immer mehr Autofahrer in Deutschland mussten zuletzt eine Zwangspause einlegen. Laut dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) wurden 2016 insgesamt 451 687 Fahrverbote ausgesprochen und damit deutlich mehr als noch ein Jahr zuvor (376 462).

Im Detail zeigen die Zahlen, dass der Hauptgrund für Fahrverbote zu schnelles Fahren war. Beim kompletten Entzug der Fahrerlaubnis wiederum steht das Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss auf Platz eins. In solchen Fällen wird der Führerschein einbehalten und muss neu beantragt werden. Was ist dann zu beachten? Antworten von Experten:

Wann ist der Führerschein weg?

Hier gilt es zwischen dem Entzug der Fahrerlaubnis und einem Fahrverbot zu unterscheiden. «Entzogen wird die Fahrerlaubnis zum Beispiel, wenn jemand acht Punkte im Fahreignungsregister angehäuft hat», sagt Daniela Mielchen, Fachanwältin für Verkehrsrecht. Auch Alkoholfahrten könnten zum Entzug führen. Dann müsse der Führerschein auch sofort eingezogen oder unverzüglich abgegeben werden. Wer wieder fahren will, muss eine Neuerteilung beantragen und je nach Entzugsgrund auch Bedingungen wie das Bestehen einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) erfüllen. Das geht jedoch erst nach einer Sperrfrist von mindestens sechs Monaten.

Ein reines Fahrverbot für ein bis drei Monate dagegen wird zum Beispiel bei Geschwindigkeitsüberschreitungen ab innerorts 31 km/h und 41 km/h außerorts fällig. «Hier muss der Führerschein zwar auch im Original abgegeben werden, die Fahrerlaubnis selbst jedoch bleibt unangetastet», sagt Mielchen. Der Betroffene erhalte nach dem Fahrverbot den Führerschein zurück und muss ihn nicht neu beantragen.

Wo wird der Führerschein abgegeben und abgeholt?

«Bei einem Fahrverbot muss der Führerschein immer bei der Behörde abgegeben werden, die den Bescheid ausgestellt hat. In der Regel ist dies die Bußgeldbehörde», sagt Herbert Engelmohr vom Automobilclub von Deutschland (AvD). Dort könne er auch wieder abgeholt werden. Mitunter ist es auch möglich, sich den Führerschein fristgerecht zurückschicken zu lassen.

Kann sich ein Fahrverbot auch nur auf eine Klasse beziehen?

Ja, sagt Mielchen und nennt ein Beispiel: Wenn ein Taxifahrer auf einer Privatfahrt mit einem Motorrad zu schnell fuhr, könnte das Fahrverbot auf Krafträder beschränkt oder die Pkw-Berechtigung vom Fahrverbot ausgenommen werden. Denn hier hätte ein generelles Fahrverbot einschneidende berufliche Nachteile zur Folge.

Was bedeutet es, wenn eine MPU angeordnet wird?

«Sinn und Zweck einer MPU ist die Beurteilung des Risikopotenzials, das von der betroffenen Person möglicherweise ausgeht», erklärt der Dekra-Verkehrspsychologe Thomas Wagner. Es gehe dabei immer um die Verkehrssicherheit und eine mögliche Gefährdung anderer. Angeordnet wird die Untersuchung von der Führerscheinstelle. «Die häufigste Ursache für eine MPU sind Alkoholdelikte.» Bei einer Fahrt mit mehr als 1,6 Promille Alkohol im Blut gebe es keinen Ermessensspielraum. Da werde immer ein derartiges Gutachten angeordnet, für das der Betroffene laut Entgeltordnung 412 Euro bezahlen muss.

Wie teuer ist es, wenn der Führerschein weg ist?

Dies hängt grundsätzlich vom Verfahren ab. «Wird der Führerschein entzogen, weil die acht Punkte erreicht sind, wird eine Gebühr von rund 150 Euro erhoben», sagt Mielchen. Hinzu kämen dann noch Gebühren zwischen 140 und 265 Euro für die Neuerteilung. Bei Fahrverboten von einem Monat liegt das Bußgeld zwischen 120 und 240 Euro, je nachdem, ob es sich um eine Geschwindigkeitsüberschreitung, ein Abstandsvergehen oder zum Beispiel einen Rotlichtverstoß handelt.

Veröffentlicht am:
22. 05. 2018
05:38 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Automobilclub von Deutschland Fahrverbote Führerschein Kraftfahrt-Bundesamt Thomas Wagner
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Verkehrsgerichtstag

28.01.2020

Fahranfänger: Ideen für die Risikogruppe im Verkehr

Junge Fahranfänger gelten als Hochrisiko-Gruppe im Straßenverkehr. Außerdem fallen seit einigen Jahren zunehmend mehr Fahrschüler durch die Führerscheinprüfung. Was kann helfen? » mehr

Ein Polizist stoppt ein Fahrzeug

21.01.2020

So bereiten Sie sich auf eine MPU vor

Alkohol, Drogen, zu viele Punkte - für den Verlust der Fahrerlaubnis gibt es viele Gründe. Oft folgt die MPU. Die Angst der Betroffenen davor ist groß. Wer sich jedoch gut vorbereitet, kann beruhigt sein. » mehr

Ein Wagen in der Waschstraße

19.02.2019

Frühlingsgefahren für Autofahrer

Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen, und schon ist das eine oder andere offene Cabrio zu sehen. Doch der Frühling ist kein zweiter Sommer. Gerade diese Jahreszeit hält für Auto- und Motorradfahrer einige Übe... » mehr

Wie ein Rückruf funktioniert

15.02.2019

So funktioniert ein Fahrzeug-Rückruf

Häufig lesen und hören Autobesitzer von verschiedensten Fahrzeugen, die mit einem Mangel behaftet sind und an denen nachgebessert werden muss. Doch was, wenn man selbst betroffen ist? Wie genau funktioniert so ein Rückru... » mehr

Fahrverbot für alte Dieselfahrzeuge

17.12.2018

Wie werden Diesel-Fahrverbote am besten kontrolliert?

Ein Gericht nach dem anderen verbannt ältere Diesel aus den Städten. Doch wie soll im nächsten Jahr überhaupt kontrolliert werden, ob sich betroffene Fahrer an Verbote halten? » mehr

Carolin Gulz

10.03.2020

E-Scooter leihen: Für wen lohnt sich die Langzeitmiete?

Wer regelmäßig mit einem E-Scooter unterwegs ist, denkt irgendwann über einen Kauf nach. Doch es gibt noch eine andere Alternative - die Langzeitmiete. Was dafür spricht und was dagegen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
22. 05. 2018
05:38 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.